Die Börse in New York © Reuters

Mitten im Washingtoner Regierungsviertel hinter einer unscheinbaren Bürohausfassade mit verspiegelten Fenstern liegt einer der wichtigsten Knotenpunkte der US-Finanzbranche. Die Adresse 1275 K Street beherbergt ein Rechenzentrum der Firma CoreSite. Über Tausende Quadratmeter erstrecken sich hier Computerstellplätze, nur eine halbe Meile vom Finanzministerium entfernt und unweit des US-Arbeitsministeriums. Genau deswegen ist der Standort für die Wall Street so interessant: In Zeiten des Hochfrequenzhandels ist die direkte Vernetzung in der Hauptstadt besonders wertvoll.  

Beim schnellen, computergesteuerten Handel kommt es auf einzelne Millisekunden an. Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag dauert etwa 300 Millisekunden. Trotz ultraschneller Datenübertragung mittels Glasfaserkabel ist die geografische Nähe zu wichtigen Organisationen und Behörden für das sogenannte High Frequency Trading (HFT) sehr wichtig. So bekommen die Server in der K Street marktrelevante Informationen wie Arbeitslosenstatistiken oder die Zinsrate der US-Notenbank Fed den Bruchteil einer Sekunde eher als die Konkurrenten in den Finanzhochburgen New York und Chicago.

Die Standortoptimierung ist Teil des Wettrüstens der Wertpapierhändler. "Sie versuchen, jede Millisekunde herauszuholen", sagt Analyst Robert Stowsky, HFT-Experte beim Marktforschungsunternehmen Aite Group. Wer sich gegen die Konkurrenz durchsetzen will, muss schneller sein. Für neueste Technologien wie Mikrowellen- und Laserverbindungen geben die Finanzfirmen ein Vermögen aus. Davon profitieren vor allem die Anbieter, die mitunter ziemlich trickreich operieren. Die zuständigen Aufsichtsbehörden hinken derweil hinterher. 

Der Druck wächst

Befeuert wird das Wettrüsten von einer Konsolidierung der Branche. Nachdem der schnelle Computerhandel in den ersten Jahren nach Lehman-Pleite und der folgenden globalen Finanzkrise extrem zugelegt hatte, läuft es seit zwei Jahren nicht mehr ganz so rund. 2009 kauften und verkauften Hochfrequenzhändler laut Brokerhaus Rosenblatt Securities noch rund 3,25 Milliarden Aktien pro Tag, 2012 waren es mit 1,6 Milliarden nur noch knapp die Hälfte. Die Gewinne sind noch deutlicher eingebrochen: von rund fünf Milliarden Dollar in 2009 für die gesamte Branche auf etwa eine Milliarde im vergangenen Jahr.

Das liegt vor allem am Geschäftsmodell selbst: Hochfrequenzhändler profitieren von kleinsten Kursschwankungen. Die geringen Gewinnmargen können sich in der Masse auf beträchtliche Beträge summieren. Deswegen waren die turbulenten Zeiten an den Börsen unmittelbar nach dem Höhepunkt der Finanzkrise für den HFT äußerst lukrativ, immer mehr Firmen drängten in die Branche. Mittlerweile haben sich die Märkte aber wieder beruhigt, die Volatilität und das Handelsvolumen haben deutlich nachgelassen. Zudem rüsten auch die herkömmlichen Wall-Street-Firmen auf und machen den klassischen HFT-Spezialisten Konkurrenz.

Es ist eng geworden in der Branche. So eng, dass einige Firmen bereits wieder aus dem Geschäft gedrängt oder aufgekauft werden. "Es ist sehr schwierig für die Hochfrequenzhändler, vorne zu bleiben", sagt Stowsky. Von diesem Wettrennen profitieren aber nicht nur die Betreiber von schnellen Datenleitungen, sondern auch andere Unternehmen.