Euro-Krise Angst frisst deutsche Zinsen auf

Die Anleger bezahlen jetzt auch den deutschen Staat dafür, dass er ihr Geld nimmt. Keine sonderlich gute Nachricht.

Die Nachricht klingt widersinnig: "Investoren schenken Deutschland Geld", titeln einige Nachrichtenseiten an diesem Montag. Anleger, die dem deutschen Staat ihr Erspartes schenken: Sind die Märkte nun völlig übergeschnappt?

Tatsächlich ist die Sache leicht zu erklären – und auch wieder nicht.

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Zum leichten Teil: An diesem Montag wollte sich der deutsche Staat bei den Anlegern für sechs Monate lang rund vier Milliarden Euro leihen. Solche Geschäfte macht er regelmäßig. Schließlich hat Deutschland jede Menge Schulden, die neu finanziert und abgelöst werden müssen.

Zuständig für die deutschen Staatsschulden ist die Finanzagentur des Bundes in Frankfurt. Sie bittet regelmäßig einen Kreis von 35 Banken zur Auktion – darunter Goldman Sachs, die spanische Bank Santander und die Deutsche Bank. Die Institute geben dann ihre Gebote ab: Zum Beispiel 100 Millionen Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent oder 300 Millionen zu einem Satz von einem halben Prozent. Am Ende der Auktion sortieren die Mitarbeiter der Finanzagentur die Gebote und teilen das Geld zu.

Das funktioniert so: Die Bank, die aus Sicht des Staates das beste Angebot vorgelegt hat, erhält die erste Tranche, danach folgt der Bieter mit dem zweiten Angebot. Am Ende muss der Staat für die neuen Schulden einen Durchschnittszins zahlen, der sich aus allen Geboten berechnet, die zum Zuge kamen.

Seit der Gründung der Bundesrepublik war dieser Zins immer positiv. Bis heute. Weil die Nachfrage nach den deutschen Staatspapieren größer war als sonst, rutschte der Zinssatz unter null. Genauer: auf -0,0122 Prozent. Der deutsche Staat muss also nicht dafür zahlen, dass er Schulden macht. Er verdient daran.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Anleger auf ein solches Geschäft einlassen. In der Schweiz bezahlen die Investoren den Staat seit August des vergangenen Jahres dafür, dass sie ihm Geld leihen dürfen. Auch in Dänemark fielen die Nominalzinsen für kurzfristige Staatspapiere zum Jahresbeginn unter null.

Wie kann das sein?

Wen immer man auch fragt: Fast alle Fachleute erklären die Reaktion der Anleger mit der Angst, die in Europa umgeht. "Viele Institute scheuen sich mittlerweile, ihr Geld in Europas Peripherie anzulegen", sagt etwa Johannes Müller, Chefvolkswirt der DWS. Statt in Griechenland, Portugal oder Spanien legten die Investoren zunehmend ihr Geld dort an, wo sie es sicher vermuten.

Leser-Kommentare
  1. ist mindestens genau so sicher und billiger.

  2. Haben die Banken nicht riesen Kredit von der EZB bekommen für 1% Zinsen, was ja deutlich unter der Inflation liegt. Da können sie doch das Geld auch weiterverschenken, nicht?

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    Nein. Viele Meldungen am 21.12.2011 waren jedoch so formuliert, dass der Leser den Eindruck gewinnen konnte. Zweck der Presseübung war vermutlich, dass man den Banker-Hass etwas schüren wollte. Banker sind keine Engelchen, in dem Fall waren aber die Schreiber der Pressetexte die Teufelchen.

    Die EZB hat lediglich das Geld zu sehr günstigen Bedingungen angeboten, um eine sg. Zinsklemme (Banken verleihen kein Geld mehr an willige Investoren) zu verhindern.

    Der Witz ist jedoch, dass die Banken in Europa eh am kämpfen sind, dass sie bis Mitte 2012 auf 9% Eigenkapitalquote kommen. Wenn sie neues fremdes Geld in ihre Bank holen würden, sänke(?) jedoch ihre Eigenkapitalquote wieder.

    Man kann eigentlich nur schlussfolgern, dass die Geldpolitik in Europa ziemlich irre ist, und viele Pressetexte alles versuchen, die Leser zusätzlich zu verwirren. Wieso auch immer.

    Nein. Viele Meldungen am 21.12.2011 waren jedoch so formuliert, dass der Leser den Eindruck gewinnen konnte. Zweck der Presseübung war vermutlich, dass man den Banker-Hass etwas schüren wollte. Banker sind keine Engelchen, in dem Fall waren aber die Schreiber der Pressetexte die Teufelchen.

    Die EZB hat lediglich das Geld zu sehr günstigen Bedingungen angeboten, um eine sg. Zinsklemme (Banken verleihen kein Geld mehr an willige Investoren) zu verhindern.

    Der Witz ist jedoch, dass die Banken in Europa eh am kämpfen sind, dass sie bis Mitte 2012 auf 9% Eigenkapitalquote kommen. Wenn sie neues fremdes Geld in ihre Bank holen würden, sänke(?) jedoch ihre Eigenkapitalquote wieder.

    Man kann eigentlich nur schlussfolgern, dass die Geldpolitik in Europa ziemlich irre ist, und viele Pressetexte alles versuchen, die Leser zusätzlich zu verwirren. Wieso auch immer.

  3. Was ein Glück, daß ich solche Progleme nicht habe. Wenn ich Geld übrig habe, dann gebe ich es aus. Letzte Woche habe ich zum Beispiel in ein neues Nikon-Objektiv investiert. Das funktioniert in 20 Jahren noch so gut wie heute, egal wie dann unsere Währung heißt.

