Ägypten : Mit Mursis Sturz kommt das Geld

Ein Jahr haben sie sich versteckt, jetzt kommen sie zurück: Ägyptens Geschäftsleute. Die Probleme sind gewaltig, eine rasche Besserung ist nicht in Sicht.

Seit Mohammed Mursi gestürzt ist, kehren ägyptische Geschäftsmänner in ihr Heimatland zurück – und mit ihnen ihr Geld. Zum Beispiel Samih Sawiris, Sohn der gleichnamigen koptischen Familie. Die Sawiris sind wohlhabende Geschäftsleute. Samihs Vater Onsi hat Orascom gegründet, einen Konzern, zu dem mittlerweile Unternehmen des Baugewerbes, der Telekommunikations- und der Tourismusbranche gehören. Sein Bruder Naguib ist Chef von Orascom Telecom. Samih Sawiris selbst baut Touristenzentren, ursprünglich in Ägypten, seit einiger Zeit auch in Andermatt.

Ein Jahr lang hielt sich Samih Sawiris vom ägyptischen Finanzmarkt fern: genau so lange, wie die Muslimbrüder an der Macht waren. Jetzt investiert er wieder. Mit ihm kamen andere ägyptische Geschäftsleute zurück an die Börse in Kairo, die ihr Vermögen zuvor im Ausland gebunkert hatten.

Alles passierte ganz schnell: Schon am Tag nach dem Militärputsch stiegen die Kurse an der Börse in Kairo so rasant, dass der Handel vorübergehend ausgesetzt werden musste.

Auch das ägyptische Pfund hat seither an Wert gewonnen. Sieben Pfund muss man im Moment für einen Dollar bezahlen. Vor einem Monat waren es noch neun Pfund. Es fließen wieder harte Devisen nach Ägypten.   

Verschwörung gegen Muslimbrüder

Anhänger der Muslimbrüder wittern dahinter eine Verschwörung. Sie glauben, der Mangel an Kapital während Mursis Regierungszeit habe gezielt die Wirtschaft schwächen und Mursi zu Fall bringen sollen. Vielleicht wollten manche der reichen Ägypter ihr Geld einfach nur in Sicherheit bringen. Die Familie Sawiris aber und auch andere erklärten mehrfach deutlich in der Öffentlichkeit, die Gegner Mursis zu unterstützen. Naguib Sawiris gab viel Geld für die Protestbewegung Tamarod.

Die Familie Sawiris hatte ihr Vermögen schon einmal verloren, als General Gamal Abdel Nasser im Ägypten der sechziger Jahre den arabischen Sozialismus ausrief. Onsi Sawiris wurde damals enteignet und verlor seine Bauunternehmen. Auch Nasser gelang durch einen Putsch an die Macht. Anders als damals locken die Militärs diesmal die Vermögenden zurück ins Land.

Auch aus dem arabischen Ausland kommt frisches Geld. Mehrere arabische Medien berichten, Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Saudi Arabien planten einen großangelegten Wiedereinstieg in die ägyptische Wirtschaft. Einige von ihnen investierten schon kurz nach dem Putsch in Aktien.

Die Regierungen in Abu Dhabi, Kuwait-City und Riad versprachen zudem, der klammen Regierung in Kairo zwölf Milliarden Dollar zu überweisen. Drei Milliarden davon müsste Ägypten noch nicht mal zurückzahlen. Sie sind ein Geschenk der Scheichs. Die Finanzspritze verschafft den politischen Parteien in Ägypten einige Monate Zeit, um sich neu zu ordnen. Die Geldgeber wollen sich dadurch die Gunst der neuen Regierung sichern.

Doch wie nachhaltig sind die Geldströme? An den tieferlegenden Problemen der ägyptischen Wirtschaft können sie so schnell nichts ändern. Schon vor zwei Jahren, als die Massen gegen Hosni Mubarak protestierten, sahen viele Ägypter für sich keine ökonomische Zukunft. Seither hat sich die Lage noch verschlechtert.

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Strukturen

Da sind halt die Strukturen. Konzentrierte Wirtschaft mit Barmherzigkeit. Was hat man in der BRD prophezeit, wenn die SPD an de Regierung kommt. Nicht ist passiert, denn es konnte geteilt werden, zugunsten der Arbeit und der Wirtschaft.

In einem Land, wo Gruppenbildung herrscht, gibts keine gemeinsame Basis die eine gemeinsame zugängliche Infratsruktur auf aufbauen könnte. Die Gruppen sorgen für sich und ihre Angehörigen. Wer in der Herrschaft unterliegt oder keiner angehört, hat Pech gehabt. Und wer Gld hat, hälts zurück, wenn die Regierung nicht passt.

Nix mit Politk im Sinne eines Ganzen. Und Religion allein lässt die Wirtschaft nicht wachsen. ERgal was sei bekommt.

Mit seinem zunehmenden Konzern- und Verbändestaat könnte sich Deutschland auch dahin bewegen. Nur ist der produktive Mittelstand, entstanden in der BRD noch stark genug.