Altersvorsorge : Die Angst der Sparer

Wer fürs Alter vorsorgen will, hat es schwer wie nie: Die Zinsen sind niedrig, die Inflation frisst die Renditen. Lohnt sich die private Vorsorge noch?

Von einem großzügigen Alterssalär aus der gesetzlichen Rentenkasse hatte schon lange niemand mehr geträumt. Und doch schreckte die Republik auf, als Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) unlängst warnte, die staatliche Rente könnte nach dreißig, vierzig Jahren halbwegs gut bezahlter Arbeit nicht mal über dem Existenzminimum liegen. Vor zehn Jahren hatte das Versprechen der Politik noch ganz anders geklungen. Zwar werde die gesetzliche Rente allein nicht reichen, um den Lebensstandard im Alter in Zukunft zu sichern, hieß es damals. Wer aber privat spare, könne mit der Förderung des Staates rechnen. Am Ende komme schon eine ordentliche Rente zusammen.

Das Versprechen von damals erscheint vielen heute zweifelhaft. Was ist etwa, wenn die Politik in Europa die öffentlichen Schulden abträgt, indem sie etwas mehr Inflation zulässt? Dann würde die Euro-Krise, die bisher nur "die Märkte" oder "die Anleger" zu bedrohen schien, auch die mühsam ersparte Rente auffressen. Und überhaupt: Bleibt bei den aktuell niedrigen Zinsen von den Erträgen aus dem Sparplan, der Riester-Rente, der Immobilie, der Lebensversicherung oder dem Aktienfonds tatsächlich genug übrig, um die Rentenlücke zu schließen?

"Die Leute sind wahnsinnig verunsichert, weil nahezu jede Art der privaten Vorsorge in den vergangenen Monaten in der öffentlichen Debatte in die Kritik geraten ist", sagt Jochen Pimpertz, Vorsorgeexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Immobilien? Längst zu teuer. Aktien? Viel zu unsicher. Die klassische Lebensversicherung? "Für eine Tiefzinsphase wie die aktuelle nicht gebaut", ließ der Vorstandschef der Münchener Rückversicherung, Nikolaus vom Bomhard, jüngst wissen. Ein simpler Sparplan oder sichere Staatsanleihen? Zu niedrige Renditen, die Inflation frisst die Mini-Zinsen am Ende auf. Viele dieser Warnungen seien eher "Panikmache" denn sachlich begründet, sagt der Ökonom Pimpertz. Die private Altersvorsorge werde oft zu Unrecht schlecht gemacht. Zwar seien die Renditen derzeit in der Tat niedrig, doch das werde schließlich nicht immer so bleiben.

Mehr als eine Milliarde Euro entgangener Zinseinnahmen – allein 2011

Ganz so optimistisch wie der Kölner Fachmann sind jedoch nicht alle Ökonomen. Vor allem die Anbieter von Anlageprodukten fürchten, dass sie auf lange Sicht Schwierigkeiten haben werden, auskömmliche Renditen zu erwirtschaften. Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) warnt etwa vor harten Zeiten für Versicherungsgesellschaften und betriebliche Vorsorgeinstitute: "Sollten sich die derzeitigen Zinskonditionen verschlechtern oder über einen Zeitraum von mehreren Jahre anhalten, dürften Schwachstellen in der Branche zutage treten", heißt es im jüngsten Jahresbericht. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) warnt ebenfalls, die Politik halte das Zinsniveau künstlich niedrig. Allein im Jahr 2011 hätten die Niedrig-Zinsen bei der Wieder- und Neuanlage der deutschen Lebensversicherer zu entgangenen Zinseinnahmen von mehr als einer Milliarde Euro geführt. Der Bürger stehe also nicht nur mit seinen Steuergeldern, sondern auch mit seinem Ersparten für die Folgen der Finanz- und Schuldenkrise ein.

"Finanzielle Repression" nennen Ökonomen diesen Effekt. Wenn Staaten gegen Verschuldung kämpfen, haben sie ein Interesse daran, das Zinsniveau langfristig niedrig und die Inflation relativ hoch zu halten. Diese Entschuldungs-Strategie wirkt wie eine Besteuerung der Anleger. "Klassische Altersvorsorge-Produkte wie Sparpläne und Lebensversicherungen werden in den kommenden Jahren keinen ausreichenden Ausgleich gegenüber der Inflation leisten können, weil die Staaten ihre Schuldenprobleme durch finanzielle Repression lösen werden", warnt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Dabei seien nicht nur eine höhere Inflation und niedrige Zinsen ein Problem. "Auch höhere Abgaben und Steuern auf Kapitalvermögen oder Kapitalverkehrskontrollen sind durchaus denkbar." Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Staaten bei der Suche nach Mitteln zum Abbau ihrer Schulden erfinderisch seien. Schon jetzt wird eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer diskutiert, und Ökonomen rechnen vor, was Zwangsabgaben für Vermögende dem Staat einbringen könnten. "Wir reden voraussichtlich nicht von einer Niedrigzinsphase von nur ein oder zwei Jahren. Die Schuldenprobleme sind zu groß, um kurzfristig gelöst zu werden", sagt Vorndran.

