Steuerfahndung : Hausdurchsuchungen bei deutschen Credit-Suisse-Kunden

Tausende deutsche Anleger bekommen Ärger mit der Steuerfahndung. Sie sollen Milliarden Euro an Steuern durch Scheinversicherungen der Credit Suisse hinterzogen haben.

Steuerfahnder haben bundesweit Hausdurchsuchungen bei deutschen Kunden der Schweizer Großbank Credit Suisse vorgenommen. Der Grund sind offenbar neue Erkenntnisse über Scheinversicherungen, sogenannte Bermuda-Produkte, mit denen Milliarden von Euro am deutschen Finanzamt vorbeigeschleust worden seien, berichtete das Handelsblatt .

Etwa 7.000 Kunden seien insgesamt betroffen, die meisten davon Deutsche. Die Höhe der unversteuerten Gelder schätzen Beteiligte dem Bericht zufolge auf mehrere Milliarden Euro. Fahnder berichteten, es gehe im Schnitt um Anlagebeträge von etwa 500.000 Euro; es soll aber auch Fälle von zwölf Millionen Euro und mehr geben.

Bei den Scheinversicherungen handle es sich um Produkte der Credit Suisse Life mit Sitz auf Bermuda . Insider hätten berichtet, die Bank habe normale Anlagekonten als Versicherungen getarnt und damit den Fiskus betrogen. Anders als die meisten Kapitalanlagen sind diese Bermuda-Produkte für ihre Laufzeit von mindestens zwölf Jahren von der Steuer befreit.

Im Prinzip sei ein solcher "Versicherungsmantel" (Insurance Wrapper) ein legales Konstrukt, um Steuern zu sparen, schreibt das Handelsblatt. Kritisch werde es allerdings, wenn die Mäntel zur Verschleierung von bereits zuvor unversteuertem Geld genutzt würden, sagte ein Liechtensteiner Versicherungsmanager der Zeitung. Nach seinen Angaben ist das bei Credit Suisse der Fall gewesen.

Trefferquote: Fast 100 Prozent

Laut Handelsblatt gelangten die Daten über ein Leck innerhalb der Bank an die deutschen Steuerfahnder. Ob dafür Geld gezahlt wurde, ist unklar. Fahnder berichteten, der Datensatz habe bisher eine Trefferquote von fast 100 Prozent ergeben. Die Ermittlungen werden von der Steuerfahndung Wuppertal koordiniert.

Ein Sprecher von Credit Suisse sagte, die Bank habe Kunden geraten, Steuerexperten hinzuzuziehen, um gegebenenfalls eine Selbstanzeige vorzunehmen. Der Kunde habe "unterschrieben, dass er die Steuersituation selber klären muss". Die Bermuda-Produkte würden seit 2009 nicht mehr angeboten. Credit Suisse leiste keine Hilfen zur Steuerhinterziehung.
 

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Hier gilt es den Hebel...

anzusetzen. Da wird im Artikel davor, Herrn Schröder mal wieder eine Plattform gegeben, um seine "Reformen" zu rechtfertigen. Besser wäre es, wenn die Medien mal die Finger in diese Wunde, Steuerflüchtlinge, legen würden. Wer das so ist und wieviel da so mal eben am Fiskus vorbei in dubiose Steueroasen geschafft werden. Ich bin davon überzeugt, wenn wir hier einigermassen erfolgreich wären und diejenigen die es trotzdem tun, öffentlich machen. Dann sähe die Welt ein wenig anders aus.

"Credit Suisse leiste keine Hilfen zur Steuerhinterziehung."

"Credit Suisse leiste keine Hilfen zur Steuerhinterziehung."

Ja ne, is klar!

Aber bis 2009 wurden Insurance Wrapper von Credit Suisse in Deutschland angeboten - und wer weiß wo sonst noch!

Mehr noch als die Geschäftsmodelle von Schweizer Banken ist es die Heuchelei von Vertretern dieser Banken, die uns hier auf die Palme bringen.

Mitverantwortung

#5
Ihr Vergleich hinkt. Ein Auto dient hauptsächlich der legalen Teilnahme am Straßenverkehr. Einem Autohersteller kann man also kaum vorwerfen, er würde Beihilfe zu Banküberfällen leisten, weil seine Fahrzeuge auch als Fluchtauto benutzt werden. Und er hat auch keinen Grund anzunehmen, dass nicht 99,99% der Autokäufer einen Führerschein haben.

Aber bei "Finanzprodukten", deren legale Anwendung aus versteuertem Einkommen keinen Sinn ergibt, das also geradezu auf Steuerhinterzieher zugeschnitten ist: Hier ist der Anbieter m.E. mit verantwortlich zu machen.

Warum wohl dürfen Feuerwerkskörper nur vom 29. bis zum 31.12. verkauft werden?

Es erinnert mich an den Katalog eines deutschen Elektronik-Versandhandels, in dem UKW-Radios mit erweitertem FM-Frequenzbereich angeboten wurden. Hinweis im Katalogtext: zum Abhören von Polizei- und Flugfunk. Betrieb in Deutschland verboten...