Katar und FrankreichMit Beckham Verbündete kaufen
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 Katar reagiert kühl auf Kritik an Unterstützung von Islamisten

David Beckham und Nasser Al-Khelaifi, der Präsident des Fußballclubs Paris Saint Germain auf der Pressekonferenz, auf der der Wechsel des Fußballers verkündet wurde.

David Beckham und Nasser Al-Khelaifi, der Präsident des Fußballclubs Paris Saint Germain auf der Pressekonferenz, auf der der Wechsel des Fußballers verkündet wurde.  |  © Thomas Samson/AFP/Getty Images

In Frankreich wurde Katar insbesondere während der Amtszeit von Präsident Nicolas Sarkozy ein gern gesehener Partner. Drei Wochen nach dem Antritt des Staatschefs im Mai 2007 war Emir Hamad bin Khalifa al-Thani bereits zu Gast im Elysée-Präsidentenpalast. Premierminister Hamad bin Jassem al-Thani, auch kurz "HBJ" genannt, hatte regelmäßig einmal im Monat einen Termin im Elysée.

Angeblich hat Katar es Sarkozy zu verdanken, dass der ehemalige Präsident des Fußballvereins PSG und Chef der Kapitalgesellschaft Colony Capital, Sébastien Bazin, zunächst 70 Prozent des Vereins für 40 Millionen Euro und schließlich auch noch den Rest an den Golfstaat abtrat. Ursprünglich waren 30 Millionen Euro für einen Anteil von 30 Prozent im Gespräch. UEFA-Chef Michel Platini bestreitet jüngste Berichte, wonach er auf Drängen Sarkozys für die Austragung der WM 2022 in Katar stimmte. Französische Unternehmen hoffen auf einen Gutteil der dafür geplanten Investitionen in Höhe von 120 Milliarden Dollar.

Im Gegenzug für die Vorzugsbehandlung in Paris bezahlte Katar 2007 auf Bitten Sarkozys die Lösegeldsumme für die in Libyen festgehaltenen bulgarischen Krankenschwestern und vermittelte die Annäherung zwischen Sarkozy und dem damals in Frankreich noch hofierten syrischen Despoten Baschar al-Assad. Zuletzt unterstützte Katar finanziell und durch die Entsendung von 5000 Spezialkräften die Militärintervention zum Sturz des libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi.

Kritik der Sozialisten ist verstummt

Die einstige Kritik der französischen Sozialisten am engen Schulterschluss Frankreichs mit Katar ist seit dem Führungswechsel im Mai 2012 nahezu völlig verstummt. Das Abkommen zwischen den beiden Staaten, das katarische Investoren von jeglichen Steuern auf Gewinne beim Verkauf von Immobilienvermögen befreit, blieb jedenfalls auch unter den Verfechtern einer neuen sozialen Gerechtigkeit unangetastet. Auch von der Solidaritätssteuer auf Vermögen (ISF) sind Kataris fünf Jahre lang befreit.

Womöglich hätten die Sozialisten eine Finanzspritze aus Doha für den angeschlagenen Autobauer PSA Peugeot Citroën begrüßt, um den politisch schwer zu verkraftenden Abbau tausender Stellen wenigstens zu mindern. Doch aus dem Unternehmen verlautet, die Eigentümerfamilie Peugeot würde einen Investor nur akzeptieren, wenn das Fortbestehen des Unternehmens ohne ihn in Gefahr sei. Und in dem Extremfall würde man dann einen französischen Investor suchen, heißt es.

Dass Katar einerseits den Vermittler zwischen Israel und der arabischen Welt gibt, andererseits aber die radikalislamische Hamas-Organisation im Gazastreifen, die Muslimbrüder in Ägypten und die islamische Ennahda-Regierungspartei in Tunesien mit Geld und Sendezeit im Herrscher-TV von Al Jazeera unterstützt, ist in Paris allenfalls ein Nischenthema. Auf Hinweise, dass so genannte Hilfsorganisationen aus Katar eben jenen Islamisten in Mali logistische Hilfe andienten, gegen die Frankreichs Präsident François Hollande eigene Soldaten ins Feld schickte, reagiert Doha kühl: "Dafür soll man uns erst einmal Beweise liefern."

Katars Herrscherhaus gefällt sich besser in der Rolle des Gutmenschen. Beckhams Gehalt für seinen vorerst bis zum Ende der Saison geplanten Einsatz bei PSG soll komplett für Kinderhilfsprojekte gespendet werden. Die genaue Höhe stehe noch nicht fest, sagte der Fußball-Popstar vorigen Donnerstag bei seiner Präsentation. "Das werden die Jungs entscheiden", sagte er mit Blick auf den neben ihn sitzenden Vereins-Präsidenten Nasser-al-Khelaifi. "Aber es wird eine große Summe sein."

