Es kommt selten vor, dass die Bundesbank Leben rettet. In der vergangenen Woche war es vielleicht soweit. Da erfuhren die Währungshüter, dass die Zentralbank von Bangladesch die Todesstrafe für Geldfälscher gefordert hatte. In der Frankfurter Zentrale entschied man sich daraufhin zu einem ungewöhnlichen Schritt: In einer Pressemitteilung drohte die Bundesbank damit, ein anstehendes Beratungsprojekt ganz abzusagen, sollte die Regierung in Dhaka das geplante Gesetz nicht zurückziehen.

Und tatsächlich: Schon am nächsten Tag gab die Zentralbank in Dhaka ihr Gesetzesvorhaben auf, um die Zusammenarbeit mit den Deutschen nicht zu gefährden. Es scheint, als hätten die Frankfurter Währungshüter das umstrittene Gesetz im Alleingang verhindert. "Da war ich richtig stolz darauf, für die Bundesbank zu arbeiten", sagt Martin Dinkelborg, stellvertretender Direktor des Zentrums für Technische Zentralbank-Kooperation der Bundesbank. "So etwas habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt."

Die Erleichterung währte jedoch nur kurz. Längst hat in der Zentrale der Bundesbank eine Debatte darum begonnen, welche gesellschaftliche Verantwortung den Währungshütern im Ausland zukommt. Anders gefragt: Wenn die Bundesbank gegenüber Bangladesch hart auftritt, darf sie dann andere Länder bei der Bekämpfung von Geldfälschern unterstützen, die ebenfalls drakonische Strafen für das Delikt verhängen?

Tatsächlich zeigen Recherchen von ZEIT ONLINE, dass die Haltung der Bundesbank längst nicht immer so konsequent ist wie im Fall von Bangladesch. Auch Menschenrechtsorganisationen und Politiker fordern mittlerweile eine deutlichere Haltung der Währungshüter.

Vor allem die Zusammenarbeit mit den Chinesen steht in der Kritik. Die Volksrepublik sieht für schwere Fälle von Geldfälschung bereits seit Langem die Todesstrafe vor. Im vergangenen Sommer berichteten staatliche Medien, dass ein Mann in der südchinesischen Provinz Húnán zum Tode verurteilt wurde, weil er Falschgeld hergestellt haben soll. Obwohl ähnliche Urteile in China immer wieder verhängt werden, unterstützte die Bundesbank in der Vergangenheit zumindest indirekt chinesische Behörden bei der Bekämpfung von Geldfälschung. In Seminaren lieferte die Bank sogar Tipps für die Ermittlungsarbeit.

"Eine faszinierende Beschreibung der Polizeiarbeit"

Nach Informationen von ZEIT ONLINE fliegen seit Jahren regelmäßig Mitarbeiter der People’s Bank of China nach Deutschland, um sich von der Bundesbank auf den neuesten Stand in Sachen Falschgeldbekämpfung bringen zu lassen. Auf Anfrage bestätigt die Bundesbank, dass chinesische Zentralbanker mehrmals an dem Kurs "Cash-Management und Kampf gegen Falschgeld" teilgenommen haben, der einmal jährlich in Deutschland stattfindet. Teil des Seminars ist auch eine Einheit mit einem bayerischen Kriminalbeamten. Dieser liefert laut Jahresbericht der Bundesbank "eine faszinierende Beschreibung der Polizeiarbeit bezüglich der Strafverfolgung von Geldfälschern".

Im Landeskriminalamt in München heißt es, der Polizist erläutere in dem Kurs beispielhaft, wie deutsche Ermittlungsbehörden mit der Bundesbank zusammenarbeiten. Der Beamte gebe außerdem ausländischen Notenbankern Ratschläge, wie sie sich bestmöglich mit den Strafverfolgern in ihrer Heimat verzahnen können. "Wir beschreiben den optimalen Verlauf: Vom Fund der Note bis hin zur Analyse und den Ermittlungsarbeiten", sagt Günter Seibold, Leiter des Sachgebietes Zahlungsmittelfälschung im bayerischen Landeskriminalamt. Das Seminar vermittle außerdem typische Techniken und Strategien von Fälschern sowie häufige Merkmale von Blüten. Videos zeigen den erfolgreichen Einsatz deutscher Spürhunde auf der Suche nach Falschgeld.