Junge Deutsche : Optimistisch in die Altersarmut

Der Mehrheit der jungen Deutschen ist klar: Sie müssten fürs Alter vorsorgen. Dennoch sparen sie zu wenig. Nicht immer liegt es am fehlenden Geld.
Studenten in Hannover. Hochqualifizierte Leute wie sie vertrauen stark darauf, dass sich ihre gute Ausbildung später bezahlt macht. © Julian Stratenschulte/dpa

Es ist schon paradox: Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland blicken so optimistisch in die Zukunft wie selten zuvor. Sie glauben an ihren persönlichen Erfolg und fürchten sich nicht vor Arbeitslosigkeit. Viele sagen, dass sie ihr Leben gerne im Voraus planen. Sie wissen auch, dass sie fürs Alter vorsorgen sollten, wenn sie als Rentner nicht in die Armut rutschen wollen. 

Dennoch steckt nur ein geringer Teil der jungen Leute tatsächlich regelmäßig Geld in ihre Altersvorsorge. Nur 38 Prozent sparen – über die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung hinaus – fürs Alter. Für notwendig halten das aber fast 90 Prozent. Wenn sie aus ihrer Einsicht keine praktischen Konsequenzen ziehen, liegt das nicht unbedingt am fehlenden Geld. 

Das ist ein zentrales Ergebnis einer Studie von TNS Infratest, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Für die repräsentative Untersuchung befragten die Sozialforscher 2.500 Personen im Alter von 17 bis 27 Jahren am Telefon. Es ist die zweite Studie dieser Art, was Vergleiche mit früheren Ergebnissen aus dem Jahr 2010 ermöglicht. In Auftrag gegeben wurden beide Arbeiten von MetallRente, dem Versorgungswerk der Metallindustrie. Die wissenschaftliche Leitung lag beim Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann.  

Nur 40 Prozent des Bruttolohns

"Es hat sich unter den Angehörigen der jungen Generation herumgesprochen: Nach heutigem Stand werden sie bei Eintritt in ihren Ruhestand weniger als 40 Prozent ihres Bruttolohnes erhalten und davon nicht leben können", sagt Hurrelmann. "Doch sie sind unsicher, wie sie ihre Alterssicherung bewerkstelligen können."

Das hat mehrere Gründe. Die Finanzkrise habe das Vertrauen in Banken und Versicherungen schwer beschädigt, sagen die Autoren der Studie. Man vertraue ihnen Geld nicht mehr so sorglos an wie früher. Zudem wüssten viele Jugendliche nicht gut über finanzielle Dinge Bescheid. Rund die Hälfte habe zwar angegeben, sich in Finanzfragen ausreichend informiert zu sehen. Aber die meisten konnten Begriffe wie "betriebliche Altersvorsorge" und "Riesterrente" nicht erklären.  

Für viele scheint der Ruhestand auch einfach noch zu weit entfernt. Die Jugendlichen fühlten sich überfordert, Geld für ein "Lebensereignis zurückzulegen, das erst in 40 Jahren eintreten wird", sagte Hurrelmann. "Sie resignieren vor der Komplexität der Aufgabe." Und kümmern sich lieber um näher liegende Dinge: Um die eigene Ausbildung beispielsweise, das berufliche Fortkommen oder die Gründung einer eigenen Familie.  

Für Bildung – und Reisen – wird ebenfalls gespart. Vor allem die ganz Jungen und Akademiker hoffen, dass sich ihre Qualifikationen einmal auszahlen werden. Wer eine Lehre absolviert hat, spart eher für seine Altersvorsorge. Jugendliche mit niedrigeren oder gar keinen Abschlüssen hingegen sind besonders verunsichert. Ihnen dürften wohl auch häufig die Mittel fehlen, um mehr zu sparen. Immerhin 42 Prozent der Jugendlichen, die nichts für die Altersvorsorge zurücklegen, gaben an, sie hätten kein Geld dafür übrig.

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Kommentare

91 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

Fuer Haueser auf dem LAnde

haben Sie sicher recht - aber fuer Stadtwohnungen gilt das nicht. Wenn es da Sanierungsbedarf gibt, wird das ja auf alle Eigentuemer umgelegt und bleibt dadurch ueberschaubar. Auch finden sich schneller Kaeufer. Ich vertraue nicht darauf, dass das Rentensystem in der jetzigen Form ueberhaupt noch als Generationenvertrag existiert, wenn ich alt bin - und denke, dass es bis dahin ohnehin auf eine steuerfinanzierte einheitliche Basisrente hinauslaufen wird. Und dann gilt doch: wenn fast alle zugleich arm sind, muessen auch die Preise fuer Produkte des taeglichenLebens dementsprechend gesunken sein. Und wenn ich dann in einer schoen eingerichteten kleinen Wohnung sitze, die mir selbst gehoert, in der ich zur Not auch noch ein Zimmer an einen Studenten untervermieten kann - dann reicht mir das. Grosse Angst hat die Generation vor mir, die es gar nicht soo hart trifft, die aber tiefer fallen kann, weil sie sich noch einen hohen Lebensstandard mit Urlauben und 2 Autos leisten konnte und das dann spaeter vermisst. In meiner Generation leben doch alle mehr oder weniger auf leicht gehobenem Studentennniveau- und so wird es dann eben auch im Alter sein.

Das hat

meine Generation auch mal gedacht ( ich bin Babyboomer ). Man hat uns er-
zählt "die Rente ist sicher". Ich persönlich habe meine Aus- und Weiterbildung
sogar z. T. selbst finanziert ( Industriefachwirt, Versicherungsfachmann, SAP-
Berater ). Dann kam HARTZ-IV, mein Job wurde wegrationalisiert, weil man uns
( die Ü-50 ) loswerden wollte ( zu teuer !! ) und zwar zu hundertausenden.
Mein Rentenanspruch laut der Bescheide der BFA sank in 3,5 Jahren von
1.465,00 € auf 835,00 € und haben will uns auch keiner mehr, egal wie gut
ausgebildet und wieviel Erfahrung ( zu alt / zu teuer ). Das Märchen von guter
Ausbildung = gute Einkommenschancen = gute Rente wird leider von unseren
"Eliten" immer noch erzählt und viele glauben es auch noch. Für die meisten
heute noch Jugendlichen und Jungerwachsenen, die diesem Märchen noch
glauben und sich darauf verlassen, wird es ein böses Erwachen geben.
Gruß JP