Geldanlagen : Den Banken zeigen, was wir wollen

Alle schimpfen auf die Finanzwirtschaft, aber jeder Bankkunde stützt sie, schreibt Leser Yves Bellinghausen. Dabei ist ethisches Investment möglich.

Die Finanzkrise hat den Ruf der Banken ruiniert. Sie werden in der Öffentlichkeit als verantwortungslose Zocker wahrgenommen, die sich von Steuergeld retten lassen, wenn mal wieder eine Spekulationsblase platzt. Die Empörung wird durch ethisch bedenkliche Geschäfte der Geldhäuser verschärft. Kürzlich geriet etwa die Deutsche Bank mit Lebensmittelspekulationen in die Schlagzeilen. Auf der einen Seite also böse Banken, auf der anderen unschuldige Kunden und Steuerzahler? Nein, diese simple Trennung wäre Selbstbetrug.

Fast alle Deutschen lassen ihr Geld von einer Bank verwalten. Sie streichen Zinsen und andere Leistungen ein. Nur eine Minderheit würde ihr Geld direkt der Rüstungsindustrie zur Verfügung stellen. Wie die Bank das eigene Geld vermehrt, etwa durch Waffengeschäfte, danach fragen Bankkunden aber selten. Wer seine Einnahmen dem Berater in der Filiale um die Ecke anvertraut, hat schon viel damit zu tun, komplizierte finanzielle Zusammenhänge zu verstehen. Ob der versprochene Gewinn auf sozialer oder ökologischer Ausbeutung basiert, will kaum jemand wissen.

Jeder Kunde einer herkömmlichen Bank möchte einen möglichst hohen Gewinn erzielen. In meinem Bekanntenkreis höre ich häufig Klagen über viel zu geringe Zinsen. Wenn Banken sich verspekulieren und gerettet werden müssen, dann auch, weil sie durch die Erwartungen ihrer Kunden getrieben wurden. Populisten finden große Zustimmung mit Parolen wie "die sollen ihre Suppe selber auslöffeln". Es sind aber vor allem Einlagen von Kunden, die mit einer Bank gerettet werden.

Wer sozial und ökologisch möglichst viel richtig machen möchte, steht schon in anderen Alltagssituationen vor schwierigen Aufgaben. Eine Checkliste für das korrekte Leben kann lang werden. Was wir mit unserem Geld machen lassen, ist nur ein Bereich. Aber hier stehen unsere persönlichen Interessen in krassem Gegensatz zu ethischen Maßstäben, solange ausschließlich nach der Rendite gefragt wird. Gewinne können auch Investments und Banken erwirtschaften, die sich an ethische Standards binden. Solche Angebote zu prüfen und nutzen, bringt mehr, als sich über böse Zocker zu empören.

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Pitbulls stopfen keine Löcher

Wie geschieht, was wir für eine Tatsache halten und die Politik des eigenen Landes mal wieder eine Runde zu lang am Pokertisch saß und nicht einmal mit einem Splitpot davon gekommen ist. Die Chips sind wieder da, wo sie hergekommen sind – ins Rückenmark der Börse und der Banken. Zum Frühstück werden sie dort von großen Finanzhaien mit Milch verzehrt. Hoffentlich ist der Magen ein gutes Spardosensubstitut, denken sie sich. Die Finanzhaie vergessen nur manchmal, dass auch sie sich noch ab und an dem System der Naturgesetze unterzuordnen haben. So können sie also ihre Chips nicht behalten, sondern werden regelmäßig von schuftenden Kanalarbeitern steuerfrei aus dem Dreck gezogen und von ihnen in die zerrissene Hosentasche gesteckt. Aber oh nein, die meisten ihrer Hosentaschen haben größer Löcher, durch die ihr Gesammeltes unweigerlich wieder herausfällt. Was für ein Pech! Denn besitzen sie nicht einmal die Mittel, um die großen Löcher wieder zu stopfen. Manchmal machen sich die Finanzhaie auf die Suche nach ihren verloren gegangenen Chips. Aber nein, niemals selbst. Sie haben Hunde, aufgehetzte Pitbulls im Schafspelz, die danach schnüffeln. Doch ab und zu findet ein Kind mit wachen Fuchsaugen etwas vom Eigentum der Finanzhaie auf dem Bürgersteig, direkt neben einer Mülltonne oder einer Straßenlaterne. Die Mama sagt dann: „Kind, wie schön! Ich freue mich so für dich. Leg' es aber ja nicht einfach unter dein Kopfkissen –

Die nicht durch Bürger kontrollierte Banken sind das Problem

Mit der Gründung der ersten privaten Banken im Italien des 16. Jahrhunderts begannen die Probleme, die wir heute haben. Denn die Geschäfte dieser Banken wurden zu keiner Zeit wirkungsvoll durch die Bürger oder durch Gesetze und Behörden kontrolliert.