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    • tgam
    • 10.01.2012 um 6:03 Uhr

    Ungewiss ist, ob Sie dann noch das Geld haben werden, um Ihre Kamera mit Strom zu versorgen zu können. Vielleicht aber haben Sie sie dann längst schon gegen eine Portion Rattengulasch eingetauscht...

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

    • tgam
    • 10.01.2012 um 6:03 Uhr

    Ungewiss ist, ob Sie dann noch das Geld haben werden, um Ihre Kamera mit Strom zu versorgen zu können. Vielleicht aber haben Sie sie dann längst schon gegen eine Portion Rattengulasch eingetauscht...

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie mit sachlichen Argumenten zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

  4. Eine Leser-Empfehlung
  5. Schon vor Jahren wurde dieses Thema der negativen Zinsen plausibel in kleineren Kreisen angesprochen. Fast alle lachten darüber, aber wenn man die wahren Hintergründen kennt, sollte sich ernstliche Gedanken über wahren Ursachen dieser Entwicklung machen sollen.

    Wir alle versenken in eine hyper rationelle Auffassung der Welt bzw. wahren Abläufen die das alle wichtigste im Leben zunehmend gefährdet. Am Ende dieses Prozesses bleibt nur ein vermeintlicher Sieger und eine endlose Zahl der erbitterten Verlierer.Die Kälte des monopolistischen Zinszynismus, geboren in der Wiege der neoliberalen Monetarismus verbreitet sich planmäßig weiter.

    Der Bürger wird die Rechnung für diesen Erfolg bei eigenen Überziehungszinsen sehen dürfen.

    12 Leser-Empfehlungen
  6. Aber im Ernst:
    Es scheint sich für Banken zu lohnen, sich bei der EZB Geld zu holen und durch dessen Verleihen dann Verluste zu machen, damit sie wegen der höheren Sicherheiten auf der anderen Seite mehr Geld zum (Ver)Zocken haben.

    Scheint wohl alles nicht so richtig zu funktionieren, oder?
    Hört sich jedenfalls ein bisschen "bubbly" an...

    • qotsa
    • 09.01.2012 um 20:50 Uhr

    Wie wärs damit...das Geld was wir durch unser SCHULDENMACHEN bekommen, überweisen wir sofort weiter nach Griechenland.

    Oder wie wärs damit: Wir nehmen das billige Geld und investieren in große Infrastrukturprojekte. Das schafft Arbeitsplätze und Binnennachfrage. Vielleicht kommen unsere Nachbarn dann nach Jahren des deutschen Lohndumpings irgentwann wieder auf die Beine.

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    Mannoman... rd. 500.000€ "Gewinn" (wenn man das unter den Begleitumständen so nennen will...).

    Infrastrukturprojekte?
    http://www.mittelbayerisc...
    ist schon zu teuer...

    Mannoman... rd. 500.000€ "Gewinn" (wenn man das unter den Begleitumständen so nennen will...).

    Infrastrukturprojekte?
    http://www.mittelbayerisc...
    ist schon zu teuer...

  7. Nun bekommt Deutschland Geld geschenkt - und das, obwohl Berlin alle Regeln bricht. Das deutsche Defizit lag Ende 2011 bei schätzungsweise zwei Prozent. Angesichts des Wachstums von knapp drei Prozent ist das nicht toll; das strukturelle, also um konjunkturelle Einflüsse bereinigte Defizit ist mit schätzungsweise 3 Prozent immer noch viel zu hoch.

    So oder so verstößt Deutschland gegen das neue Ziel der "Fiskalunion", das Defizit auf 05 Prozent zu begrenzen. Zudem plant Schäuble im neuen Jahr eine höhere Neuverschuldung. Er verstößt damit gegen die "goldene Regel" der "Fiskalunion", wonach im Aufschwung gespart werden soll.

    Auch der Schuldenstand steigt. Mit rund 80 Prozent liegt er derzeit immer noch deutlich über laut Stabilitätspakt zulässigen Schwelle von 60 Prozent; selbst 2015 werden noch 75,5 % erwartet. Laut "Fiskalunion" müsste es dafür automatische Sanktionen setzen; schließlich sollen die Schulden jedes Jahr um ein Zwanzigstel abgebaut werden.

    Kurz und gut: Merkel und Schäuble verfehlen alle Kriterien, die sie den "Schuldensündern" ständig um die Ohren hauen - und die in der neuen "Fiskalunion" für den Euro Verfassungsrang bekommen sollen. Doch die Märkte scheren sich darum einen Sch... mehr auf http://lostineurope.poste...

    15 Leser-Empfehlungen
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    Sie schrieben: "Kurz und gut: Merkel und Schäuble verfehlen alle Kriterien, die sie den "Schuldensündern" ständig um die Ohren hauen - und die in der neuen "Fiskalunion" für den Euro Verfassungsrang bekommen sollen. Doch die Märkte scheren sich darum einen Sch..."

    Die Regierung hält sich ja noch nicht man an die deutsche Verfassung oder versucht sie immer wieder zu brechen, wieso dann an ein noch ungeschriebenes Gesetz halten?

    das ist unsere reGIERung

    my two cents

    Chris

    Sie schrieben: "Kurz und gut: Merkel und Schäuble verfehlen alle Kriterien, die sie den "Schuldensündern" ständig um die Ohren hauen - und die in der neuen "Fiskalunion" für den Euro Verfassungsrang bekommen sollen. Doch die Märkte scheren sich darum einen Sch..."

    Die Regierung hält sich ja noch nicht man an die deutsche Verfassung oder versucht sie immer wieder zu brechen, wieso dann an ein noch ungeschriebenes Gesetz halten?

    das ist unsere reGIERung

    my two cents

    Chris

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