Immobilien Teurer Boom am Bau

Gebäudeversicherungen werden automatisch teurer, wenn die Baukosten steigen. Geht der Immobilienboom weiter, könnten satte Prämienerhöhungen die Folge sein. von Annika Janßen

Jedes Jahr im Winter bekommen Immobilienbesitzer unerfreuliche Post: Die Prämien für Gebäudeversicherungen steigen. Zum Beispiel für die Versicherten der Axa. Schon im vergangenen Jahr hat das Unternehmen seine Prämien im Neukundengeschäft "risikoadäquat erhöht".

Wie viel Gebäudeversicherungskunden genau mehr zahlen müssen, will die Assekuranz nicht verraten – die Preissteigerungen dürften aber über der Inflation liegen. Auch die Versicherung R+V hat jüngst an der Preisschraube gedreht, "im niedrigen einstelligen Bereich", wie es dort heißt. Allianz, Sparkassenversicherung und HUK-Coburg kündigen ebenfalls "Beitragsanpassungen" für ihre Gebäudeversicherungen an.

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Im Schnitt stiegen die Prämien im Jahr 2012 bereits um fünf Prozent, hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ausgerechnet. In diesem Jahr dürfte ein Beitragsanstieg in ähnlicher Höhe anstehen.

Es könnte nur der Anfang sein. Denn geht der derzeitige Immobilienboom weiter, kommen möglicherweise erhebliche Prämienerhöhungen auf die Versicherten zu. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind die Kaufpreise für Wohnungen in deutschen Großstädten in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 6,5 Prozent pro Jahr gestiegen. In Berlin legten die Preise seit 2007 sogar um 73 Prozent zu – das sind fast zehn Prozent pro Jahr. Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser befinden sich ebenfalls im Aufwind, vor allem in Metropolen wie Hamburg und Berlin, belegt eine Erhebung des Finanzdienstleisters Dr. Klein.

Höhere Wohnstandards, teurere Prämien

Die steigenden Preise erhöhen die Versicherungsprämien nicht direkt. Aber sobald die gestiegene Nachfrage nach Bauleistungen sich in steigenden Baustoff- und Handwerkerpreisen niederschlägt, bekommen Immobilienbesitzer fast automatisch einen unerfreulichen Brief von ihrer Versicherung. Denn die Beiträge von Gebäudeversicherungen berechnen sich stets auf Grundlage des sogenannten gleitenden Neuwertfaktors – und der wiederum richtet sich nach dem Baupreisindex des Statistischen Bundesamtes, der sich aus Material- und Lohnkosten für alle möglichen Hausbauarbeiten zusammensetzt, also für den Rohbau, Zimmerer-, Dämm- und Installationsarbeiten, Dachdecker, Parkett und Fahrstuhlmontage.

Bis Ende kommenden Jahres wird der Baupreisindex um etwa 2,5 Prozent ansteigen, erwartet die Branche. Damit läge der Anstieg nicht nur über der Inflation, sondern auch über dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre. In diesem Zeitraum hatte der Baupreisindex im Schnitt insgesamt nur um rund ein Prozent pro Jahr zugelegt, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Dass der Index jetzt schneller steigt, liege zum Teil an den gestiegenen Materialkosten, sagt Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Ein weiterer Faktor: Neubauten und auch Instandsetzung nach modernen Standards sind im Lauf der Jahre generell immer aufwändiger und kostspieliger geworden. Schließlich hat die Politik die Standards etwa zur Wärmedämmung oder Fensterverglasung deutlich angehoben. Außerdem haben viele Hausbesitzer in den vergangenen Jahren teure Technik wie Photovoltaikanlagen oder solarbetriebene Heizungen einbauen lassen.

All diese Faktoren lassen den Baupreisindex steigen, und damit auch die Prämien für die Gebäudeversicherung von Altbauten, die möglicherweise vor Jahrzehnten viel spartanischer errichtet wurden. Deren Besitzer und auch die Mieter, auf die sich Prämien in Form der Nebenkosten umlegen lassen, zahlen für weitaus luxuriösere Neubauten mit.

Aber immerhin: Eine Gebäudeversicherung zahlt im Fall des Falles auch für den Neuwert eines Hauses – und das ist nicht etwa der Schaden, den Überflutungen oder Brände an der bestehenden Bausubstanz verursachen, sondern der Wert, den der Wiederaufbau nach aktuellen Maßstäben kostet. Das heißt, dass mit den Prämien auch die Versicherungssumme steigt und damit die Entschädigung im Schadensfall.

Genau das ist auch der Sinn an der Kopplung der Prämien an den Neuwertfaktor. Man will vermeiden, dass Immobilienbesitzer unterversichert sind, bloß weil die allgemeinen Baukosten gestiegen sind.

Frost- und Schlechtwetterschäden treiben die Kosten

Ein Teil der Prämienanstiege lässt sich aber auch direkt auf die schlechtere Ausstattung von Altbauten zurückführen. Diese sind nämlich weitaus schlechter für extreme Wetterlagen gerüstet als Neubauten – und die Schäden durch Hagel, Sturm oder Hochwasser nehmen der Allianz zufolge zu. Die HUK-Coburg nennt zudem zunehmende Leitungswasserschäden durch Frost und veraltete Rohrsysteme als Grund für steigende Kosten.

Mittelfristig könnten die Versicherungskosten noch weiter steigen. Bislang sind Handwerksleistungen noch relativ günstig zu haben, was den Anstieg der Versicherungsprämien bremst. Zwar dürfte das im laufenden und kommenden Jahr so bleiben. Doch wenn immer mehr Bauunternehmen angesichts der großen Nachfrage nach Immobilen am Limit arbeiten, könnten sie die Preise erhöhen. Wie das aussehen kann, zeigte sich zuletzt im Jahr 2007: Da kletterte der Baupreisindex gegenüber dem Vorjahr teilweise sprunghaft um über sieben Prozent.

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Leserkommentare
  1. Es ist doch nicht die Aufgabe der Mieter daß der Besitzer im Schadensfall eune neuwertige immobilei erhält.

    Also müssen die die Erhöhung aus dem Grund nicht tragen.

    Eine Leserempfehlung
    • genius1
    • 05. Januar 2013 11:11 Uhr

    Wenn ich als Mieter auf meine Nebenkostenabrechnung schaue?

    Dann komme ich mir eher als Eigentümer denn als Mieter vor!

    Versicherungen fürs Mietobjekt, Grundsteuern, und und und!

    Natürlich alles hervorragender Lobbyarbeit von Vermietern Geschuldet.

    2 Leserempfehlungen

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