Die von den Geld anlegenden Bürgern kontrollierten Raiffeisen-Banken sind größtenteils die Ausnahme davon. In geringerem Maße auch die öffentlich-rechtlichen Sparkassen. Bei letzeren hatten und haben leider Landesregierungen schlechten Einfluß auf die Geschäftspolitik.

In einer Demokratie gehören die privaten Banken unter eine wirkungsvolle direkte öffentliche Kontrolle durch Bürger und Parlamente. Außerdem müssen ihre Geschäfte mittels harter Gesetze reguliert werden, so wie sie es vor der Deregulierung seit Anfang der 1980er waren.

Man darf privaten Banken keinen Einfluss auf die Währung und den Wohlstand der Bürger einräumen. Denn mittels der ihnen durch Deregulierungen (= Entlassung aus Verantwortung und Haftung) eingeräumten Macht sind sie in der Lage ganze Volkswirtschaften zu ruinieren. Das weiß man bereits seit 1929. Und schuf in der westlichen Welt wirkungsvolle Gesetze als Schutzwälle dagegen. Die wurden dann von den Neoliberalen vorsätzlich eingerissen.

Re: Kundenrettung und Verbraucherschelte

danke erstmal, dass sie mir den Papst korrigiert haben. ;-)
Die Guthabenrettung kanns dennoch nicht gewesen sein, denn
wieso sprach Joseph Agricola (habe Ackermann mal als Bauer gelesen und in Latein übersetzt) von einer Kernschmelze des Finanzsystems?

Das die Gier auch unten besteht, keine Frage. Jedoch: wer 50 000 oder mehr ansparen konnte, hat in der Regel auch andere Rücklagen, vllt. Immobilien bzw. ist zumeist in zumindest auskömmlichen Einkommensverhältnissen. Und der, der damals nichts hatte, hätte auch nichts verloren. Genau den trifft es jetzt und in Zukunft wohl härter.

Ich begreife nicht, dass Marktwirtschaft gepredigt wird, wenn allerdings marktwirtschaftliche Prinzipien mit Verlustfolge greifen sollen, man sie ausser Kraft setzt mit dem Hinweis auf die kleinen Sparguthaben. Bzw. ich begreife es wohl -und fühle mich umso mehr verarscht.

Was ist werthaltig?

Wer das weis ist Ende des Jahres Millionär :-)
Wie bei so vielem muss, wer den Banken wirklich "eins auswischen" will, sich mit dem Thema beschäftigen und Glück haben.
Ich habe 2008 auch gesagt, die Banken brauch ich nicht und habe - nach vielen und schwierigen Gesprächen mit meiner Frau - mein bescheidenes aber hart erarbeitetes Geld via Crowdfunding in drei Unternehmen gesteckt.
Eins ging Ende 2009 unter, eins macht sich und wirft bescheidene Redite ab.
Das dritte, eine Softwarefirma, war ein Jackpot mit dem ich mehr als genug verdient habe um den Verlust von 2009 wieder wettzumachen.
Heute gehören mir auch 16% eines Unternehmens das sich mit Wellentechnologie beschäftigt.
Und einfach ist es garantiert nicht weil auf der Bank ist das Geld relativ sicher, allerdings lässt sich gerade jetzt auch Dank Crowdfundig gutes Geld verdienen, wenn man Glück hat und aufpasst wem man sein Geld anvertraut.

Moderner Feudalismus

Die Guthabenrettung kanns dennoch nicht gewesen sein, denn wieso sprach Joseph Agricola (von einer Kernschmelze des Finanzsystems?
FIAT Money hat keinen "inneren Wert". Es lebt vom gemeinsamen Vertrauen aller Marktteilnehmer an den Wert einer solchen Währung.

