HochfrequenzhandelSchäuble will Tempolimit für die Börse

Die Panne bei Knight Capital hat gezeigt, wie gefährlich Hochfrequenzhandel sein kann. Schäuble sucht nun nach Regeln, ihn strenger zu kontrollieren. von Rolf Obertreis

Es waren Computerprobleme und eine offenbar fehlerhafte Software: Beides führte Ende Juli dazu, dass der US-Finanzdienstleister Knight Capital massenhaft falsche Handelsaufträge schrieb und mit einem Mal auf einem Berg viel zu teuer gekaufter Aktien saß. Mit 400 Millionen Dollar musste die Firma gerettet werden.

Der Vorfall zeigt die Risiken beim Einsatz von Computern an der Börse. Die bestehen auch beim Hochfrequenzhandel, bei dem Wertpapiere in Mikrosekunden ge- und verkauft und Milliarden hin- und hergeschoben werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) will diesen bisher kaum kontrollierten Bereich jetzt mit einem Gesetz regulieren.

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Beim Hochfrequenzhandel geht es um Schnelligkeit. Dabei nutzen Banken und Wertpapierfirmen verschiedene Strategien: Per Computer werden laufend Preisunterschiede für Wertpapiere an verschiedenen Börsen analysiert. Schon bei Differenzen von wenigen Cent winken satte Gewinne, weil es in der Regel um große Aufträge geht und pro Tag etliche Geschäfte getätigt werden. An Börse A wird günstig gekauft, an Börse B teurer verkauft. In der Spitze wird innerhalb von 250 bis 300 Mikrosekunden, also innerhalb von einer Viertelsekunde, gehandelt.

An der Deutschen Börse entfallen nach Angaben eines Sprechers 45 bis 50 Prozent des Auftragsvolumens auf den Hochfrequenzhandel und das Algo-Trading, bei dem Computer Börsengeschäfte ebenfalls mit hoher Geschwindigkeit abwickeln. Rund ein Viertel der bei der Deutschen Börse registrierten Banken und Finanzdienstleister praktizieren den schnellen Handel. In den USA sollen es bereits 70 Prozent der Orders sein.

Die Folgen dieses Börsenhandels sind umstritten. "Den Hochfrequenzhandel generell zu verteufeln, geht in die falsche Richtung. Entscheidend ist die jeweilige Strategie", sagt Peter Gomber, Professor für elektronische Finanzmärkte an der Uni Frankfurt. Mit einzelnen Strategien sei die Gefahr von Manipulation verbunden. Viele andere sorgten aber für Liquidität im Markt und sicherten Preiseffizienz. Elke König, Chefin der Finanzaufsicht Bafin , betont hingegen, der Hochfrequenzhandel sei ein Gefahrenherd, der Übertreibungen am Markt und Krisenentwicklungen an der Börse verstärken könne. 

Leserkommentare
  1. solange die ihre Verluste ohne den Steuerzahler (in welchem Land auch immer) selber ausgleichen, ist doch alles ein privates Problem, wenn die genutzte Software oder DAU crap sind.
    Wenn zwei oder drei massiv gegen die Wand gefahren sind, wird sich das alles von alleine Regeln. Die Frage ist nur inwieweit die üblichen Spieler im HFT mit drin hängen und ob diese dann ihre Verluse wieder sozialisieren (Jain kommt da in den Sinn).

    Zum zitierten Prof. Gomber, wie sorgen den die HFT Trader für Liquidität. Auf die Erklärunng wäre ich gespannt. Vlt. kann der Autor da ja Licht reinbringen.

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    • GDH
    • 08. August 2012 16:40 Uhr

    Was Unternehmen angeht, die sich einfach verzocken, gebe ich Ihnen Recht. Die im Artikel ebenfalls angesprochenen Kursmanipulationen sind eine andere Sache: Hier entsteht der Schaden eben nicht beim Verursacher. Deswegen müssen konventionelle Anleger u.U. geschützt werden.

