AktienmärkteLeichte Verluste an Europas Börsen

Der Aktienhandel zwischen London und Madrid hat schwach auf den Bonitätsverlust der USA reagiert. Ankündigungen der Politik verhinderten einen stärkeren Ausverkauf. von dpa und Reuters

Die Börse von Madrid

Die Börse von Madrid  |  © Dominique Faget/Getty Images

Der befürchtete Ausverkauf an den europäischen Aktienbörsen ist zunächst ausgeblieben. Der Dax eröffnete zum Handelsbeginn in Frankfurt mit einem Minus von etwa einem Prozent. Der deutsche Leitindex ging im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag um 62 Punkte auf 6.173 Zähler nach unten, erholte sich kurz darauf aber und wechselte zwischenzeitlich ins Plus. Der MDax büßte zur Eröffnung knapp 1,2 Prozent Punkte ein. Für den TecDax ging es zu Handelsbeginn fast 1,5 Prozent abwärts.

Ähnlich war der Trend an anderen europäischen Börsen. Der EuroStoxx50 der wichtigsten europäischen Unternehmen gab 1,2 Prozent nach. Der FTSE-100 in London fiel um 1,2 Prozent, der CAC-40 in Paris büßte 0,7 Prozent ein. In Mailand gingen die im FTSE Mib notierten Aktien um nur 0,1 Prozent zurück. In Madrid legte der IBEX-35 in den ersten Handelsminuten sogar 0,6 Prozent zu. 

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Die Herabstufung der Bonität der USA durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) wird dem Dax nach Einschätzung von Börsenhändlern den neunten Tagesverlust in Folge bescheren. Einige Analysten gehen sogar davon aus, dass er unter sein bisheriges Jahrestief von 6.152 Zählern fällt. Am Freitag hatte er um 2,8 Prozent tiefer bei 6.236 Punkten geschlossen. Der Dax war in der vergangenen Woche um knapp 13 Prozent eingebrochen.

In Tokyo hatte der Nikkei-Index zuvor 2,2 Prozent schwächer geschlossen: bei 9.097 Punkten. Der breiter gefasste Topix gab 2,3 Prozent ab und beendete den Handelstag auf 782 Zähler. Überall in Asien brachen die Aktienmärkte zwischen zwei und fast fünf Prozent ein, in Australien fielen die Kurse sogar auf ein Zwei-Jahres-Tief. Die Vorzeichen für Europa und die USA sind damit negativ.

"Der Ausverkauf ist noch nicht vorbei", sagte Toshio Sumitani, Stratege von Tokai Tokyo. Investoren flüchteten trotz eines außergewöhnlichen Bekenntnisses der G-7-Staaten zur Marktstabilisierung in als sicher geltende Anlagen wie Gold oder dem Schweizer Franken.

Die G7 hatten sich kurz vor Markteröffnung in Tokyo mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt und versucht, die Finanzmärkte vor einem weiteren Kursrutsch zu bewahren. Man sei bereit zu handeln, um für Stabilität und Liquidität an den Finanzmärkten zu sorgen. "Die G7 haben gewissermaßen eine Grenze gezogen, um eine Ausbreitung der Schuldenkrise einzudämmen", sagte Analyst Christian Cooper von Jefferies & Co.

Auch die Finanzminister und Zentralbankchefs der G-20-Staaten erklärten sich in einer gemeinsamen Mitteilung bereit, in Abstimmung miteinander "alle notwendigen Schritte" einzuleiten, um die Stabilität und die Liquidität an den Finanzmärkten sicherzustellen.

Zentralbank stützt Staatsanleihen von Spanien und Italien

Mit dem Ankauf von italienischen und spanischen Anleihen versuchte die Europäische Zentralbank (EZB) den Kapitalmarkt zu beruhigen. Händlern zufolge konzentrierte sich die EZB auf Käufe von Papieren mit fünfjähriger Laufzeit. Die Renditen entsprechender italienischer Bonds fielen auf 4,85 Prozent. Spanische Papiere rentierten mit nur noch 4,734 Prozent.

Händler sagten, mit Spannung werde nun die Sitzung der US-Notenbank am Dienstag erwartet. Vor allem gehe es darum zu sehen, ob die Zentralbank Hinweise auf eine weitere, dritte Runde der geldpolitischen Lockerungen geben werde. Die S&P-Konkurrenzagentur Moody's warnt vor einer Herabstufung des Ratings der USA vor 2013, bewertet die Kreditwürdigkeit aber weiter mit der Bestnote AAA.

Die Börsenexperten scheinen sich aber vor allem über die europäische Schuldenkrise zu sorgen. "Klar, das S&P-Downgrade ist ein höchst symbolisches und historisches Ereignis", sagte Analyst Paul Sheard Reuters. "Aber tatsächlich liegt anders als 2008 das Epizentrum für diese Krise in der Euro-Zone", sagte Sheard.

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Leserkommentare
    • hardob
    • 08. August 2011 9:50 Uhr

    auf allen Ebenen. Fortgeschrittene Paranoia. Jetzt brauchts alle zwei Minuten eine neue Schlagzeile,. Dax verliert, erholt, verholt, erliert, deliriert, ignoriert, malträtiert

    Nerven bewahren, auch wenn es schwer fällt.

    8 Leserempfehlungen
    • hareck
    • 08. August 2011 9:51 Uhr

    in ganz Europa extra früh aufgestanden, um über den Crash zu berichten, und jetzt fällt er aus.

    Klar, Crashs mit Ansage haben noch nie funktioniert.

    Alle sind alarmiert, gewarnt, pessimistisch...eigentlich das perfekte Umfeld für kräftige Kurssteigerungen.

