Anfang der Woche war sie wieder da, die deutsche Angst vor der Spekulationsblase. Das niedrige Zinsniveau treibe immer mehr Anleger in die Sachwerte, warnte Maximillian Zimmerer, der Finanzchef der deutschen Allianz-Versicherung. Die Immobilienpreise stiegen dadurch immer weiter. Am Ende könnte es gar soweit kommen wie in den USA oder in Spanien. Auch dort blähte sich der Immobilienmarkt erst gigantisch auf, um dann plötzlich in sich zusammenzufallen und die ganze Wirtschaft mit sich zu reißen.

Hat Zimmerer Recht? Droht auch in Deutschland eine Blase? Werden die Deutschen tatsächlich leichtsinniger, weil das Geld so billig ist wie nie?

Ganz unbegründet sind die Sorgen des Finanzchefs nicht. In den Großstädten sind die Preise für Immobilien zuletzt explodiert. In manchen Top-Lagen in Deutschland stiegen die Preise im vergangenen Jahr um neun Prozent. Makler berichten von einer konstant anhaltenden Nachfrage, trotz der mittlerweile hohen Preise. Kaum eine Gartenparty im Bekanntenkreis, auf der nicht jemand die Frage stellt, ob es nicht klug wäre, eine Wohnung in Hamburg, München oder Berlin zu kaufen. Zumindest solange die Zinsen niedrig sind, und man es sich noch leisten kann.

Das Problem ist nur: Bislang sehen die meisten Ökonomen keine Anzeichen für eine Blase am deutschen Immobilienmarkt. Zum einen steigen die Preise bei Weitem nicht so schnell wie in Spanien oder Irland. In den Krisenländern wurden die Immobilien zu Hochzeiten in manchen Jahren um 40 Prozent teurer. Zum anderen aber galten viele Häuser und Wohnungen in Deutschland lange als unterbewertet. Der Wohnungsbau dümpelte nach dem Bauboom der Nachwendezeit vor sich hin. Der Aufschwung am Immobilienmarkt habe viel mit Nachholeffekten zu tun, sagt Ralph Henger, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Noch seien die Preissteigerungen deshalb nicht gefährlich.

Hinzu kommt: Anders als in anderen Ländern neigen die Deutschen nicht zu Übertreibungen. Der US-Ökonom Robert Shiller, der bekannt wurde, weil er die Immobilienblase in den USA vorhergesagt hatte, warnte zuletzt davor, dass sich eine neue Blase bilde – und zwar am Häusermarkt in Kanada. Dort stiegen die Preise zwar viel langsamer, dennoch ähnele die Situation jener in den USA von vor fünf Jahren: Steigende Immobilienpreise führten dazu, dass sich immer mehr Kanadier in dem Glauben verschuldeten, dass die Preise immer weiter steigen. Eine Slow-Motion-Blase nennt Shiller das, was sich in Kanada aufbläht. Mittlerweile sind die privaten Haushalte des Landes im Durchschnitt mit 150 Prozent des Haushaltseinkommen verschuldet. Ein gefährlich hoher Schuldenstand, warnte zuletzt auch der Internationale Währungsfonds (IWF).

Die Deutschen können sich das Verschulden leisten

Genau hier aber liegt der entscheidende Unterschied zum deutschen Markt. Denn obwohl die Zinsen niedrig sind und Geld so billig wie nie ist, hat sich das Verschuldungsverhalten der Deutschen kaum verändert. Die Deutschen waren in den vergangenen Jahren sogar weit vernünftiger als die Bürger in anderen Euro-Ländern. Nach Angaben des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle stieg die private Verschuldung in den Jahren 2002 bis 2009 in allen Ländern der Währungsunion an – außer in Deutschland.

Zwar hat sich das mittlerweile etwas geändert. Die Verschuldung der privaten Haushalte ist seit Beginn der Niedrigzinsphase leicht gestiegen. Im Jahr 2011 nahmen die Deutschen per Saldo rund elf Milliarden Euro an Krediten auf, die Verschuldung der privaten Haushalte stieg auf 1,55 Billionen Euro – der höchste Stand seit dem Vorkrisen-Sommer 2007. Gleichzeitig aber wuchs das Geldvermögen der Deutschen. Weil es zugleich am Arbeitsmarkt besser lief, stiegen auch die verfügbaren Einkommen. Die Verschuldungsquote, also der Anteil der gesamten Schulden gemessen am Bruttoinlandsprodukt, ging insgesamt dadurch leicht zurück. Die Deutschen konnten sich also ihre zusätzlichen Kredite durchaus leisten. Zuletzt sank sogar die Verschuldung wieder leicht, viele Menschen zahlten ihre Kredite zurück.