GeldanlageRendite machen mit der Kita

Fondsmanager haben Kindergärten und Pflegeheime als lukrative Geldanlage entdeckt. Doch Anlegerschützer warnen vor riskanten Investments in geschlossene Fonds. von Rolf Obertreis

Geschlossene Immobilienfonds haben schon bessere Zeiten gesehen. Bis November 2012 konnten sie nur die relativ bescheidene Summe von 211 Millionen Euro an frischem Kapital einsammeln, 2010 war es noch mehr als eine Milliarde, die für Investments in Gewerbeimmobilien genutzt werden. Aber in Nischen läuft das Geschäft – etwa bei Fonds, die sich auf Alten- und Pflegeheime und Studentenwohnungen konzentrieren.

Jüngstes Feld der Kapitalanlagefirmen: Kindertagesstätten. Auch hier sollen Anleger wegen der starken Nachfrage Geld verdienen können. Eine Rendite von sechs bis sieben Prozent versprechen die Anbieter, höchst attraktiv bei Sparzinsen von kaum mehr als einem Prozent. Anlegerschützer aber heben den Finger: Bei geschlossenen Fonds könne man das eingesetzte Kapital komplett verlieren.

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Noch richten sich die Angebote an institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen. Die Frankfurter Fondsfirma Habona geht mit ihrem "Kita-Fonds" jetzt auch auf Privatanleger zu. Sie sollen sich am Bau und Betrieb von Kitas beteiligen, mit Einlagen ab 10.000 Euro. In zehn bis 15 Kitas in Köln und im Rheinland soll investiert werden, insgesamt will Habona rund 30 Millionen Euro einsammeln.

Betrieben werden sollen die Häuser von erfahrenen Trägern, also Kommunen, Kirchen, Verbänden oder Elterngruppen, und dies bei langfristigen Mietverträgen von 20 Jahren. Zwei Grundstücke habe man bislang gekauft, sagt Habona-Gesellschafter Roland Reimuth. Fast täglich rechnet er mit der Genehmigung des Fonds durch die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin. "Die Kommunen schaffen es offenbar nicht, den Bedarf zu decken. Deshalb wollen wir Kitas finanzieren und helfen so bei der Bewältigung eines sozialen Anliegens. Dass wir dabei auch Geld verdienen und für den Anleger eine vernünftige Rendite erzielen wollen, kann nicht verwerflich sein."

Die Langfristigkeit ist ein Vorzug solcher Fonds, heißt es bei der Ratingagentur Scope. Dies garantiere stabile Einnahmen und komme dem Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger entgegen. Zweiter Vorzug der Fonds: Der Bedarf an Kitas ist hoch: Ab 1. August gilt der Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung von Kindern im Alter von einem bis drei Jahren. Experten zufolge fehlen dafür bundesweit mindestens 130.000 Plätze. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mangelt es gar an 220.000 Plätzen, wenn wie avisiert für 35 Prozent der Ein- bis Dreijährigen ein Platz bereitstehen soll. Ohne private Investitionen ist dies kaum zu realisieren. Für Habona-Gesellschafter Reimuth steht also fest, dass sein Unternehmen weitere Kita-Fonds auflegen wird.

Großanleger wie Pensionskassen konnten bisher schon auf Kitas setzen. Die Luxemburger Aviarent arbeitet bereits am zweiten "KinderWelten"-Fonds. In nur einem Jahr wurden bis Ende 2012 für den ersten dieser Fonds mehr als 50 Millionen Euro eingeworben, 30 Kitas in ganz Deutschland, unter anderem in Heidelberg und Berlin, gehören zum Portfolio.

Leserkommentare
  1. für "unser" krankes Geldsystem bedurft hätte, hier wäre noch eins.

    Fonds sind ja nun dafür da, Renditen zu erzielen und das nicht zu knapp!

    11 Leserempfehlungen
    • vagabuu
    • 25. Februar 2013 12:21 Uhr

    Es dauert wahrscheinlich nicht mehr lange bis Fonds aufgelegt werden, in denen nur Unternehmen vereint sind, bei denen billige Kinderarbeit für maximale Rendite sorgt...

    Wir sind nicht mehr weit davon entfernt, bis wir wirklich ALLE LEBENSBEREICHE durchökonomisiert haben.

