Der befürchtete Ausverkauf an den europäischen Aktienbörsen ist zunächst ausgeblieben. Der Dax eröffnete zum Handelsbeginn in Frankfurt mit einem Minus von etwa einem Prozent. Der deutsche Leitindex ging im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag um 62 Punkte auf 6.173 Zähler nach unten, erholte sich kurz darauf aber und wechselte zwischenzeitlich ins Plus. Der MDax büßte zur Eröffnung knapp 1,2 Prozent Punkte ein. Für den TecDax ging es zu Handelsbeginn fast 1,5 Prozent abwärts.

Ähnlich war der Trend an anderen europäischen Börsen. Der EuroStoxx50 der wichtigsten europäischen Unternehmen gab 1,2 Prozent nach. Der FTSE-100 in London fiel um 1,2 Prozent, der CAC-40 in Paris büßte 0,7 Prozent ein. In Mailand gingen die im FTSE Mib notierten Aktien um nur 0,1 Prozent zurück. In Madrid legte der IBEX-35 in den ersten Handelsminuten sogar 0,6 Prozent zu. 

Die Herabstufung der Bonität der USA durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) wird dem Dax nach Einschätzung von Börsenhändlern den neunten Tagesverlust in Folge bescheren. Einige Analysten gehen sogar davon aus, dass er unter sein bisheriges Jahrestief von 6.152 Zählern fällt. Am Freitag hatte er um 2,8 Prozent tiefer bei 6.236 Punkten geschlossen. Der Dax war in der vergangenen Woche um knapp 13 Prozent eingebrochen.

In Tokyo hatte der Nikkei-Index zuvor 2,2 Prozent schwächer geschlossen: bei 9.097 Punkten. Der breiter gefasste Topix gab 2,3 Prozent ab und beendete den Handelstag auf 782 Zähler. Überall in Asien brachen die Aktienmärkte zwischen zwei und fast fünf Prozent ein, in Australien fielen die Kurse sogar auf ein Zwei-Jahres-Tief. Die Vorzeichen für Europa und die USA sind damit negativ.

"Der Ausverkauf ist noch nicht vorbei", sagte Toshio Sumitani, Stratege von Tokai Tokyo. Investoren flüchteten trotz eines außergewöhnlichen Bekenntnisses der G-7-Staaten zur Marktstabilisierung in als sicher geltende Anlagen wie Gold oder dem Schweizer Franken.

Die G7 hatten sich kurz vor Markteröffnung in Tokyo mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt und versucht, die Finanzmärkte vor einem weiteren Kursrutsch zu bewahren. Man sei bereit zu handeln, um für Stabilität und Liquidität an den Finanzmärkten zu sorgen. "Die G7 haben gewissermaßen eine Grenze gezogen, um eine Ausbreitung der Schuldenkrise einzudämmen", sagte Analyst Christian Cooper von Jefferies & Co.

Auch die Finanzminister und Zentralbankchefs der G-20-Staaten erklärten sich in einer gemeinsamen Mitteilung bereit, in Abstimmung miteinander "alle notwendigen Schritte" einzuleiten, um die Stabilität und die Liquidität an den Finanzmärkten sicherzustellen.

Zentralbank stützt Staatsanleihen von Spanien und Italien

Mit dem Ankauf von italienischen und spanischen Anleihen versuchte die Europäische Zentralbank (EZB) den Kapitalmarkt zu beruhigen. Händlern zufolge konzentrierte sich die EZB auf Käufe von Papieren mit fünfjähriger Laufzeit. Die Renditen entsprechender italienischer Bonds fielen auf 4,85 Prozent. Spanische Papiere rentierten mit nur noch 4,734 Prozent.

Händler sagten, mit Spannung werde nun die Sitzung der US-Notenbank am Dienstag erwartet. Vor allem gehe es darum zu sehen, ob die Zentralbank Hinweise auf eine weitere, dritte Runde der geldpolitischen Lockerungen geben werde. Die S&P-Konkurrenzagentur Moody's warnt vor einer Herabstufung des Ratings der USA vor 2013, bewertet die Kreditwürdigkeit aber weiter mit der Bestnote AAA.

Die Börsenexperten scheinen sich aber vor allem über die europäische Schuldenkrise zu sorgen. "Klar, das S&P-Downgrade ist ein höchst symbolisches und historisches Ereignis", sagte Analyst Paul Sheard Reuters. "Aber tatsächlich liegt anders als 2008 das Epizentrum für diese Krise in der Euro-Zone", sagte Sheard.