    Zur Liquidität:
    Automatische Handelssysteme, die kleinste Preisunterschiede zwischen den Börsen ausnutzen, führen dazu, dass man jedes Wertpapier an jeder beteiligten Börse jederzeit zu (fast) dem gleichen Kurs kaufen kann. Das nützt gerade dem Kleinanleger, der nicht an allen Börsen aktiv ist. Der gibt seine Order nämlich einfach an seiner Heimatbörse auf und irgendein Handelssystem kauft an einer anderen Börse um ihn (mit einem kleinen Aufschlag, versteht sich) bedienen zu können.
    Ohne solche Systeme wären die Preisunterschiede zwischen verschiedenen Börsen womöglich größer (oder man kriegte manche Papiere an einer Börse garnicht, weil die dort tagelang nicht gehandelt werden). Und diese Preisunterschiede bezahl halt der Kleinanleger für den es sich wegen womöglich anfallender Handelsgebühren nicht lohnt, an allzu vielen Börsen aktiv zu sein (wenn man als Privatanleger für 1000 Euro Aktien kauft, können die Börsenplatzentgelte mehr ausmachen als eine Kursdifferenz von 0,1%).

    • F.K.
    • 08. August 2012 15:40 Uhr

    Die Firma wurde gerettet. Also, kein Grund sich Sorgen zu machen.

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    • okmijn
    • 08. August 2012 15:53 Uhr

    und ihre Besitzer haben dabei ungefähr drei Viertel ihrer Werte verloren (natürlich besser als 100%). Die Besitzer haben in diesem Fall aber uneingeschränkt selbst den Schaden abbekommen. Hier wurde nicht der Verlust verstaatlicht. Die Spieler auf dem Markt werden eher mit Schrecken feststellen, dass die Orders nicht zurück abgewickelt wurden, sondern das Verzocken wirklich als Verlust realisiert werden musste.

  2. Das sind doch nur Hütchenspieler und wer den besseren Algorithmus hat gewinnt.

    Volkswirtschaftlicher Nutzen? Null. Dafür aber ein großes Risiko unkalkulierbarer Schäden.

    Also muss logischerweise von Au0ßen eingegriffen werden, da sich der Markt eben nicht selbst reguliert.

    Aber keine Sorge Jungs, die marktkonformen Blockparteien, die machen schon nichts – außer unser Steuergeld an auch zu verteilen.

  3. Die Programme für den Hochfrequenzhandel werden von Mathematikern geschrieben, diese haben von wirtschaftlichen Kreisläufen keine Ahnung. Ihr Ziel ist es nur einen schnelleren Rechner als der andere zu haben und der näher an den Hauptrechner der Wall Street angeschlossen ist. Kaufen und Verkaufen innerhalb vom Millisekunden um somit Gewinne zu erzielen.
    Hat das etwas mit der realen Welt zutun?

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    • okmijn
    • 08. August 2012 16:01 Uhr

    ''Finanzindustrie''. Seitdem Banken Produktentwicklung betreiben geht es nur darum jemanden mit irgendwelchen Nachteilen zu überfordern. Regelmäßig sind das u.a. Informationsnachteile, Geschwindigkeitsnachteile und Marktmacht (bis hin zum to big to fail).

    Liquidität für die physisch vorhandene Wirtschaft bereit zu stellen ist längst ein unatratkive Tätigkeit für viele Banken. Klassisches Investmentbanking ist nicht per se schlecht, hat aber mit der Bankenfunktion nichts zu tun, HFT schließlich hat überhaupt keine gesellschaftliche Nützlichkeit. Wenn der genannte Experte anderweitige belastbare Hinweise hat immer her damit. Das bloße Auflähen eines Finanzmarktes hat jedenfalls keinen gesellschaftlichen Nutzen, die Umverteilung der Vermögen zu den Akteuren mit Geschwindigkeitsvorteil und Marktmacht wird kaum im gesellschaftlichen Interesse liegen.

    "Die Programme für den Hochfrequenzhandel werden von Mathematikern geschrieben, diese haben von wirtschaftlichen Kreisläufen keine Ahnung."

    Die Börsianer haben von wirtschaftlichen Kreisläufen keine Ahnung UND keine Ahnung von Mathematik.