    Zielbild (laut Merkel): MARKTKONFORME DEMOKRATIE

    8 Leserempfehlungen
  2. Das kann dann ja wohl nur von den Elternbeiträgen und staatlichen Zuschüssen zu den Kita-Plätzen kommen.
    Entweder wird es teurer für alle oder die Leistungen müssen reduziert werden (Essen noch billiger, Ausstattung und Wartung weniger, geringere Personalkosten).

    Sparen an der Kinderbetreuung und/oder Zusatzbelastung für Eltern und Kommunen auf Jahrzehnte hinaus, um vermögende Anleger mit überdurchschnittlichen Renditeerwartungen zu beglücken - man kann diesem Modell nur ein Scheitern wünschen.

    10 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 25. Februar 2013 12:46 Uhr

    In der neo-liberalen Gedankenwelt besteht die Aufgabe des Staates (etwa; Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin) ja darin, sichere Flassbeck Economics inkommensmöglichkeiten zu schaffen.

    Auf der einen Seite müssen die Frauen auf Trab gebracht werden ("altivieren", "Fordern und befördern), auf der anderen Seite muss sicher gestellt werden, dass der Grossteil des Einkommens nicht bei den Arbeitnehmern landet, sondern (z.B eben via Kinderbetreung) bei den Leistungsträgern.

    Darum dann ein hübsches Bändchen "Sozial" geschlungen - dann kann nichts schiefgehen.

    Der "Anleger" (insbesondere "Anleger-Anleger" ) sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass das meiste Geld bei den Fondsbetreibern hängenbleibt, während das Risiko ungeteilt bei ihnen verbleibt. Die Immobilien der angesprochenen Immobilien-Fonds gibt es ja immer noch - sie gehören heute lediglich anderen.

    • zappp
    • 25. Februar 2013 12:39 Uhr

    Ein erfahrener, gemeinnütziger Kitabetreiber mit guter Bonität müsste doch für 2% einen Hypothekenkredit bekommen.

    Warum braucht es da einen Fonds mit Verwaltungswasserkopf, Gebühren für Notare, Wirtschaftsprüfer und Ratingagenturen, dazu noch Vertriebsprovisionen für die Bank-"Berater" und Depotgebühren?

    3 Leserempfehlungen
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    Wie sollen solche Leute denn sonst ihr Geld verdienen?

    Etwa mit ehrlicher Arbeit...???

    • Chali
    • 25. Februar 2013 12:46 Uhr

    In der neo-liberalen Gedankenwelt besteht die Aufgabe des Staates (etwa; Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin) ja darin, sichere Flassbeck Economics inkommensmöglichkeiten zu schaffen.

    Auf der einen Seite müssen die Frauen auf Trab gebracht werden ("altivieren", "Fordern und befördern), auf der anderen Seite muss sicher gestellt werden, dass der Grossteil des Einkommens nicht bei den Arbeitnehmern landet, sondern (z.B eben via Kinderbetreung) bei den Leistungsträgern.

    Darum dann ein hübsches Bändchen "Sozial" geschlungen - dann kann nichts schiefgehen.

    Der "Anleger" (insbesondere "Anleger-Anleger" ) sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass das meiste Geld bei den Fondsbetreibern hängenbleibt, während das Risiko ungeteilt bei ihnen verbleibt. Die Immobilien der angesprochenen Immobilien-Fonds gibt es ja immer noch - sie gehören heute lediglich anderen.

    3 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 25. Februar 2013 12:55 Uhr

    Gemeint waren natürlich "Privat-Anleger .... sorry

  3. Nicht einmal vor dem Spekulieren mit Kindergärten und Pflegeheimen wird jetzt mehr Halt gemacht! Es ist zum brechen! Irgendwann gibt es dafür eine Quittung, die sich gewaschen hat. Hoffentlich für die Richtigen.

    4 Leserempfehlungen
    • Chali
    • 25. Februar 2013 12:53 Uhr

    darf ich auf den Artikel hinweisen, der hier am Samstag erschienen ist und ein ganz ähnlich "soziales" Spiel in Bezug aus "Sozalen" Wohnungsbau vorschlägt.
    http://www.zeit.de/2013/08/Wohnungsmarkt-Crowding-out?commentstart=1#cid...

    5 Leserempfehlungen
    • Chali
    • 25. Februar 2013 12:55 Uhr

    Gemeint waren natürlich "Privat-Anleger .... sorry

    Antwort auf "Natürlich!"

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