Schuldenkrise Zentralbank nimmt Druck von Spanien und Italien

Die Zinsen auf spanische und italienische Staatsanleihen sind deutlich gesunken. Die EZB kauft offenbar am Markt solche Papiere auf und drückt so den Kurs.

Die Zinsen auf italienische und spanische Staatsanleihen fallen am Montagvormittag deutlich niedriger aus. Auf zehn Jahre laufende italienische Anleihen wurde nur noch eine Rendite von 5,5 Prozent erhoben – 0,57 Prozentpunkte weniger als Freitag. Auch der Zins auf entsprechende spanische Papiere fiel um 0,58 Punkte auf etwa 5,5 Prozent. Damit reagierte der Rentenmarkt auf Signale der Europäischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen Italiens und Spaniens aufzukaufen.

Händler sagten, dass die Zentralbank vor allem fünfjährige Papiere aufkaufe. Diese erhöhte Käufernachfrage drückt am Markt den Kurs: Die Renditen entsprechender italienischer Staatsanleihen fielen um 0,65 Punkte auf 4,85 Prozent, spanische Papiere um 0,69 Punkte auf 4,7 Prozent. Am Morgen hatte der französische Finanzminister François Baroin in einem Radiointerview gesagt, die EZB sei bereit, spanische und italienische Staatsanleihen zu kaufen. Die Sparpläne Italiens und Spaniens führten in der EZB zu der Einschätzung, dass es "legitim" sei, beiden Ländern zu helfen, sagte Baroin. Der Kauf der Staatsanleihen könne erfolgen, wenn Anleger sich zurückzögen. 

Anzeige

Die EZB hatte am Sonntagabend angekündigt, ihr Programm zum Anleihenkauf "aktiv umzusetzen". Sie nannte dabei zwar keine Länder. Zugleich begrüßte die EZB aber die Spar- und Reformpläne Spaniens und Italiens. Es sei nun entscheidend, dass diese Ankündigungen rasch umgesetzt würden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu verbessern und die Staatsverschuldung zu senken. Die Börsen in Italien und Spanien reagierten mit Kursgewinnen auf die neue Lage. Der Ibex-35-Index in Madrid und der FTSE MIB in Mailand stiegen am Vormittag um jeweils rund zwei Prozent.

Das mutmaßliche Eingreifen der EZB brachte zugleich die Kurse deutscher Staatsanleihen massiv unter Druck. Der für den Staatsanleihemarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future fiel um 1,04 auf 131,30 Basispunkte. In den vergangenen Tagen hatten deutsche Bundesanleihen von der Flucht aus italienischen und spanischen Papieren profitiert.

Experten der Royal Bank of Scotland (RBS) nannten die Reaktion der EZB eine "kraftvolle" Antwort. Die Aufkäufe von spanischen und italienischen Staatsanleihen dürften den drohenden Kollaps der Bondmärkte der beiden Länder verhindern, schrieben die RBS-Analysten am Montag in einer Studie. Von den Eingriffen der EZB profitierte auch der Euro. Er kostet am Vormittag mit 1,4365 Dollar rund einen US-Cent mehr als zum Schluss der New Yorker Börse am Freitagabend.

Die Signale der EZB sowie das Bekenntnis der G-7-Staaten, die Finanzmärkte stabilisieren zu wollen, verhinderten zudem den befürchteten Ausverkauf an den europäischen Aktienmärkten zunächst. Einige Börsianer hatten nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit am Freitagabend für die neue Handelswoche eine Fortsetzung des Abwärtskurses an den europäischen Börsen vorhergesagt. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hatte den USA die Top-Bonitätsnote AAA aberkannt und die Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft nur noch mit AA+ bewertet. Zudem schloss sie weitere Herabstufungen nicht aus.

 
Leser-Kommentare
  1. Verstößt es nicht gegen die Satzung der EZB Schrottanleihen zu kaufen? Was sind Gesetze eigentlich noch Wert? Diese ganze Eurokrise ist eine Farce und wird das Vertrauen vieler in Demokratie und Rechtsstaat nachhaltig schädigen. Deutschland haftet mit 27%(wenn Spanien und Italien ausfallen nähern wir uns der 50% Marke)für die Risiken der EZB. Somit springt der deutsche Steuerzahler für die privaten Amleger ein, die nicht mehr bereit sind Staatsanleihen von Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien zu kaufen. Interessant ist hierbei auch, dass vier EZB-Ratsmitglieder (alles Nettozahler) gegen den Kauf gestimmt haben, aber von der Spaniern, Italienern Portugisen etc in der EZB überstimmt worden sind. Somit bestimmen jetzt schon andere über die Verwendung deutscher Steuergelder.