  4. Das einfachste wäre, einfach festzulegen, dass jedes Angebot mindestens eine Sekunde aufrechterhalten werden muss. Dann hätte sich viel vom Hochfrequenzhandel erledigt und die meisten der Probleme würden sich in Luft auflösen.

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    • joG
    • 08. August 2012 16:02 Uhr

    ....die Leute, die darüber reden auch damit schon gearbeitet hätten.

    Natürlich brauchen Märkte Regeln. Sie sollten nur etwas besser sein, als die 10.000 oder 15.000 Seiten, die uns in die Krise hinein begleiteten.

    • okmijn
    • 08. August 2012 15:53 Uhr

    und ihre Besitzer haben dabei ungefähr drei Viertel ihrer Werte verloren (natürlich besser als 100%). Die Besitzer haben in diesem Fall aber uneingeschränkt selbst den Schaden abbekommen. Hier wurde nicht der Verlust verstaatlicht. Die Spieler auf dem Markt werden eher mit Schrecken feststellen, dass die Orders nicht zurück abgewickelt wurden, sondern das Verzocken wirklich als Verlust realisiert werden musste.

    Antwort auf "An alle Zocker:"
  5. Hallo, ich möchte hier auf eie Fehler hinweisen:

    300 Mikrosekunden entsprechen 0.3 Millisekunden. 1000 Millisekunden sind wiederum eine Sekunde. Also werden alle 0.0003 Sekunden eine Transaktion getätigt, sprich ca. 3000 Transaktionen pro Sekunde.

    Mir fällt es schwer, diese Art des Handelns sinnvoll zu finden. Für meinen Begriff ist Handel ein überlegtes Geschäft, in dem man sich Risiken überlegt und sein Handeln auch noch nach andern Kriterien abwägt als den reinen momentanten Profit (Zukünftige Entwicklung, soziale Verträglichkeit, Moral, etc.). Außerdem entzieht sich diese Handelsform der Kontrolle des Menschen, Fehler können viel gravierendere Auswirkungen haben als im "normalen" Tempo.

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    • F.K.
    • 08. August 2012 16:17 Uhr

    "Für meinen Begriff ist Handel ein überlegtes Geschäft, in dem man sich Risiken überlegt und sein Handeln auch noch nach andern Kriterien abwägt als den reinen momentanten Profit (Zukünftige Entwicklung, soziale Verträglichkeit, Moral, etc.)."
    Das ist ehrenwert und ich stimme Ihnen zu, dass dies einen Maximum an Nutzen für die Gesellschaft bringen würde. Die Realität sieht aber anders aus. Ich könnte Ihnen Dokumente von Deutschen DAX-Firmen vorlegen, in denen Mitarbeiter angewiesen werden, wie pauschal Zahlungen an Lieferanten maximal zu verzögern sind, ohne Rücksicht auf Verluste. Und nennen Sie mir doch mal in Deutschland eine Bank, einen Telekommunikationsanbieter, einen Energieanbieter, dessen AGBs nicht mindestens eine Klausel enthält, die zur Übervorteilung des privaten Verbrauchers dort hineingebracht wurde in von jedem Gericht sofort gekippt würde. Aber wie viele Verbraucher lassen es schon auf einen Prozess ankommen?

  6. Gesetz zur "Vermeidung vom Gefahren im Hochfrequenzhandel".

    Die Minimalgewinne im Hochfrequenzhandel würden damit abgeschöpft werden und diesen Handel damit seiner Rendite berauben.

    Ganz einfach, eigentlich.

    k.

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    Das sollte man meinen. Leider jedoch nicht für Herrn Schäuble. Dieser Minister hat mit seinen angegliederten Ämter weder die Krise des Euros kommen sehen und entsprechende Vorbereitungen getroffen, noch hat er, als sie allen sichtbar und offenkundig war, irgendeine Maßnahme zu ihrer Eindämmung oder zur Korrektur der Rahmenbedingungen geschaffen. Nebenbei: auch das deutsche Steuerrecht, ob seiner Undurchschaubarkeit und Inkonsistenz nicht mehr verfassungskonform, ist er nicht in der Lage zu reformieren.
    Insofern teile ich Ihre Ansicht, nicht aber die damit vermutlich verbundene Hoffnung.

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