Versicherungsgeschäft"Wir investieren in Parkuhren"

Niedrigzinsen und Euro-Krise: Was heißt das für die Versicherungen? Markus Rieß, Chef der Allianz Deutschland, spricht über Probleme und Profite im Versicherungsgeschäft. von Heike Jahberg

Frage: Früher warb die Allianz mit dem Slogan: "Hoffentlich Allianz versichert"...

Markus Rieß: Das tun wir heute wieder.

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Frage: Aber immer mehr Menschen sehen das offensichtlich anders. In Deutschland haben Sie in den letzten sieben Jahren eine Million Kunden verloren. Warum?

Rieß: Ja, wir haben Kunden verloren, aber bei uns sind immer noch rund 19 Millionen Menschen versichert – konservativ gerechnet. Unser Kundenmarktanteil liegt über 25 Prozent. Damit sind und bleiben wir der Marktführer in der deutschen Versicherungswirtschaft.

Frage: Das reicht Ihnen?

Rieß: Nein, wir können mit der Wachstumsentwicklung nicht zufrieden sein. Das gilt vor allem für die Sachversicherung.

Frage: Also Auto-, Hausrat- und Haftpflichtversicherungen.

Rieß: Wir haben ein umfangreiches Programm gestartet, um in der Sachversicherung wieder nach vorne zu kommen. Das zeigt Erfolge. Wir haben im letzten Jahr den Prämienschwund stoppen können und haben in der ersten Hälfte dieses Jahres bei den Beiträgen deutlich zugelegt. Wir haben die Trendwende geschafft.

Allianz Deutschland AG: Der Manager

Markus Rieß (46) verantwortet seit Juli 2010 das Deutschlandgeschäft der Allianz. Den Versicherungskonzern kennt Rieß gut. Nach Stationen bei der Allianz Leben und der Anlagesparte Allianz Global Investors kam der promovierte Volkswirt 2007 zur Allianz Deutschland AG. Seit gut zwei Jahren ist er dort Vorstandschef.

Das Unternehmen

Die Allianz hat nicht nur ihren Sitz in München, Deutschland ist für den Konzern auch nach wie vor der wichtigste Markt. Doch es gibt Probleme: Die Kosten sind zu hoch, die Erträge sinken – trotz Rationalisierungen und Stellenstreichungen im Jahr 2006. Rieß, der drei Jahre lang bei der Unternehmensberatung McKinsey war, soll nun die Wende schaffen.

Frage: Allerdings haben Sie auch ehrgeizige Ziele: Bis 2014 wollen Sie die Beiträge in der Sachversicherung um 500 Millionen Euro auf 9,5 Milliarden Euro steigern und die Kosten kräftig senken. Wie weit sind Sie heute?

Rieß: Wir liegen voll im Plan. Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen werden.

Frage: Obwohl Sie weiter Kunden verlieren?

Rieß: Wir verlieren Kunden in der Sachversicherung, und wir gewinnen Kunden in der Lebens- und Krankenversicherung . Aber das reicht mir nicht. Ich will auch in der Sachversicherung Kunden gewinnen.

Frage: Wie soll das gehen?

Rieß: Mit maßgeschneiderten Produkten und einer maßgeschneiderten Beratung. Die Versicherungen müssen heute modularer sein als früher. In der Autoversicherung haben wir das jetzt schon, bis 2016 sollen auch alle anderen Sachversicherungen auf dieses Baukastenprinzip umgestellt werden. Die Kunden wählen selbst, welche Bausteine sie wollen.

Frage: Verschleiern Sie mit den Baukastenpolicen nicht nur die Tatsache, dass die Allianz teurer ist als die Konkurrenz?

Rieß: Man kann doch auch die Versicherungspakete, die die Konkurrenz anbietet, nicht vergleichen. Überall ist etwas anderes drin. Bei uns erfährt der Kunde im Gespräch mit dem Vertreter dagegen genau, was er bekommt und was das kostet. Die Verbraucher finden das gut.

Frage: Wirklich?

Rieß: In diesen Wochen sitzen doch wieder Millionen vor dem Computer und suchen im Internet nach dem billigsten Autoversicherer. Ja, diese Kunden gibt es auch. Für die haben wir unsere Internetversicherung Allsecur. Die bietet einfache Versicherungspakete an, die der Kunde im Internet abschließt.

Leserkommentare
    • bigbull
    • 15. Oktober 2012 14:22 Uhr

    Je weniger Allianz desto besser geht es den Menschen
    in Deutschland.
    Desto mehr Geld bleibt den Bürgern in der Tasche um
    vernünftige Produkte und Dienstleistungen sich zu er-
    werben.

  1. Lohndumping ist doch auch ein super Investment. Für die Altmitarbeiter hat sich schon bisher nichts geändert. Erst ziehen die Abteilungen ein Wenig durch Deutschland, da wird man die Unflexiblen los.
    Also die mit Haus und Kind.
    Dann regelmäßige Zielvereinbarungsgespräche, gerne auch vierzehntägig.
    Am Ende Tochterfirma gründen, Mitarbeiter mit gleicher Qualifikation zum günstigeren Preis einkaufen.
    Dann wundern, dass der Markt für den Preis nicht genügend "Fachkräfte" hergibt.
    Dann wird nicht etwa ausgebildet, kostet ja. Nein, die Anforderungen werden gesenkt, es wird nur kurz geschult und schon gibt es die "gleiche" Leistung zum halben Preis.
    Personalführung wird durch Druck und Angst um den Job ersetzt.
    Rufen Sie doch einfach mal bei der Servicehotline Ihrer Allianz an und stellen Sie eine einfache Frage...

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    nichts einzuwenden, wenn die Kunden bereit sind diese über höhere Beiträge zu bezahlen. Sind sie das?

  2. nichts einzuwenden, wenn die Kunden bereit sind diese über höhere Beiträge zu bezahlen. Sind sie das?

    Antwort auf "Lohndumping"

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