Lernstress, knappes Budget, dreimal die Woche Nudeln mit Ketchup – und dann auch noch Vermögen aufbauen? Glaubt man Bankberatern und Versicherungsvertretern, sollten Studenten und Auszubildende besser heute als morgen anfangen zu sparen. Schließlich wächst die Lücke in der gesetzlichen Rente und der Zinseszinseffekt könnte helfen, sie zu schließen.

Wirklich? Tatsächlich ist der Rat mit Vorsicht  zu genießen. "Man sollte in jungen Jahren nichts übers Knie brechen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Studenten haben im Schnitt 812 Euro monatlich zur Verfügung, hat das Deutsche Studentenwerk ermittelt. Azubis, die nach Tarif bezahlt werden, verdienen laut Bundesinstitut für Berufsbildung durchschnittlich 730 Euro pro Monat. Am Monatsende bleibt selten etwas übrig. Falls doch, kann es zwar sinnvoll sein, etwas abzuzweigen und anzulegen, etwa fürs Alter. Oberste Priorität sollten die Geldanlage und Vorsorge aber nicht haben – zumal längst nicht jedes Finanzprodukt für junge Menschen geeignet ist.

Beispiel Riester: Die meisten Riester-Produkte kommen für Studenten gar nicht infrage, weil sie nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Einzige Ausnahme ist eine Variante für Minijobber, die bis zu 450 Euro im Monat verdienen. Wer einen solchen Vertrag abschließt und noch keine 25 Jahre alt ist, bekommt sogar einmalig einen Bonus von 200 Euro vom Staat. Damit der Riester-Vertrag zustande kommt, müssen Minijobber allerdings auf die Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung verzichten und den Arbeitgeberanteil an die Rentenkasse selbst aufstocken. Das macht bei einem 450-Euro-Job pro Monat rund 20 Euro, die direkt vom Lohn abgezogen werden. Im Gegenzug gibt es Riester-Zulage vom Staat, die jährliche Grundzulage liegt bei 154 Euro.

Für Studenten, die Nebenjobs meist nur für wenige Jahre ausüben, lohne sich das kaum, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. "Außerdem kann man über die einmal abgeführten Beiträge nicht mehr verfügen." Kaum Flexibilität also. Genau das aber sei in jungen Jahren extrem wichtig, sagt Nauhauser. Schließlich kann man nicht wissen, was nach Studium oder Ausbildung kommt: vielleicht einige Monate Arbeitslosigkeit, vielleicht aber auch eine neue, große Wohnung, die frisch möbliert werden will. Wer dann kein Geld hat, etwa weil es in unflexiblen Vorsorgeprodukten gebunden ist, muss sich welches leihen – und zahlt letztlich drauf.

Haben Studenten oder Azubis Geld übrig, sollten sie es am besten auf eigene Faust möglichst simpel anlegen. Das gilt auch für die Wenigen, die tatsächlich über größere Summen verfügen, etwa weil sie geerbt haben. Besonders flexibel sind Tages- oder Festgeldkonten. Die Flexibilität ist derzeit allerdings teuer erkauft. Weil die Zinsen historisch niedrig liegen und nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen, machen Sparer unterm Strich Verluste.

Wer bereit ist, Risiken einzugehen, sei mit Aktienfonds gut bedient, die das Vermögen der Anleger auf viele verschiedene Branchen und Regionen verteilen, sagt Nauhauser. "Aktien sind langfristig die attraktivste Anlageklasse." Sie bringen in der Regel höhere Renditen als Anleihen. Junge Anleger haben gegenüber älteren Investoren einen entscheidenden Vorteil: Sie haben mehr Zeit und können gelegentliche Kursschwankungen besser aussitzen. Deshalb bietet sich für sie ein hoher Aktienanteil im Portfolio an. 

Nicht zuerst an das Alter denken

Verbraucherschützer raten bei der Aktienanlage gern zu börsengehandelten Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs), die einen Aktienindex nachbauen, statt auf aktives Fondsmanagement zu setzen. ETFs verursachen wenig Kosten. Ein weiterer Vorteil: Genau wie bei aktiv verwalteten Aktienfonds können Anleger ihr investiertes Kapital bei Bedarf jederzeit wieder abziehen.

Generell gilt: Wer als Student vorsorgen will, sollte nicht unbedingt gleich an de Ruhestand denken, sondern zuerst an naheliegende Risiken denken. Versicherungsmakler raten oft zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Vermögen kann man damit zwar nicht aufbauen, wohl aber das Risiko absichern, seinen künftigen Job durch Krankheit oder Unfall nicht mehr ausüben zu können. "Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein wesentlicher Teil des Vorsorgekonzepts", sagt Miriam Michelsen, Vorsorgespezialistin bei Finanzdienstleister MLP. Es sei sinnvoll, früh einzusteigen. Viele Versicherer bieten für Studenten verminderte Anfangsbeiträge. Auch Azubis können eine BU abschließen, müssen allerdings, je nachdem, wie riskant ihr angestrebter Beruf ist, zum Teil teuer dafür bezahlen.