KreditzinsenVorsicht vor dem schnellen Geld

Die Kreditzinsen sind niedrig wie nie. Umso größer ist die Verlockung, sich mal eben 5.000 Euro zu leihen. Doch nicht jedes Darlehen ist günstig. von Henrik Mortsiefer

Es klingt alles ganz einfach: Die Kreditzinsen sind niedrig, die Monatsraten auch, eine Schufa -Auskunft ist nicht nötig und in acht Tagen ist das Darlehen bewilligt. Im Handumdrehen, so suggeriert der Kreditvermittler im Internet, lassen sich private Anschaffungen auf Pump finanzieren. 5.000 Euro, 10.000 Euro oder mehr – kein Problem, selbst wenn die Hausbank "Nein" gesagt hat. "Es ist leichter als Sie denken", heißt es in der E-Mail. Die "Partner" des Vermittlers machen es möglich: "russische und ukrainische Unternehmer, die durch den Handel mit Öl, Gas und Edelmetallen ihre eigenen geschäftlichen Erfahrungen gesammelt haben".

In der Krise wollen alle ins Geschäft kommen – auch die dubiosen Anbieter. Behilflich sind dabei historisch niedrige Zinsen , bei denen sich mancher Verbraucher überlegt, ob er das neue Auto oder die Couchgarnitur nicht per Ratenkredit finanzieren sollte. Weil die Europäische Zentralbank im Zuge der Finanzkrise den Leitzins mehrfach gesenkt hat und den Banken erlaubt, sich zu extrem günstigen Konditionen zu refinanzieren, geben einige Institute diesen Vorteil – mal mehr, mal weniger – an die Kunden weiter.

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Die finanzielle Belastung eines Ratenkredits scheint deshalb für viele überschaubar – auch bei kleinem Einkommen. Wer im Monat knapp 230 Euro aufbringen kann, kann zum Beispiel bei der PSD Bank Berlin Brandenburg einen 10.000-Euro- Kredit nach vier Jahren zurückzahlen. Lässt man sich 60 Monate Zeit, liegt die Monatsrate bei gut 188 Euro, die Bank kassiert dann für 10.000 Euro binnen fünf Jahren rund 1.300 Euro Zinsen. Doch so attraktiv die Konditionen derzeit auch sein mögen – "jedes Darlehen hat seinen Preis", gibt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu bedenken. Wer nicht aufpasst, zahlt schnell mehr als nötig wäre.

"Man sollte sich zum Beispiel nicht von den Bestzinsen aus der Werbung blenden lassen", warnt Sigrid Herbst von der FMH Finanzberatung. Häufig gelten die versprochenen Konditionen nämlich nur unter speziellen Voraussetzungen (Bonität, Einkommen, Laufzeiten). Obwohl nach dem Inkrafttreten der Verbraucherkreditrichtlinie im Juni 2010 Lücken im Verbraucherschutz auf dem Kreditmarkt geschlossen wurden, reizen Banken die Spielräume für irreführende Werbung noch aus. Immerhin dürfen die Geldhäuser nur noch mit einem effektiven Zins werben, zu dem voraussichtlich mindestens zwei Drittel der Kreditverträge abgeschlossen werden. In der Werbung führt dies allerdings häufig dazu, dass konkrete Zinsen nicht mehr genannt werden, sondern nur noch attraktive Monatsraten und Kreditsummen.

Ein Blick ins Kleingedruckte verrät zudem, was mit "effektiven" Zinsen gemeint ist: So müssen auch die Nebenkosten, etwa eine (juristisch umstrittene) Bearbeitungsgebühr, enthalten sein oder die Prämie für eine Restschuldversicherung, falls eine solche Police Bedingung für das Zustandekommen eines Vertrages ist. Verbraucherschützer halten eine Versicherung, die einspringt, wenn der Kreditnehmer die Raten nicht mehr zahlen kann, für überflüssig. "Ich rate davon ab", sagt auch Sigrid Herbst von FMH. Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherungen seien ausreichend.

Leserkommentare
  1. ...von 5.000 oder 10.000 Euro hätten wir gerne mehr darüber erfahren, ob schon beim ersten oder erst beim zweiten Betrag sich eine Restschuldversicherung lohnt, aus Verbrauchersicht, und worauf man da achten muss.

  2. ..häufig haben junge Leute z.B. das Bedürfnis nach einer PKW-Finanzierung, haben aber die im Artikel angesprochenen Riskolebensversicherungen oder Berufsunfähig-keitsversicherungen gar nicht. Genauso kann es Ältere treffen, wenn Sie arbeitslos werden, oder krank.

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