    Man mag über die Börse denken, was man will, ein perfekter Studienplatz menschlichen Verhaltens ist sie allemal.

    4 Leserempfehlungen
  1. „Horror, Panik, Aktienmarkt bricht zusammen“

    Schlussstand Xetra-Dax Freitag: 6236 Punkte
    Aktuell: um 6236 Punkte
    Verlust ca. 0%

    Ist das nich alles furchtbar, bei diesen Horrorverlusten?

    Noch mal lieben Dank an das deutsche Medien-Prekariat für die kostenlose wochenendliche Horrorvorstellung.

    5 Leserempfehlungen
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    Warten Sie mal ab. Die Vorstellung hat noch nicht begonnen. In der ersten Börsenstunde wurde versucht, durch konzertierte Aktionen den Crash aufzuhalten. Aber solche Aktionen haben bekanntlich nur kurze, aufschiebende Wirkung. Die fundamentalen Daten sind nun mal eben katastrofal und das wird sich mit Sicherheit auch in den nächsten Monaten auf die Börsen auswirken, ebenfalls katastrofal.

    • hmber
    • 08. August 2011 10:07 Uhr

    Das Gezetere der Foristen vor mir ist nur schwer nachvollziehbar. Es ist Gott si Dank das befürchtete Chaos nicht eingetreten. Die Aktionen und Reaktionen haben genützt. Scheint den "Klassenkämpfern" und "Untergangssüchtigen" jedoch auch nicht in den Kram zu passen. bei manchen Vorgängen zweifelt man schon an der geistigen Leistungsfähigkeit, oder an den Motiven.

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    ...ist eher die Angst im vorhinein.
    Sicher kann man sich freuen, dass eine vorher angekündigte Apokalypse nicht eingetreten ist. Es wird aber zur Farce, wenn der rationale Menschenverstand dies vorher ausschließen kann.

    Leider ist Angst und Panik selten rational, und das Hauptwerkzeug der Medien...

    • Infamia
    • 08. August 2011 11:06 Uhr

    Da muss ich Ihnen ein klein wenig widersprechen. Mir geht das mediale Dauerfeuer nämlich auch ziemlich auf den Zwirn. Mir gehen zwar, wie Ihnen sicher auch, diese ganzen Foristen gehörig auf den Zwirn, denen es gar nicht weltuntergangsmäßig genug sein kann. Gute Meldungen werden sofort zerrisssen, schlechte Meldung als zu optimistisch abgetan, aber die letzten Tage kamen einem die Medien vor wie der Hase vor der Schlange. Ein Blick in die Geschichtsbücher reicht um zu erkennen, dass hier von nahezu allen Beteiligten, egal ob Medien, Händlern, Anlegern, maßlos übertrieben wird. Die Welt wird auch diesmal nicht untergehen und irgendwie wird es weitergehen. Wir werden nicht verhungern (das tut man gerade in Afrika), wir verlieren vielleicht ein klein wenig unser Erspartes, wenn wir denn die Verluste realisieren.

    Befremdlich finde ich bei all den Rettungspaketen viel mehr, das einmal mehr die Banken gerettet werden, denn die sorgen für, dass Regierungen ängstlich Pakete schnüren, wo die gerade verabschiedeten noch nicht mal trangiert wurden, wie es fachchinesisch so schön heißt. Leider machen Banken eben nur das, was der Markt zulässt. Das mag moralisch verwerflich sein, ist aber nachvollziehbar.

  2. Es ist mir ein Rätsel, warum Finanzmärkte und Medien sich im einem selbstverstärkenden Kreislauf in Sachen Pessimismus anfeuern. Merkt denn keiner, dass Käufe und Verkäufe an "den Märkten" eben jenen Erwartungen entsprechen, die publiziert werden, und dann - oh Wunder - die "Krise" (Wort des Jahres) tatsächlich eintritt bzw. ausbleibt?

    Es geht darum positive Erwartungen zu schaffen. Für die Rettung Europas und des Euros schlage ich daher T-Shirts von http://europe-shirts.eu vor.

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  3. Keine Panik, der Crash kommt noch. Nur der richtige Crash wird vorher nicht in den Prekär-Medien angekündigt. Generell gilt, wenn diese den Crash groß ankündigen, sollten Sie kaufen, wenn Fettleibigkeit oder Magersucht wieder Thema Nr. 1 sind, sollten Sie schnellstens verkaufen.

    Also nutzen Sie den deutschen Prekär-Medien-Indikator.

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  4. ...ist eher die Angst im vorhinein.
    Sicher kann man sich freuen, dass eine vorher angekündigte Apokalypse nicht eingetreten ist. Es wird aber zur Farce, wenn der rationale Menschenverstand dies vorher ausschließen kann.

    Leider ist Angst und Panik selten rational, und das Hauptwerkzeug der Medien...

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    Antwort auf "Befremdlich"
  5. Wann zieht Herr Schäuble sich zurück?

    Die CDU muss dringendst nach Reformern ausschau halten.
    Der Euro muss gekippt werden. Er hat ausgedient, wobei er noch nicht einmal gedient hat.

    Nur den Spekulanten war er nützlich.

    Leider hat die gesamte Opposition auch niemanden zur Hand, der ein Meisterstück wagen könnte, trotz Steinbrück und Steinmeier. Die haben ja bewiesen dass sie nur heisse Luft ablassen können und die grünen Ökos haben diesbezüglich nur ihr Gutmenschentum als Grundlage. Und das hat uns bereits viel gekostet.
    Merkel mit Ackermann sollten in Urlaub gehen, am Besten auf eine einsame Insel ohne Funk etc..

    Wir haben ein echtes Problem!!!!!

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Dax | Europäische Zentralbank | Euro-Zone | Finanzmarkt | Liquidität | TecDax
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