    26 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ja, dieser Schritt ist satzungswidrig. Grundsätze, Satzungen, Gesetze gelten seit dem 9.Mai 2010 im Euro-Raum nicht mehr.

    Ja, dieser Schritt ist satzungswidrig. Grundsätze, Satzungen, Gesetze gelten seit dem 9.Mai 2010 im Euro-Raum nicht mehr.

  2. beschädigt werden. Auch wenn die uns faktisch mit jeder ihrer völlig unlegitimierten Aktionen näher an den finanziellen Abgrund führt. Lang lebe der Euro-Retter und Held des Euros Jean-Claude Trichet!! Viva €ZB !

    Die Einzige die diesen dümmlichen EZB-Jubel quer durch die Systemmedien noch hinterfragt ist die FAZ:

    http://www.faz.net/artike...

    • lepkeb
    • 08.08.2011 um 12:31 Uhr

    der dt. Steuerzahler nimmt Druck von Spanien und Italien und hält das Casino am laufen. Dafür können die Spaniards um Zapatero demnächst wieder die Deutschen verhöhnen (http://www.spiegel.de/wir...) Und das Schlimmste ist der dt. Michel sitzt zu Hause und lässt sich ohne Schaum rasieren. Die nächsten Sozialreformen (schöne Umschreibung für Sozialabbau) kommen bestimmt

    18 Leser-Empfehlungen
  3. In Stuttgart schreien die Leute wegen des läppischen S21 "Lügenpack", dort wo es tatsächlich um die Wurst geht, da herrscht Schweigen im Walde.

    15 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Interessant fand ich dass, während wir uns hier über Rettungsschirme, Bail-Outs und EZB echauffierten, der meistgelesene Artikel an diesem Tag tatsächlich derjenige über "Design-Fahrräder mit Jeans-Sattel und Mantarochenleder bezogenen Rahmen" war (no Joke !! ;-)

    • fanta4
    • 08.08.2011 um 12:52 Uhr

    sondern Betrüger- und Vertragsbrecherpack.

    Damit ist die EZB zum Inkasso-Unternehmen geworden. Sie saugt unser Steuergeld ab und pumpt es in die privaten Banken und Hedgefonds.

    Sie ist damit wohl zumindest die größte Bad Bank Europas.

    Auch so mancher Banker kann das nicht mehr nachvollziehen:

    http://www.welt.de/wirtsc...

    fordert nicht ganz ernst gemeint Demokratie Jetzt.
    Und bitte keine Anstrengungen im Bildungsbereich !

    • PW
    • 08.08.2011 um 13:27 Uhr

    //In Stuttgart schreien die Leute wegen des läppischen S21 "Lügenpack", dort wo es tatsächlich um die Wurst geht, da herrscht Schweigen im Walde.//

    Die ZEIT schreibt ja auch fleißig, daß der Euro Friede, Freude und Eierkuchen bedeutet und daß ohne die PIIGS in der Eurozone wieder Krieg und Hungernsot und Feuersbrunst in der EU ausbricht.

    Merke: Islam=Friede, Euro=Friede.

    Interessant fand ich dass, während wir uns hier über Rettungsschirme, Bail-Outs und EZB echauffierten, der meistgelesene Artikel an diesem Tag tatsächlich derjenige über "Design-Fahrräder mit Jeans-Sattel und Mantarochenleder bezogenen Rahmen" war (no Joke !! ;-)

    • fanta4
    • 08.08.2011 um 12:52 Uhr

    sondern Betrüger- und Vertragsbrecherpack.

    Damit ist die EZB zum Inkasso-Unternehmen geworden. Sie saugt unser Steuergeld ab und pumpt es in die privaten Banken und Hedgefonds.

    Sie ist damit wohl zumindest die größte Bad Bank Europas.

    Auch so mancher Banker kann das nicht mehr nachvollziehen:

    http://www.welt.de/wirtsc...

    fordert nicht ganz ernst gemeint Demokratie Jetzt.
    Und bitte keine Anstrengungen im Bildungsbereich !

    • PW
    • 08.08.2011 um 13:27 Uhr

    //In Stuttgart schreien die Leute wegen des läppischen S21 "Lügenpack", dort wo es tatsächlich um die Wurst geht, da herrscht Schweigen im Walde.//

    Die ZEIT schreibt ja auch fleißig, daß der Euro Friede, Freude und Eierkuchen bedeutet und daß ohne die PIIGS in der Eurozone wieder Krieg und Hungernsot und Feuersbrunst in der EU ausbricht.

