Sollte die Niedrigzinsphase lange anhalten, vernichtet sie auf diese Weise praktisch die Hälfte der ursprünglich erwarteten privaten oder betrieblichen Altersvorsorge.

Schuld ist nach Ansicht des Versicherungsverbands GdV die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die im Zuge der Finanz- und Südeuropakrise den Kapitalmarkt mit niedrig verzinstem Geld flutet. Eher hilflos erscheint GdV-Hauptgeschäftsführer Peter Schwark bei der Suche nach dem Gegenmittel. "Der Staat, der von den Niedrigzinsen in erster Linie profitiert, soll seinen Beitrag leisten und das Volumen der Riester-Förderung verdoppeln", fordert der Versicherungslobbyist. Ob solche Finanzspritzen das Kernproblem lösen würden, ist zu bezweifeln.

Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung untersuchten die Universität Vechta und die Stiftung Warentest die Entwicklung der Rentenauszahlungen von 120 Lebensversicherern und Pensionskassen. "Insgesamt ist mit privater und betrieblicher Altersvorsorge eine Kompensation der Rentenkürzungen im Prinzip nicht erreicht worden", so die Wissenschaftler. Das Risiko, mit einer renditeschwachen Anlage im Alter Abstriche machen zu müssen, sei erheblich. Das Fazit der Rententester: "Die private Altersvorsorge gleicht eher einem Glücksspiel."

Die Politik hat mehr Möglichkeiten

Mehr und mehr drängt sich die Frage auf, ob das vielgescholtene Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung auf lange Sicht nicht mehr Stabilität bietet als die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Wenn es um die Krisenresistenz geht, lohnt sich ein Blick in die Geschichte der deutschen Sozialversicherung. Die ursprünglich als Ansparmodell konstruierte Rentenkasse stand seit ihrer Einführung im Jahr 1891 mehrfach vor dem finanziellen Kollaps.

Die Hyperinflation der zwanziger Jahre, die wenige Jahre später einsetzende Wirtschaftskrise und die Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass die kapitalgedeckte Rentenversicherung einen großen Teil ihres Daseins am staatlichen Tropf verbrachte und mit Zuschüssen aus Steuermitteln aufgestockt werden musste. Erst als 1957 mit der Umstellung auf das Umlageverfahren die Basis für die heutige gesetzliche Rente gelegt wurde, kehrte finanzielle Solidität ein. Der Entwurf für die Reform stammte von dem Kölner Wirtschaftstheoretiker Wilfrid Schreiber, der den Generationenvertrag im Auftrag des Bundes katholischer Unternehmer entwickelt hatte.

Gerade die Finanzkrise des Jahres 2008 und die aktuelle Schuldenkrise der südeuropäischen Länder zeigen, wie heftig externe Ereignisse über die Kapitalmärkte über die Zinspolitik der Zentralbanken auf das inländische Vorsorgekapital durchschlagen können und wie wenig sich dagegen ausrichten lässt. Mehr Einflussmöglichkeiten bleiben hingegen bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Der Staat kann mit einer klugen Wirtschafts-, Familien- und Zuwanderungspolitik versuchen, einen langfristig funktionierenden Generationenvertrag zu schaffen. Das Umlagesystem könnte dabei wieder eine Renaissance erleben.