Katar und FrankreichMit Beckham Verbündete kaufen

Mit Wirbel hat Katar Fußballpopstar Beckham nach Paris geholt. Das Emirat legt viel Vermögen im Ausland an, um Firmen und Politiker an sich zu binden. von 

David Beckham und Nasser Al-Khelaifi, der Präsident des Fußballclubs Paris Saint Germain auf der Pressekonferenz, auf der der Wechsel des Fußballers verkündet wurde.

David Beckham und Nasser Al-Khelaifi, der Präsident des Fußballclubs Paris Saint Germain auf der Pressekonferenz, auf der der Wechsel des Fußballers verkündet wurde.  |  © Thomas Samson/AFP/Getty Images

Das kleine Emirat hat wieder einmal einen Coup gelandet. Als der französische Erstligist Paris Saint-Germain (PSG) vergangene Woche den nicht mehr ganz jungen, aber immer noch zum Star taugenden Ausnahmefußballer David Beckham verpflichtete, war auch Katar in aller Munde. PSG gehört seit 2011 den Scheichs, deren Investitionen stets zwei Mustern folgen: Geld gut anlegen und damit von sich reden machen. Die Kombination ist eine Art Lebensversicherung für das Land geworden, das geografisch zwischen den mächtigen Nachbarn Iran und Saudi Arabien eingekeilt ist.

Dass es dabei womöglich nicht immer ganz sauber zugeht, lassen nicht zuletzt die neuesten Enthüllungen über die Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar vermuten.

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Vor allem Frankreich spielt in der Anlagestrategie eine wichtige Rolle. Vor wenigen Wochen ließ Katars Botschafter in Paris, Mohamed Jaham al-Kuwari, wissen, dass sein Land weitere zehn Milliarden Euro in Unternehmen des französischen Aktienindex CAC 40 investieren wolle. Damit würde Katar seinen aktuellen Besitz in Frankreich beinahe verdoppeln.

Die Anteile der Qatar Investment Authority (QIA) an französischen Blue Chips betragen heute bereits mehr als sechs Milliarden Euro. Vom Luxuskonzern LVMH über Versorger wie Veolia, Vinci und Suez Environment bis zum Ölkonzern Total und dem Telekommunikationsriesen France Télécom ist vieles dabei, was Rang und Namen hat.

Bundesregierung blockierte EADS-Beteiligung Katars

Hinzu kommen zahlreiche Immobilien im Wert von rund vier Milliarden Euro an ersten und entsprechend teuren Adressen. Eine davon ist das Hôtel de Coislin an der Pariser Place de la Concorde. Das kleine Juwel aus dem 17. Jahrhundert gehört zum Privatbesitz von Emir Hamad bin Khalifa al-Thani und beherbergt im ersten Stock die französische Filiale des mit rund 700 Milliarden Dollar ausgestatteten Staatsfonds.

"Die geographisch unsichere Lage ist Dreh- und Angelpunkt der Investitionsstrategie Katars im Ausland", sagt Denis Bauchard, Nahost-Spezialist am französischen Institut für internationale Beziehungen (Ifri). "Es geht darum, ein Netz an Verbündeten zu schaffen, die im Zweifelsfall helfen würden." In dem Zusammenhang sei Frankreich ein bevorzugter Alliierter.

Seit der Unabhängigkeit 1971 und der Weigerung, sich in die Vereinigten Arabischen Emirate zu integrieren, ist Katar um seine Eigenständigkeit besorgt. Ein Blick auf die Karte macht die Ängste nachvollziehbar: Wie eine winzige Kaffeebohne hängt die Halbinsel Katar an Saudi-Arabien. Von den zwei Millionen Einwohnern sind weniger als 200.000 katarische Staatsbürger. "Die gesamte Politik ist auf dieses Sicherheitsbedürfnis ausgerichtet", sagt auch der ehemalige französische Außenminister Hubert Védrine. Er gehört wie zahlreiche ehemalige und noch amtierende Politiker zu den Fürsprechern Katars in Paris.

In Deutschland hält die QIA Anteile an Volkswagen und Porsche. Dem Interesse Katars an einem Einstieg bei dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS aber schob die Bundesregierung 2011 einen Riegel vor, indem sie die Übernahme von 7,5 Prozent der Daimler-Anteile durch den deutschen Staat ankündigte. Der im Dezember 2012 zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien ausgehandelte Vertrag über die künftige Kontrolle von EADS beugt einer Einflussnahme durch einen möglichen neuen Großaktionär vor.

Katar hält allerdings inzwischen beinahe 13 Prozent an Lagardère, der Firma des aktuellen EADS-Verwaltungsratsvorsitzenden Arnaud Lagardère. Es ist ein offenes Geheimnis, dass QIA ein Auge auf die EADS-Anteile Lagardères hat. Er will sich bereits seit geraumer Zeit davon trennen.

