AuslandsreisenNeue Girokarten bringen Probleme

Die EC-Karte hat ausgedient, die neuen Girokarten sollen sicherer sein. Dafür kann man mit ihnen nicht mehr überall im Ausland bezahlen. von Miriam Schröder

Früher nannte man sie "Scheckkarte". Denn die erste Plastikkarte im Portemonnaie diente nur dazu, dass man sich ausweisen konnte, wenn man im Geschäft einen Papierscheck ausfüllte. Dann wurde das Electronic-Cash-Verfahren eingeführt. Mit der EC-Karte konnte man nun auch ohne Schecks im Laden bezahlen und am Automaten Geld abheben. Das Verfahren gibt es immer noch, der Name allerdings ist weg: Die EC-Karte heißt jetzt offiziell Girokarte, denn das Bezahlsystem, auf das sich Banken, Sparkassen und Händler in Deutschland verständigt haben, nennt sich Giro-Pay. Auf den neueren Bankkarten ist das EC-Symbol darum schon verschwunden.

Dafür findet man immer häufiger ein neues Zeichen, das V-Pay-Symbol.

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Es steht für Visa-Pay, das europäische Bezahlsystem von Visa. Viele Genossenschaftsbanken, manche Sparkassen und und die Postbank kooperieren bei Zahlungen im Ausland nicht länger mit Mastercard, sondern mit Visa. In Deutschland ändert sich für die Kunden damit nicht viel, sie können weiterhin überall Geld abheben und in Geschäften bezahlen. Das funktioniert auch im Ausland, aber nur innerhalb Europas. Auch in vielen Urlaubsländern, beispielsweise in der Türkei, sind die Banken und Geschäfte mit dem V-Pay-System ausgerüstet. In weiter entfernten Regionen, etwa in Thailand oder in den USA, kann der Kunde mit seiner Girokarte gar nichts anfangen. Um Geld abzuheben oder im Hotel bargeldlos zu zahlen, braucht er dafür eine Extra-Kreditkarte.

Die hat aber nicht jeder: Nach Informationen des Bankenverbandes wurden in Deutschland insgesamt nur 24 Millionen Kreditkarten herausgegeben, dagegen sind mehr als 90 Millionen Girokarten im Umlauf. Die Postbank bietet ihren Kunden zudem die Postbank Sparcard an, die weltweit an allen Automaten mit dem Visa-Plus-Zeichen funktioniert. Allerdings nur, solange ein Guthaben auf der Karte ist. Sein Konto überziehen kann der Urlauber damit nicht.

Die allermeisten Karten tragen immer noch das blau-rote Maestro-Zeichen. Damit kann man theoretisch überall auf der Welt Geld abheben und in allen Läden bezahlen, in denen dieses Symbol an der Kasse klebt. Das gilt aber auch nur theoretisch. Denn manche Banken, darunter die Deutsche Bank, haben die Karten ihrer Kunden für das außereuropäische Ausland gesperrt. Das hat Sicherheitsgründe.

In Deutschland sind alle Girokarten, egal ob mit Visa- oder Mastercard-Symbol, mit einem EMV-Chip ausgestattet. Auf diesem Chip befinden sich alle Daten, die früher von den schwarzen Magnetstreifen abgelesen wurden. Diese Technik ist den deutschen Banken aber zu unsicher geworden. Die Daten von den Magnetstreifen lassen sich zu leicht kopieren. Die Datenräuber verstecken dazu ein Lesegerät in dem Schlitz der Bankautomaten. Wenn der Kunde Geld abhebt, kopieren sie die Daten seiner Karte. Mit einer Minikamera filmen sie, wie er seine Geheimzahl eingibt. Die Daten drucken sie anschließend auf leere Karten. Mit der falschen Karte und der Geheimzahl können sie anschließend seelenruhig von jedem Automaten aus das Konto leer räumen.

Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) gab es im Jahr 2010 in Deutschland 3.183 Angriffe auf Geldautomaten. Das waren rund 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Den Schaden, der im vergangenen Jahr durch kopierte Bankdaten entstanden ist, schätzt das BKA auf rund 60 Millionen Euro. 2009 waren es erst 40 Millionen Euro. Den Schaden trägt die Kreditwirtschaft. Bankkunden können sich das Geld zurückerstatten lassen. Nach Angaben von BKA-Präsident Jörg Ziercke wurden etwa 190.000 Kartenkunden Opfer von Skimming-Attacken.

