Wie sehr Italien im Umbruch steckt, lässt sich an einer Situation ganz besonders gut beschreiben. "Diese Einschnitte waren für uns auch psychologisch schwierig", sagt die italienische Arbeitsministerin Elsa Fornero bei der Präsentation des Spar- und Reformprogramms am Montag in Rom. "Wir baten die Rentner darum, sich ..." Sie stockt und bricht in Tränen aus. Das Wort "aufopfern" kommt ihr nicht mehr über die Lippen.

Forneros Tränen sind ungewöhnlich in einem Land, in dem politische Auseinandersetzungen normalerweise von heftigen verbalen und oft persönlichen Attacken begleitet werden. In der Vergangenheit galt: Wer Schwäche zeigt, verliert. Aber Italien wandelt sich. Sollte das Parlament das Reformprogramm des neuen Regierungschefs Mario Monti in den kommenden Tagen verabschieden, wird die Ministerin nicht die einzige sein, der die Tränen kommen.

"Ein Plan zur Rettung Italiens" nennt Monti sein Sparprogramm. Es verlange Opfer, aber gleichzeitig werde das Wachstum stimuliert, sagt er. Zumindest die Gläubiger des Landes scheinen dem Ministerpräsidenten zu vertrauen: An den Finanzmärkten sanken die Zinsen auf zehnjährige italienische Staatsanleihen zu Wochenbeginn von 7,5 auf knapp über 6 Prozent.

Grundsätzlich sind sich Politik, Gewerkschaften und Arbeitgeber auch einig: Wenn Italien in der Euro-Zone bleiben will, sind Reformen unabwendbar. Aber sobald es um die Details geht, wird es schwierig: Sparen ja, aber bitte nicht bei mir.

Beispiel Eigenheim: Monti will die von seinem Vorgänger Silvio Berlusconi abgeschaffte Immobiliensteuer wieder einführen. "Das ist ein bewaffneter Überfall", wettert der ehemalige Innenminister Roberto Maroni und spricht vom "räuberischen Rom", das sich an der Mittelschicht vergreife. Die alten Reflexe funktionieren noch. Monti will auch Luxusgüter wie Sportwagen, Flugzeuge und Yachten stärker besteuern. Eine Vermögenssteuer für Besserverdienende soll es aber vorerst nicht geben.

Ebenfalls für Empörung sorgt die geplante Anhebung der Benzin- und der Mehrwertsteuer. Letztere soll im September kommenden Jahres von 21 auf 23 Prozent steigen. "Diese Steuererhöhungen führen den Großteil des Landes direkt in die Armut", sagt Nichi Vendola , Chef der linksliberalen Partei Linke, Umwelt und Freiheit.

30 Milliarden Euro will Monti mit seinem Programm zusammenbringen: 17 Milliarden durch höhere Steuern und 13 durch Kürzungen bei Sozialleistungen und in der öffentlichen Verwaltung. Auch Montis Kabinett soll einen Beitrag leisten – die Minister verzichten auf Teile ihrer Bezüge.