Tue Gutes und rede darüber. So lautet das elfte Gebot jeder Unternehmenspressestelle. Katar hält sich daran.

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Leserkommentare
    • Infamia
    • 04. Februar 2013 11:50 Uhr

    Ist es nicht auch so, dass diese Länder, deren Einnahmequellen ja auch zu großen Teilen aus Erdölexporten bestehen, gezwungenermaßen neue Geschäftsfelder erschließen müssen, um zukünftig überlebensfähig zu sein?

    Diese Länder wissen selbst am allerbesten, dass das Zeitalter des Öls allmählich vorbei geht. Was macht da mehr Sinn, als nach neuen Einnahmequellen zu suchen? Diese Länder haben Geld und jetzt ist die Zeit, es so zu investieren, dass es zukunftsfähig angelegt ist. Öl war gestern.

    Eine Leserempfehlung
    • Vidu
    • 04. Februar 2013 12:26 Uhr

    Wie stolz bin ich doch auf unsere Bundesliga...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lxththf
    • 04. Februar 2013 14:24 Uhr

    konkreter! In der Bundesliga haben genug altgediente Stars gespielt. RuudvanNistelroy und Raul seien dabei erwähnt.
    Katar macht global das, was Berlusconi über Jahrzehnte in Italien betrieben hat. Fußball Club für die Öffentlichkeit, Verstrickungen in die Wirtschaft, eigene Sender die darüber berichten und nicht zu vergessen, dass Spielfeld der Politik.
    Der Unterschied ist, dass Katar oft gesichtslos wirkt im Vgl. zum omnipräsenten Berlusconi.
    Und es ist ausgesprochen interessant, dass, wenn man den Fußball als Aufhänger nimmt, niemand über Barcelona redet: http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/nachrichten/trikotsponsoring-...
    Man stelle sich ein CL-Finale Paris vs. Barcelona vor und die Werbung für Katar.
    Ausserdem http://www.n-tv.de/wirtschaft/Geldspritze-fuer-Spanien-article2726101.html
    Eine sehr interessante Entwicklung, die nicht frei von Risiken ist.

    • lxththf
    • 04. Februar 2013 14:24 Uhr

    konkreter! In der Bundesliga haben genug altgediente Stars gespielt. RuudvanNistelroy und Raul seien dabei erwähnt.
    Katar macht global das, was Berlusconi über Jahrzehnte in Italien betrieben hat. Fußball Club für die Öffentlichkeit, Verstrickungen in die Wirtschaft, eigene Sender die darüber berichten und nicht zu vergessen, dass Spielfeld der Politik.
    Der Unterschied ist, dass Katar oft gesichtslos wirkt im Vgl. zum omnipräsenten Berlusconi.
    Und es ist ausgesprochen interessant, dass, wenn man den Fußball als Aufhänger nimmt, niemand über Barcelona redet: http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/nachrichten/trikotsponsoring-...
    Man stelle sich ein CL-Finale Paris vs. Barcelona vor und die Werbung für Katar.
    Ausserdem http://www.n-tv.de/wirtschaft/Geldspritze-fuer-Spanien-article2726101.html
    Eine sehr interessante Entwicklung, die nicht frei von Risiken ist.

    Antwort auf "Hauptsache bekannt!"
    • Künzel
    • 13. Februar 2013 17:17 Uhr
    4. Angst

    Na, fangen die Arabischen Emirate auch schon an zu zittern? :)

    Das Öl im Boden wird wohl allmählich alle!

  1. "Herrscher TV Al Jazeera".

    So dummdreist koennen wohl nur Deutsche ueber
    einen Sender urteilen, der, wenn er tatsaechlich
    ein Herrscher-TV waere, nicht diese internationale
    Beachtung faende.

    Al Jazeera, ein Sender, der egal wo in der Welt, von
    allen Brennpunkten direkt und vor Ort berichtet, und
    zwar nachpruefbar fair und korrekt, waehrend deutsche
    Gebuehrenzahler von "Korrespondenten" aus dem ARD-
    Studio z.B. in Kairo ueber Geschehnisse in Palaestina
    "unterrichtet" werden, soll ein "Herrscher-Sender" sein?
    Lachhaft.

    Lachhaft ist es auch, wenn es mit den Gebuehren von
    80 Millionen Deutschen nicht moeglich ist, einen inter-
    nationalen TV-Sender zu etablieren. Die Franzosen
    haben einen, die Briten und Amerikaner sowieso, aber
    die BRD, eine d e r internationalen Wirtschaftsmaechte,
    hat ein paar Auslandskorrespondenten und ist unfaehig
    ihre Sicht der Dinge international zu kommunizieren.

    Und dann kommen Journalisten aus diesem "Kleinklek-
    kerlesland" und versuchen einen international angese-
    henen Sender als "Herrscher-TV" zu desavouiren.

    Geht es noch peinlicher?

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