PensionsfondsDie Geldsammelmaschinen wanken

Sie sind groß und kaum jemand kennt sie: Pensionsfonds sollen die privaten Renten sichern – nun geraten sie in der Krise unter Druck. von Stefan Frank

Sie heißen ABP oder National Pension und sind den meisten Deutschen kein Begriff. Dabei sind Pensionsfonds mächtige Spieler auf den Finanzmärkten : Rund 20,1 Billionen Dollar haben sie der OECD zufolge im Jahr 2011 verwaltet. Das entspricht etwa 70 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes aller OECD-Mitglieder.

Ihre Aufgabe: den Arbeitern und Angestellten, die jeden Monat in sie einzahlen, im Alter einen Lebensstandard oberhalb der Grundrente zu ermöglichen. Das gilt vor allem in Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden, die stark auf eine private Altersvorsorge setzen. Auch in Deutschland gewinnt die private Vorsorge seit einigen Jahren an Bedeutung: Zwar sind nur zehn Prozent aller ausgezahlten Renten privater Art. Aber schon heute fließt ein Fünftel der Beiträge in private Systeme.

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In Zeiten, in denen die staatlichen Renten niedriger werden , sollten die privaten Fonds eigentlich einspringen. Doch sie geraten selbst unter Druck: Die Fonds sollen hinreichend hohe Zinsen für die Sparer erwirtschaften, aber die Staaten schreiben ihnen vor, dass sie das vor allem durch den Ankauf von Staatsanleihen tun sollen. Beides ist nur schwer zu verbinden. "Die meisten Pensionsfonds suchen nach Vermögenswerten, die Renditen abwerfen, die gut zu ihren Zahlungsverpflichtungen passen", sagt die britische Ökonomin und Rentenexpertin Ros Altmann. "Die Zinsen sind jedoch so stark gefallen, dass es nur wenige attraktive Staatsanleihen gibt."

Viele Pensionsfonds kaufen deshalb weniger Staatspapiere aus Europa , sagt Altmann. Zwar seien die Renditen mancher südeuropäischer Euro-Anleihen interessant, aber bei denen sei vielen Fonds das Ausfallrisiko zu hoch. Deshalb investieren sie lieber in Anleihen von Schwellenländern oder von Unternehmen mit bester Bonität. Risto Murto, Chefstratege von Finnlands größtem Pensionsfonds Varma, ließ sich unlängst mit dem Satz zitieren, der Fonds werde "nicht mehr in Problemländer investieren". Varma verwaltet im Auftrag von 870.000 finnischen Angestellten immerhin rund 34 Milliarden Euro.

Ganz zurückziehen können sich die Pensionsfonds aber nicht. "Zumindest in der EU, wohl aber auch in Japan und den USA , werden sie auch in Zukunft vornehmlich in Staatsanleihen investieren", sagt Stefan Homburg, Direktor des Instituts für öffentliche Finanzen an der Universität Hannover. Er sei sich "ziemlich sicher, dass die EU-Staaten sich diese billige Refinanzierungsquelle nicht entgehen lassen" – auch in Zukunft nicht. Tatsächlich wird in Brüssel derzeit darüber beraten, die ab 2015 geltenden Richtlinien für die Versicherer – kurz: Solvency II – auch auf die betriebliche Altersvorsorge anzuwenden. Die Folge: Die Pensionsfonds müssten für ihre Aktien und Firmenanleihen hohe Kapitalpuffer vorhalten, für Staatsanleihen hingegen gelten geringere Standards. Für die Fonds bedeute die Regelung einen "deutlich erhöhten kapitalmäßigen und organisatorischen Aufwand", prognostiziert Professor Matthias Müller-Reichart, Studiendekan der Wiesbaden Business School. Auch der DGB-Vorsitzende Michael Sommer warnt: "Solvency II würde die betriebliche Altersversorgung verteuern und damit die Absicherung im Alter verschlechtern." Hinzu kommt: Da die zu zahlenden Pensionen mit den Lebenshaltungskosten angehoben werden und auch die Lebenserwartung steigt, nehmen die zukünftigen Verpflichtungen der Fonds Jahr für Jahr weiter zu.

Damit die Fonds in Zukunft die versprochenen Renten auszahlen können, müssten die jährlich erwirtschafteten Renditen höher sein als das Wachstum der Forderungen, die an die Pensionsfonds gestellt werden. Dort, wo es eine feste Leistungszusage gebe, stelle sich die Frage, ob die Fonds unterfinanziert seien, sagt Bernhard Ebbinghaus vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung . Die Wahrscheinlichkeit, dass dann die Versicherten auf Ansprüche verzichten müssen, ist hoch.

Leserkommentare
    • Gerry10
    • 19. November 2012 15:36 Uhr

    ...das die EU Staaten sicher in die Taschen dieser Fonds mit dieser zumindest fragwürdigen Gesetzesgebung greifen, allerdings wären eben diese Fonds pleite wenn die EU Staaten die Banken und Südeuropa nicht gerettet hätten.
    Das kann natürlich immer noch passieren aber im Moment ist es eben noch nicht passiert...