    Merke: Islam=Friede, Euro=Friede.

    • Aldihu
    • 08.08.2011 um 12:38 Uhr

    Toll!
    Die EZB kauft Staatsanleihen (die aus gutem Grund niemand mehr haben möchte) mit Geld auf,welches sie selbst druckt. Die Geldmenge wird stark erhöht und es kommt zu einer stärkeren Inflation, die vor allem die armen Teile der europäischen Bevölkerung (Rentner, Sozialhilfeempfänger) treffen werden. Zudem existiert die "Unabhängigkeit" der Notenbank nicht mehr, da sie bereits viel zu tief in die Schuldenkrise verstrickt ist. Den Deutschen wurde eine Notenbank nach dem Vorbild der deutschen Bundesbank versprochen und heute haben wir das Modell einer Bananenrepublik. Doch die Freudensnachricht sind noch nicht fertig, denn sollte ein Land die Staatsanleihen nicht mehr au´fkaufen können, darf der deutsche Steuerzahler sich mit mindestens 27% daran beteiligen. Vielleicht sollte die Zeit diese Kleinigkeiten auch mal in ihre Berichterstattung einbauen!

  4. Verträge sind nur so viel wert wie die Aufrichtigkeit der Vertragspartner und die Handlungsfähigkeit der Kontrollinstanzen.

    Insofern sind jetzt alle Verträge zur EZB und zum Euro Makulatur.

    Es gibt überhaupt keinen Grund mehr, warum sich irgendjemand noch an diese Verträge halten sollte.

    Die Verträge sind ersetzt worden durch Hinterzimmerintrigen und Bankenlobbyismus. Der Cleverste verliert am wenigsten, Angela Merkels Unverstand in Wirtschaftsfragen ist leider grenzenlos.

  5. Hallo, Jean-Cluade: wo in den verdammten EU Verträgen steht bitte dass Deutschland und Frankreich finanziell dafür zu sorgen haben, dass Italien, Griechenland, Portugal und Irland nicht mehr Zinsen für ihre Staatsanleihen zahlen müssen als sie selbst ? Nirgendwo ?

    Wieviel Jahre Knast gibt's eigentlich für Geschäftsführung ohne Auftrag ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist ein nachhaltig wichtiges Problem der gesamten repräsentativen Demokratie. Niemand haftet für seine Entscheidungen, wie es jeder normale Bundesbürger sonst zutun hat.
    Mit entsprechenden Gesetzen und Regelungen für absichtliches In-den-Dreck-fahren von Seiten der Politiker (Trash-Aktien Ankauf kurz vor polit. Abgang zB) wären dem ganzen Handeln Grenzen gesetzt. Und damit meine ich explizit keine rückwirkenden Regelungen wie in Ungarn zurzeit, was gegen unsere Rechtsstaatlichkeit gehen würde.
    Aber wer glaubt denn zB, dass S21 weiter gebaut werden würde, wenn die Großen der Politik mit ihrem Privatvermögen für die Kosten haften würden, die über das von ihnen benannte Maximalmenge an Geld geht?

    Das ist ein nachhaltig wichtiges Problem der gesamten repräsentativen Demokratie. Niemand haftet für seine Entscheidungen, wie es jeder normale Bundesbürger sonst zutun hat.
    Mit entsprechenden Gesetzen und Regelungen für absichtliches In-den-Dreck-fahren von Seiten der Politiker (Trash-Aktien Ankauf kurz vor polit. Abgang zB) wären dem ganzen Handeln Grenzen gesetzt. Und damit meine ich explizit keine rückwirkenden Regelungen wie in Ungarn zurzeit, was gegen unsere Rechtsstaatlichkeit gehen würde.
    Aber wer glaubt denn zB, dass S21 weiter gebaut werden würde, wenn die Großen der Politik mit ihrem Privatvermögen für die Kosten haften würden, die über das von ihnen benannte Maximalmenge an Geld geht?

  6. vielleicht fuer 2 - 3 Wochen, erhoeht aber gleichzeitig langfristig den Druck auf die Steuerzahler, die keine Verantwortung fuer diese Katastrophe tragen. Erneut verstoesst die "unabhaengige" EZB, aufgrund von politischem Druck, gegen die eigenen Regeln und Grundsaetze. Hier werden Probleme ohne Unterlass verschoben und damit in ihrer Dimension erheblich vergroessert. Die Banken und die Zocker amuesieren sich derweil.Das CDS business laeuft wie verrueckt...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service