Leserkommentare
    • Infamia
    • 04. Februar 2013 11:50 Uhr

    Ist es nicht auch so, dass diese Länder, deren Einnahmequellen ja auch zu großen Teilen aus Erdölexporten bestehen, gezwungenermaßen neue Geschäftsfelder erschließen müssen, um zukünftig überlebensfähig zu sein?

    Diese Länder wissen selbst am allerbesten, dass das Zeitalter des Öls allmählich vorbei geht. Was macht da mehr Sinn, als nach neuen Einnahmequellen zu suchen? Diese Länder haben Geld und jetzt ist die Zeit, es so zu investieren, dass es zukunftsfähig angelegt ist. Öl war gestern.

    Eine Leserempfehlung
    • Vidu
    • 04. Februar 2013 12:26 Uhr

    Wie stolz bin ich doch auf unsere Bundesliga...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lxththf
    • 04. Februar 2013 14:24 Uhr

    konkreter! In der Bundesliga haben genug altgediente Stars gespielt. RuudvanNistelroy und Raul seien dabei erwähnt.
    Katar macht global das, was Berlusconi über Jahrzehnte in Italien betrieben hat. Fußball Club für die Öffentlichkeit, Verstrickungen in die Wirtschaft, eigene Sender die darüber berichten und nicht zu vergessen, dass Spielfeld der Politik.
    Der Unterschied ist, dass Katar oft gesichtslos wirkt im Vgl. zum omnipräsenten Berlusconi.
    Und es ist ausgesprochen interessant, dass, wenn man den Fußball als Aufhänger nimmt, niemand über Barcelona redet: http://www.handelsblatt.c...
    Man stelle sich ein CL-Finale Paris vs. Barcelona vor und die Werbung für Katar.
    Ausserdem http://www.n-tv.de/wirtsc...
    Eine sehr interessante Entwicklung, die nicht frei von Risiken ist.

    • lxththf
    • 04. Februar 2013 14:24 Uhr

    konkreter! In der Bundesliga haben genug altgediente Stars gespielt. RuudvanNistelroy und Raul seien dabei erwähnt.
    Katar macht global das, was Berlusconi über Jahrzehnte in Italien betrieben hat. Fußball Club für die Öffentlichkeit, Verstrickungen in die Wirtschaft, eigene Sender die darüber berichten und nicht zu vergessen, dass Spielfeld der Politik.
    Der Unterschied ist, dass Katar oft gesichtslos wirkt im Vgl. zum omnipräsenten Berlusconi.
    Und es ist ausgesprochen interessant, dass, wenn man den Fußball als Aufhänger nimmt, niemand über Barcelona redet: http://www.handelsblatt.c...
    Man stelle sich ein CL-Finale Paris vs. Barcelona vor und die Werbung für Katar.
    Ausserdem http://www.n-tv.de/wirtsc...
    Eine sehr interessante Entwicklung, die nicht frei von Risiken ist.

    Antwort auf "Hauptsache bekannt!"
    • Künzel
    • 13. Februar 2013 17:17 Uhr
    4. Angst

    Na, fangen die Arabischen Emirate auch schon an zu zittern? :)

    Das Öl im Boden wird wohl allmählich alle!

  1. "Herrscher TV Al Jazeera".

    So dummdreist koennen wohl nur Deutsche ueber
    einen Sender urteilen, der, wenn er tatsaechlich
    ein Herrscher-TV waere, nicht diese internationale
    Beachtung faende.

    Al Jazeera, ein Sender, der egal wo in der Welt, von
    allen Brennpunkten direkt und vor Ort berichtet, und
    zwar nachpruefbar fair und korrekt, waehrend deutsche
    Gebuehrenzahler von "Korrespondenten" aus dem ARD-
    Studio z.B. in Kairo ueber Geschehnisse in Palaestina
    "unterrichtet" werden, soll ein "Herrscher-Sender" sein?
    Lachhaft.

    Lachhaft ist es auch, wenn es mit den Gebuehren von
    80 Millionen Deutschen nicht moeglich ist, einen inter-
    nationalen TV-Sender zu etablieren. Die Franzosen
    haben einen, die Briten und Amerikaner sowieso, aber
    die BRD, eine d e r internationalen Wirtschaftsmaechte,
    hat ein paar Auslandskorrespondenten und ist unfaehig
    ihre Sicht der Dinge international zu kommunizieren.

    Und dann kommen Journalisten aus diesem "Kleinklek-
    kerlesland" und versuchen einen international angese-
    henen Sender als "Herrscher-TV" zu desavouiren.

    Geht es noch peinlicher?

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