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    • Otto2
    • 19. November 2012 22:07 Uhr

    Zugegeben, klingt provozierend. Provozieren kann die Überschrift aber nur, wenn man die Versprechungen der Versicherer zum Maßstab nimmt.
    Das investiertes Geld der vergangenen Jahre entspricht letztlich nur dem Wert, den die reale (nicht dass was irgendwelche Finanzspekulanten z. B. mit Werten von Immobilien sich vorgaukeln) Wirtschaft zu dem Zeitpunkt leistet, wo ausgezahlt wird. Die Versicherer streben selbst an, mehr einzunehmen als sie auszahlen. Das geht normalerweise nur, wenn die Wirtschaftskraft beständig wächst. Eine riskante Strategie.
    Belege liefern die letzten 5 Jahre in Europa und Nordamerika.
    Geht das schief, retten wir nach den Banken die Versicherungskonzerne. Die Strategie der privaten Altersvorsorge (abgesehen vom bereits abgezahlten Eigenheim) dient nicht wirklich dem vorgegebenen Anliegen. Die Wagnisse sind zu groß.

    • etiam
    • 19. November 2012 17:07 Uhr

    zeigt hier ihre Grenzen auf.
    Wen wundert dies angesichts der Tatsache, dass der Geldwert einer Währung nichts anderes ist als der Glaube daran, dass das Volk, das diese Währung durch echte Arbeit repräsentiert auch künftig noch produktiv ist.
    Im Gegensatz dazu geht die Rente im Umlageverfahren nicht den unsicheren Weg über die Währung - sie baut direkt auf die Produktivität der Folgegeneration. Lediglich sollte man beachten, dass das Hervorbringen einer produktiven Folgegeneration nicht systematisch erschwert werden sollte, wie es bei uns leider nur zu sehr der Fall ist.
    Wenn Kinder zur Armutsfalle werden, können sie kaum zum Reichtumsquell mutieren.

    4 Leserempfehlungen
  1. wenn sich nicht Staaten wie Anlagebetrüger (siehe GR siehe insbesondere Tsipras Syriza)verhalten würden.

    Einerseits verdonnert man die Fonds durch falsche Regularien in diese unsicheren Kantonisten Geld zu investieren, andererseits nimmt man ihnen die Flexibilität der Sicherungsinstrumente oder eines Assetmixes.

    Damit ist auch wohl endgültig klar, wer warum "gerettet" werden musste. Nicht irgendwelche großen Spekulanten oder "das Großkapital", wie es viele - vor allem Linke - immer wieder behaupten. Nein, die Spargroschen für viele kleine Leute sind durch die Schuldenmacher akut gefährdet.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sicher"
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    "Nein, die Spargroschen für viele kleine Leute sind durch die Schuldenmacher akut gefährdet." Tangens alpha

    Lachhaft, der Anteil "kleiner Leute" in den Fonds in Deutschland ist in etwa genauso groß wie der Anteil kleiner Leute am Gesamtvermögen.

    In den USA ist das Verhältnis natürlich anders, da dort, aufgrund fehlender staatlicher Rente, jeder einzahlt der auch nur einen Dollar übrig hat.

    Das ist auch wieder mal der beste Grund, wieder komplett auf das Umlagesystem zurückzukehren und die privaten Rentenversicherer als das zu betrachten was sie sind: (Ab)Zockerbuden

    Modelle für ein gerechtes System gibt es zu genüge, man kann aber auch mal über die Grenze sehen und dort abkupfern.

    • NoG
    • 19. November 2012 20:42 Uhr

    warum wurden gleich nochmal banken gerettet?
    oder haben rentenfonds keinerlei aktien von banken im gepaeck?
    bei manchen zombiebanken haette den fonds auch der hoehere bzw ueberhaupt erforderliche kapitalpuffer nichts genutzt.

    im ergebnis haben sie ja recht, aber ihr beitrag wirkt unnoetig ideologiebehaftet und zu einseitig.
    was der griechische oppostionsfuehrer sagt, ist doch in dem zusammenhang ziemlich egal. da ist der verdacht einer rettung des gesamten(euro/ schuldgeld-) systems sogar naheliegender.

    btw.
    http://www.wirtschaftsfac...

    http://www.dasinvestment....

  2. "Auch in Deutschland gewinnt die private Vorsorge an Bedeutung".
    Warum? Weil viele Politiker meinen, die Fiananzindustrie müsse unbedingt mehr verdienen und mehr Gewinne ausschütten.

    Es ist undemokratisch und unsozial, aber Grundlage einer funktionierenden Zweiklassengesellschaft, daß 90 Prozent der Deutschen dazu gezwungen werden sollen, privaten gewinnorientierten Kapitalhaltern ihr Geld anzuvertrauen.

