Sie heißen ABP oder National Pension und sind den meisten Deutschen kein Begriff. Dabei sind Pensionsfonds mächtige Spieler auf den Finanzmärkten : Rund 20,1 Billionen Dollar haben sie der OECD zufolge im Jahr 2011 verwaltet. Das entspricht etwa 70 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes aller OECD-Mitglieder.

Ihre Aufgabe: den Arbeitern und Angestellten, die jeden Monat in sie einzahlen, im Alter einen Lebensstandard oberhalb der Grundrente zu ermöglichen. Das gilt vor allem in Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden, die stark auf eine private Altersvorsorge setzen. Auch in Deutschland gewinnt die private Vorsorge seit einigen Jahren an Bedeutung: Zwar sind nur zehn Prozent aller ausgezahlten Renten privater Art. Aber schon heute fließt ein Fünftel der Beiträge in private Systeme.

In Zeiten, in denen die staatlichen Renten niedriger werden , sollten die privaten Fonds eigentlich einspringen. Doch sie geraten selbst unter Druck: Die Fonds sollen hinreichend hohe Zinsen für die Sparer erwirtschaften, aber die Staaten schreiben ihnen vor, dass sie das vor allem durch den Ankauf von Staatsanleihen tun sollen. Beides ist nur schwer zu verbinden. "Die meisten Pensionsfonds suchen nach Vermögenswerten, die Renditen abwerfen, die gut zu ihren Zahlungsverpflichtungen passen", sagt die britische Ökonomin und Rentenexpertin Ros Altmann. "Die Zinsen sind jedoch so stark gefallen, dass es nur wenige attraktive Staatsanleihen gibt."

Viele Pensionsfonds kaufen deshalb weniger Staatspapiere aus Europa , sagt Altmann. Zwar seien die Renditen mancher südeuropäischer Euro-Anleihen interessant, aber bei denen sei vielen Fonds das Ausfallrisiko zu hoch. Deshalb investieren sie lieber in Anleihen von Schwellenländern oder von Unternehmen mit bester Bonität. Risto Murto, Chefstratege von Finnlands größtem Pensionsfonds Varma, ließ sich unlängst mit dem Satz zitieren, der Fonds werde "nicht mehr in Problemländer investieren". Varma verwaltet im Auftrag von 870.000 finnischen Angestellten immerhin rund 34 Milliarden Euro.

Ganz zurückziehen können sich die Pensionsfonds aber nicht. "Zumindest in der EU, wohl aber auch in Japan und den USA , werden sie auch in Zukunft vornehmlich in Staatsanleihen investieren", sagt Stefan Homburg, Direktor des Instituts für öffentliche Finanzen an der Universität Hannover. Er sei sich "ziemlich sicher, dass die EU-Staaten sich diese billige Refinanzierungsquelle nicht entgehen lassen" – auch in Zukunft nicht. Tatsächlich wird in Brüssel derzeit darüber beraten, die ab 2015 geltenden Richtlinien für die Versicherer – kurz: Solvency II – auch auf die betriebliche Altersvorsorge anzuwenden. Die Folge: Die Pensionsfonds müssten für ihre Aktien und Firmenanleihen hohe Kapitalpuffer vorhalten, für Staatsanleihen hingegen gelten geringere Standards. Für die Fonds bedeute die Regelung einen "deutlich erhöhten kapitalmäßigen und organisatorischen Aufwand", prognostiziert Professor Matthias Müller-Reichart, Studiendekan der Wiesbaden Business School. Auch der DGB-Vorsitzende Michael Sommer warnt: "Solvency II würde die betriebliche Altersversorgung verteuern und damit die Absicherung im Alter verschlechtern." Hinzu kommt: Da die zu zahlenden Pensionen mit den Lebenshaltungskosten angehoben werden und auch die Lebenserwartung steigt, nehmen die zukünftigen Verpflichtungen der Fonds Jahr für Jahr weiter zu.

Damit die Fonds in Zukunft die versprochenen Renten auszahlen können, müssten die jährlich erwirtschafteten Renditen höher sein als das Wachstum der Forderungen, die an die Pensionsfonds gestellt werden. Dort, wo es eine feste Leistungszusage gebe, stelle sich die Frage, ob die Fonds unterfinanziert seien, sagt Bernhard Ebbinghaus vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung . Die Wahrscheinlichkeit, dass dann die Versicherten auf Ansprüche verzichten müssen, ist hoch.

Die Renditen der Fonds gehen weit auseinander

Das Nachsehen hätten die Sparer, die im Alter mit weniger Geld auskommen müssten. Das hätte vor allem in Ländern wie Großbritannien Auswirkungen, wo die Angestellten weitgehend von der kapitalgedeckten Rente abhängig sind. Zwar waren die Pensionskassen bei der Wahl ihrer Investments dort bislang relativ frei. Doch die Rentenexpertin Ros Altmann sagt: "Es gibt ein beträchtliches Risiko, dass die EU-Regeln den Wert der britischen Pensionen weiter drücken werden." Die Renten der Briten könnten dadurch am Ende sinken.

Allerdings ist die Lage nicht in allen Ländern gleich, die Renditen der Fonds gehen weit auseinander. Während Pensionsfonds in Dänemark im Jahr 2011 ein stolzes Plus von 12,1 Prozent erwirtschafteten und auch die niederländischen (plus 8,2 Prozent) und australischen (plus 4,1 Prozent) recht gut abschnitten, verzeichneten die Fonds in Spanien , den USA, Italien und Japan Verluste zwischen 2,2 und 3,6 Prozent, rechnet die OECD vor. In zehn Staaten lag das Minus sogar bei mehr als vier Prozent. Am schlechtesten schnitt die Türkei mit minus 10,8 Prozent ab.

Anders gesprochen: In vielen Ländern wären die Angestellten besser gefahren, wenn sie den von den Pensionsfonds einbehaltenen Teil des Lohns in einen Sparstrumpf gesteckt hätten. Die Staaten aber profitieren.

Schon jetzt werden durch die Nullzinspolitik der Notenbanken Ressourcen, die eigentlich der Alterssicherung von Angestellten dienen sollten, in Richtung Staat umgeleitet. Eigentlich sollten die Regierungen ein Interesse daran haben, die Lage der Pensionsfonds nicht noch schwieriger zu machen. Doch die Gefahr, dass sie im Gegenteil durch ihre Vorschriften die Interessen der Sparer grob verletzen, ist hoch.

Das zeigt das Beispiel Irland s, des ersten EU-Lands, das Bankrott machte. Dort seien Pensionsfonds gezwungen worden, in irische Staatsanleihen zu investieren, sagt Ebbinghaus. "In Ungarn und Argentinien ging man sogar so weit, die Pensionsfonds wieder zu verstaatlichen, um die Staatsfinanzen zu sanieren." Wenn so etwas öfter geschehe, könnte das Vertrauen in die Fonds endgültig zerstört werden. Dann stellt sich womöglich die Frage nach der Daseinsberechtigung der Geldsammelmaschinen.