Die ganze heiße Luft schlagartig herauszulassen, würde dieses Vertrauen nachhaltig schädigen. Eine schlagartige Korrektur der aufgebauten Blase würde jeden treffen, selbst wenn man die Kosten nur den Profiteuren auferlegen würde, weil die Realwirtschaft so abhängig von der Finanzwirtschaft und hier - dank Ende des Trennbankensystems - gar zum Spielball von Spekulanten geworden ist.

Eine "sanfte, langsamere" Korrektur zu Lasten der Profiteure scheint politisch wie gesellschaftlich nicht durchsetzbar, dank Korruption der Politik, Übermacht der Wirtschaft, und einer in die falsche Richtung tretenden Mittelschicht.

Darum bekommen wir nun die sanfte, langsame Korrektur, zu Lasten der breiten Massen (über Inflation), und mit dem Effekt einer weiteren Zementierung des Geldadels, unseres modernen Feudalismus.

Ich begreife nicht, dass Marktwirtschaft gepredigt wird, wenn allerdings marktwirtschaftliche Prinzipien mit Verlustfolge greifen sollen, man sie ausser Kraft setzt mit dem Hinweis auf die kleinen Sparguthaben. Bzw. ich begreife es wohl -und fühle mich umso mehr verarscht.
Privatisierung von Gewinnen, Sozialisierung von Verlusten.

Willkommen im Zeitalter des Neo-Liberalismus.

Meudalismus

ich hielt diese Wortschöpfung immer für weit hergeholt, aber die aktuellen Entwicklungen gehen genau dahin.

Was die Realwirtschaft betrifft, bzw. die Auswirkungen auf diese, habe ich eigentlich einen andere Meinung. Egal, was am Finanzsystem passiert und sei es das rauslassen aller Luft aus allen Blasen, sämtliche Produktionsmittel bleiben erhalten, alle Fabriken bleiben stehen. Man muss nur wieder *einschalten* und die Maschinerie läuft... zuerst bei den bedürfnissen, die existentiell sind, Nahrungsmittelerzeugung, Energie, dann Transport, dann...

Wir werden sehen.

Naja...

Deutsche Bank: 2.00 % Zinsen aufs Festgeld
Doch, da verlange ich schon, dass die Bank das hin bekommt, ohne dick in die Rüstung, Nahrungsmittel etc. zu investieren. Auf der anderen Seite gibt es ja nämlich auch noch den Geldverleih. Schauen wir uns das mal genau an. Ebenfalls Deutsche Bank, aktuell: 5000 Euro, 72 Monate Laufzeit Insgesamt muss man 6402 Euro zurückzahlen, monatlich 89 Euro.
Wenn man rein die 5000 Euro auf 72 Monate verteilt macht das
69,7 Euro. Also, man zahlt jeden Monat, 72 mal zusätzlich knapp 20 Euro.
Den Zins kann sich jeder mal selbst ausrechnen.

Wo ist also bitte die übermenschlichte Geldvermehrung, welche nur durch sozial unverträgliche Produkte zu schaffen ist?

Generell hätten Sie ja recht, wenn die Konditionen stimmen würden. Aber den Gewinn, den Banken damit machen - den geben die doch in keinster Weise an den Kunden weiter. Auf der anderen Seite führt diese Bankenretterei ja auch zu einer höheren Inflation, welche den Kunden zwingt, auf einen gewissen Zinssatz zu bestehen um nicht weiter enteignet zu werden.

Vom EZB Zinssatz, für den sich Banken Geld bei der Zentralbank leihen können, will ich an dieser Stelle garnicht mehr schreiben.

Bitte, korrigiert mich, wenn ich hier nen Denkfehler habe.

Also doch die Konsumenten, Verbraucher usw....

Wenn Sie den Kreditausfall ansprechen, sollten Sie das aber auch bei der Besicherungspraxis tun.

Bei einer großzügigen Grundschuldeintragung, mit *weiter* Sicherungsvereinbarung, gleichzeitig unterschriebener *Unterwerfung unter die Zwangsvollstreckung* für den in der Grundschuldsumme enthaltenen Kontokorrentkredit aktuell 11,5% Zinsen zu nehmen ist, naja, bringt mich jedenfalls auf die Palme. (Nach)Verhandeln geht da schlecht, Bankwechsel ist kein Druckmittel, da erste Rangstelle im Grundbuch blockiert... Nun gut, nächstes Jahr bin ich ein freier Mann.

Und werde es bleiben.