Die Finanzkrise hat den Ruf der Banken ruiniert. Sie werden in der Öffentlichkeit als verantwortungslose Zocker wahrgenommen, die sich von Steuergeld retten lassen, wenn mal wieder eine Spekulationsblase platzt. Die Empörung wird durch ethisch bedenkliche Geschäfte der Geldhäuser verschärft. Kürzlich geriet etwa die Deutsche Bank mit Lebensmittelspekulationen in die Schlagzeilen. Auf der einen Seite also böse Banken, auf der anderen unschuldige Kunden und Steuerzahler? Nein, diese simple Trennung wäre Selbstbetrug.

Fast alle Deutschen lassen ihr Geld von einer Bank verwalten. Sie streichen Zinsen und andere Leistungen ein. Nur eine Minderheit würde ihr Geld direkt der Rüstungsindustrie zur Verfügung stellen. Wie die Bank das eigene Geld vermehrt, etwa durch Waffengeschäfte, danach fragen Bankkunden aber selten. Wer seine Einnahmen dem Berater in der Filiale um die Ecke anvertraut, hat schon viel damit zu tun, komplizierte finanzielle Zusammenhänge zu verstehen. Ob der versprochene Gewinn auf sozialer oder ökologischer Ausbeutung basiert, will kaum jemand wissen.

Jeder Kunde einer herkömmlichen Bank möchte einen möglichst hohen Gewinn erzielen. In meinem Bekanntenkreis höre ich häufig Klagen über viel zu geringe Zinsen. Wenn Banken sich verspekulieren und gerettet werden müssen, dann auch, weil sie durch die Erwartungen ihrer Kunden getrieben wurden. Populisten finden große Zustimmung mit Parolen wie "die sollen ihre Suppe selber auslöffeln". Es sind aber vor allem Einlagen von Kunden, die mit einer Bank gerettet werden.

Wer sozial und ökologisch möglichst viel richtig machen möchte, steht schon in anderen Alltagssituationen vor schwierigen Aufgaben. Eine Checkliste für das korrekte Leben kann lang werden. Was wir mit unserem Geld machen lassen, ist nur ein Bereich. Aber hier stehen unsere persönlichen Interessen in krassem Gegensatz zu ethischen Maßstäben, solange ausschließlich nach der Rendite gefragt wird. Gewinne können auch Investments und Banken erwirtschaften, die sich an ethische Standards binden. Solche Angebote zu prüfen und nutzen, bringt mehr, als sich über böse Zocker zu empören.