    Wieso dürfen Arbeitnehmer nicht selbst über ihr Einkommen bestimmen und verfügen? Warum ist es unmöglich, daß Arbeitnehmer mehr Geld in eine Arbeitlosenversicherung einbezahlen, um bei Arbeitslosigkeit besser abgesichert zu sein? Warum darf die geetzliche Renenversicherung keine langfristigen Rücklagen bilden? Es wäre doch schön, wenn eine Mehrheitsentscheidung der BETROFFENEN darüber bestimmen würde, wie die gesetzliche Rente langfristig finanziet werden soll.
    Das geht aber nicht. Nur 10 Prozent der Bevölkerung sollen Kapital vererben dürfen. Bei allen anderen soll das eingezahlte Geld beim Tod der Allgemeinheit zufallen.

    Die Gesellschaft verträgt nur einen bestimmten Prozentsatz an Schmarotzern, die von ererbtem Geld leben.
    Stellen Sie sich eine Insel vor, auf der hundert Menschen leben. Alle haben soviel Geld gespart, daß sie im Alter nicht mehr arbeiten müssen und dieses Geld wird vererbt werden. Die nächste Generation könnte theoretisch von den Zinsen leben. Wenn aber niemand da ist, der arbeitet, wer soll dann die Güter erstellen oder Dienstleitungen erbringen?

    3 Leserempfehlungen
  3. Von "sicher" hat keiner geprochen, einzig "alternativlos" wurde öfters erwähnt.

    Ich hoffe nur, dass wir die Fonds nicht auch noch retten müssen.

    Wäre doch mal was, die Fonds, die eigentlich abseits des Generationenvertrags ihre Gewinne erwirtschaften sollten, müssen auf die Stützung der Steuerzahlenden Bürger zurückgreifen.

    Dann wäre ja wieder alles beim Alten, nur, dass sich diesesmal eine Gesellschaft dazwischen schaltet, ihre Gewinne(Aufwand) abzieht und dann den Rest auszahlt.

    Wegelagerei pur.

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    Antwort auf "Sicher"
  4. "Nein, die Spargroschen für viele kleine Leute sind durch die Schuldenmacher akut gefährdet." Tangens alpha

    Lachhaft, der Anteil "kleiner Leute" in den Fonds in Deutschland ist in etwa genauso groß wie der Anteil kleiner Leute am Gesamtvermögen.

    In den USA ist das Verhältnis natürlich anders, da dort, aufgrund fehlender staatlicher Rente, jeder einzahlt der auch nur einen Dollar übrig hat.

    Das ist auch wieder mal der beste Grund, wieder komplett auf das Umlagesystem zurückzukehren und die privaten Rentenversicherer als das zu betrachten was sie sind: (Ab)Zockerbuden

    Modelle für ein gerechtes System gibt es zu genüge, man kann aber auch mal über die Grenze sehen und dort abkupfern.

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  5. 2. Sicher

    ...aber wie hieß es so schön? Nur Private Vorsorge ist noch "sicher".

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    wenn sich nicht Staaten wie Anlagebetrüger (siehe GR siehe insbesondere Tsipras Syriza)verhalten würden.

    Einerseits verdonnert man die Fonds durch falsche Regularien in diese unsicheren Kantonisten Geld zu investieren, andererseits nimmt man ihnen die Flexibilität der Sicherungsinstrumente oder eines Assetmixes.

    Damit ist auch wohl endgültig klar, wer warum "gerettet" werden musste. Nicht irgendwelche großen Spekulanten oder "das Großkapital", wie es viele - vor allem Linke - immer wieder behaupten. Nein, die Spargroschen für viele kleine Leute sind durch die Schuldenmacher akut gefährdet.

    Von "sicher" hat keiner geprochen, einzig "alternativlos" wurde öfters erwähnt.

    Ich hoffe nur, dass wir die Fonds nicht auch noch retten müssen.

    Wäre doch mal was, die Fonds, die eigentlich abseits des Generationenvertrags ihre Gewinne erwirtschaften sollten, müssen auf die Stützung der Steuerzahlenden Bürger zurückgreifen.

    Dann wäre ja wieder alles beim Alten, nur, dass sich diesesmal eine Gesellschaft dazwischen schaltet, ihre Gewinne(Aufwand) abzieht und dann den Rest auszahlt.

    Wegelagerei pur.

    • F.K.
    • 19. November 2012 16:57 Uhr

    bzw. das in ihnen investierte Geld hat doch bei Deutschlands Politikern auch schon Begehrlichkeiten geweckt. Stichwort: Finanzierung der Energiewende. Mal sehen, was passierte, wenn weitere Luft-Öko-Träume den Bach runter gehen, für die man schon jetzt nicht mehr genug private Investoren findet und wo es jetzt schon die Idee gibt, dass Pensionsfonds investieren sollen. So, wie ja jetzt auch allein die Banken schuld sind, dass sie in Griechenland-Anleiehen investiert haben und nicht die Politiker, die es sehr wohlwollend unterstützt haben (z.B. damit, dass dafür keine Sicheheiten hinterlegt werden mussten).

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte OECD | Staatsfinanzen | Alter | Altersversorgung | Altersvorsorge | Fonds
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