Leserkommentare
    • kopio
    • 29. Juli 2011 19:43 Uhr

    danke für diesen aufschlussreichen artikel !
    große probleme bestehen z.b. in Südamerika mit diesen maestro-karten (im speziellen der deutsche bank)

    • B.B.
    • 29. Juli 2011 19:49 Uhr

    Ich werde nächste Woche bei meiner Volksbank nachfragen, ob sie diesen Schritt gedenken oder nicht. Falls ja, werde ich alle meine Spareinlagen, mein Girokonto, meine Bankanteile und Fonds kündigen und mich neu auf dem Markt umsehen. Ich habe mit meiner EC-Karte (Maestro) bisher in vielen Kontinenten gute Erfahrungen gesammelt. Eine Kreditkarte kommt für mich nicht in Frage.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Doppelposting entfernt. Die Redaktion/ew

    Und dann heulen, wenn was passiert ist... Auf so Kunden kann sicher jede Volksbank gut verzichten.

    Irgendwo muss man nunmal zwischen dem Komfort der Zahlung per Handschlag und der absoluten Sicherheit durch völlige Einstellung des Bezahlverfahrens abwägen.

    > Eine Kreditkarte kommt für mich nicht in Frage.

    Das ist allerdings erstaunlich. Dann können Sie nicht viel in der Welt unterwegs sein. Die Kreditkarte ist das sicherste und selbstverständlichste Zahlungsmittel der Welt. Wird allenfalls vom Reisescheck noch getoppt, der zwar ungemein sicher, aber nicht komfortabel ist. Nur den Europäern wird dieser EC-Blödsinn aufgequatscht, der, wie wir sehen, nun Probleme macht. Was aber Ihre Haftung angeht, sind Sie mit einer Kreditkarte mit Abstand am besten bedient.

    • ktkrch
    • 29. Juli 2011 20:11 Uhr

    Ich hab damals von der Postbank eine neue Karte zugeschickt bekommen angeblich, weil meine alte einen Fehler hätte. Das böse Erwachen kam dann in den USA als ich kein Geld abheben konnte. V-Pay ist in der Hinsicht das Letzte.

  1. Doppelposting entfernt. Die Redaktion/ew

    Antwort auf "Kündigung"
  2. Und dann heulen, wenn was passiert ist... Auf so Kunden kann sicher jede Volksbank gut verzichten.

    Irgendwo muss man nunmal zwischen dem Komfort der Zahlung per Handschlag und der absoluten Sicherheit durch völlige Einstellung des Bezahlverfahrens abwägen.

    Antwort auf "Kündigung"
    • RRan
    • 29. Juli 2011 21:17 Uhr

    Benutzt diese Maestro-Funktion also wirklich jemand? Bei meiner Bank war die Benutzung, wenn ich mich recht erinnere, immer mit Gebühren verbunden. Dementsprechend habe ich das nie genutzt, sondern andere Angebote sondiert.

    Eine Anmerkung: viele hierzulande angebotene "Kredit"karten sind eigentlich eine Art Guthabenkarte. Man zahlt Geld auf ein spezielles Konto und nur dieses Geld kann ausgegeben werden. Und solche Karten gibt's durchaus kostenlos.

  3. > Eine Kreditkarte kommt für mich nicht in Frage.

    Das ist allerdings erstaunlich. Dann können Sie nicht viel in der Welt unterwegs sein. Die Kreditkarte ist das sicherste und selbstverständlichste Zahlungsmittel der Welt. Wird allenfalls vom Reisescheck noch getoppt, der zwar ungemein sicher, aber nicht komfortabel ist. Nur den Europäern wird dieser EC-Blödsinn aufgequatscht, der, wie wir sehen, nun Probleme macht. Was aber Ihre Haftung angeht, sind Sie mit einer Kreditkarte mit Abstand am besten bedient.

    Antwort auf "Kündigung"
  4. Also mir war schon seit längerem klar, dass man in Europa seine "stinknormale" Geldkarte verwenden kann. Sollte es aber nach außerhalb gehen, war man schon immer mit einer Kreditkarte besser bedient...
    Desweiteren meine ich mich erinnern zu können, vor einer Weile gelesen hat, dass eine Englische Uni den Chip schon geknackt hat...
    Sicher ist niemals sicher

    my two cents

    chris

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