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Kommentare

71 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Guter Artikel

Guter, da der Realität entsprechender Artikel. Wer will schon sagen, ob die Rente nicht noch weiter "angepasst" wird. Vor zehn Jahren hätte wohl keiner mit solch niedrigen Rentensätzen für die in 30 Jahren in Rente gehenden gerechnet. Ich bin kein Prophet, aber die Rentensätze werden weiter nach unten gehen. 43% sind nicht das letzte Wort. Es können ja auch 25% werden!
Man sollte einfach davon ausgehen, dass es keine Rente geben wird und dann entsprechend vorsorgen. Klar kann das Geld auch einfach weg sein, wenn man Pech hat. Die Inflation frisst die Lebensversicherung auf, in der vermieteten Wohnung leben Mietnomaden, der Aktienfonds verspekuliert sich, etc. Hierbei kann es Gewinne geben, muss es nicht. Bei der Rentenversicherung wird es GARANTIERT sehr wenig geben, wenn überhaupt.
Wenn man dann doch noch eine kleine Rente bekommt, kann man davon ja einmal in Urlaub fahren oder am Haus etwas modernisieren, etc.
Aber man sollte es auch einmal von den Ursprüngen der Rentenversicherung sehen: Bismarck hat sie eingefügt als die Leute gerade mal 50 wurden. Ab 70 Jahren war man anspruchsberechtigt! Nur so konnten die Kosten im Kaiserreich unter Kontrolle gehalten werden. 25% klingt also im historischen Vergleich gar nicht einmal schlecht.

nun ist der Staat BRD

eine Rosstäucher. Warum ? Er hat die betriebliche Altersvorsorge durch Änderung der Steuergesetze abgewürgt, den Versischerern durch Riester ein Dukaten-Esel beschert ohne dabei eine Rendite für seine Bürger einzufordern.

Was ist zu tun. § 6b auf den Stand 1995 zurückdrehen, betriebliche Altervorsorge bei Unternhemen über 100 AN einführen durch Errichtung von Pensionskassen, die durch die AN gespeist werden und von den AG durch Zuzahlung nach einem Verhältnis zu den Gewinnausschüttungen/Privatentnahmen gewichtet werden. Bei Kleinunternehmen sind die Pensionskassen bei der IHK oder ähnlicher Institution anzusiedeln.

Verzicht auf die nachgelagerte Besteuerung der Renten, Rückkehr zur Ertragsanteil-Besteuerung (die Gesetzesbegründung zur ng Besteuerung strotzt vor Systemfehlern)

Alberne Diskussion in D , weil nur verbandelte Interessenvertreter das echte ! Problem der Altersversorgung beackern.

Ziemlich dumm, was da läuft.

Warum soll man Geld für 0,3 % anlegen?

"Lohnt sich die private Vorsorge noch?"
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Nein, die Staaten machen es doch vor. Wer verschwenderisch mit Geld umgeht wird dafür belohnt. Die, die gut wirtschaften zahlen drauf. Das betrifft die Kommunen in NRW, die Staaten in Europa etc...
Warum soll man Geld für 0,3 % anlegen?

Erkenntnisse

'Versicherungsmakler Hoesch & Partner' wollen nach ihrer Webseite keine Provisionen/ Gebühren, da ist einem Gegenargument schon mal der Wind aus den Segeln genommen,

ansonsten gibt es aber doch nun wirklich genug Erkenntnisse über Geldanlagen an Banken und Versicherungen, muss man die immer noch ohne jeden Vorbehalt empfehlen?

in zuviel Details will ich mich gar nicht verstricken,
allein: eine Firma wie Allianz hat 140.000 Mitarbeiter,
unendlich Glastürme, Firmenwagen und Aktionäre die Mrd. an Dividende Jahr für Jahr kassieren,
wer muss das bezahlen? jeder, der dort 100 Euro monatlich anlegt..

wer vor 30 Jahren einfach Allianz-Aktien gekauft hätte,
stände heute um ein vielfaches besser da als die Kunden mit ihren Auszahlungen

'Versicherungsmakler Hoesch & Partner'

....arbeiten also für einen Gotteslohn ? Wohl kaum !

Ich jedenfalls, werde nicht sparen oder "vorsorgen", denn niemals wird das Geld soviel wert sein, wie heute. Im Alter brauche ich kein Geld im Übermass, das bisschen für Haftcreme und Erwachsenenwindeln ! Die Leute allerdings, die Wohneigentum an den Hacken haben...Gebühren, Steuern und Instandhaltung für so ein Häuschen, das kann teuer werden!Dagegen ist die Miete eines Durschnittsbürgers geradezu lächerlich ! Und einen Hypothekenkredit in dem Alter, da ist wohl nicht mehr dran zu kommen.
Aber jeder, wie er will !

Reale Vermögensverluste?

Offenbar gehen Sie davon aus, dass reale Vermögenszuwächse künftig nicht mehr möglich wären. Das glaube ich nicht, zumal es dafür nicht (jedenfalls keinesfalls allein) auf die Situation der deutschen Volkswirtschaft ankommt.

Was einer im Alter zu benötigen (oder welches Alter er überhaupt zu erreichen) meint, ist eine andere Sache.

Was das Wohneigentum angeht, haben Sie recht. Viele unterschätzen den Unterhaltungsbedarf (nichts hält ewig und die Unterhaltung kostet Geld) und die Standortbindung, die bei schwer verkäuflichen Objekten die Mobilität (die Möglichkeit woanders hinzuziehen) stark einschränken oder völlig zunichte machen kann.

Naja...

...mein Sparbuch kommt wohl kaum in Berührung mit den Magnatschaften der höheren Finanzpolitik ! Das ist auch gut so, denn die habens echt nicht drauf !
Was die Vermögenszuwächse angeht, woher sollen die denn kommen ? Der aktuelle Zinssatz ist grotesk niedrig und die Inflationsrate geschönt (allein die Energiekosten sind um 20 % gestiegen), die Leute verdienen immer weniger (nochmals danke, SPD und FDP) und die Jugend darf sich auf jahzehntelange Tagelöhnerei freuen, die dann sowieso beim Sozialamt enden wird.