Seit eineinhalb Jahren steigen die Häuserpreise in den USA scheinbar unaufhörlich. Experten sehen in dem Aufwärtstrend am Immobilienmarkt einen Hauptgrund für die konjunkturelle Erholung des Landes. Die Entwicklung ist aber mit großen Risiken verbunden: Getrieben von günstigen Finanzierungsmöglichkeiten feiern spekulative Käufer ein großes Comeback. Ökonomen warnen bereits vor der nächsten Preisblase.

Armando Montelongo ist der unbestrittene König unter Amerikas Immobilienspekulanten. In Seminaren, die sich über ein verlängertes Wochenende erstrecken und Teilnehmer bis zu 20.000 Dollar pro Kopf kosten, bringt der 42-jährige Kalifornier seinen Kunden bei, wie sie professionelle "house flippers" werden können. "House flippers" werden in der Branche jene Investoren genannt, die eine Immobilie kaufen und diese innerhalb von sechs Monaten mit Gewinn wieder abstoßen.

Montelongo mietet Sporthallen, Auditorien, Lagerhallen und manchmal sogar Kirchen, in denen seine zahlenden Fans eifrig mitschreiben, während der Multimillionär verrät, wie man angeblich schnell reich wird. An einem Samstagnachmittag im September predigt der Immobilienguru in einem Hörsaal unweit von Anaheim, Kalifornien. Er erklärt seinen zahlenden Kunden jenes Geschäftsmodell, das den Unternehmer selbst angeblich zum hundertfachen Millionär machte: "Dort, wo die Preise am tiefsten gefallen sind und Banken gepfändet haben, müsst ihr billig kaufen, das Haus so weit renovieren, dass es wieder halbwegs ansprechend ist, und dann sofort wieder auf den Markt werfen." 

Die Verlockung hoher Renditen 

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Der gebürtige Texaner referiert mit der Inbrunst und Leidenschaft eines Fernsehpredigers aus den amerikanischen Südstaaten. Er scheint von seiner Sache ernsthaft überzeugt zu sein. Über die Risiken  spricht Montelongo aber nicht. "Natürlich müssen Spekulanten, wenn sie nicht selber Millionäre sind, Kredite aufnehmen" sagt er. "Doch das geht relativ leicht, denn von dem boomenden Häusermarkt wollen die Banken auch eine Scheibe abbekommen und sind nur allzu gern bereit, Geld zu verleihen." Dass unbedarfte Anleger sich mit seiner Empfehlung, sich bis zum Hals zu verschulden, womöglich übernehmen und die Banken wieder beginnen, exakt jene Risiken einzugehen, die zur ersten Blase führten, das interessiert Amerikas führenden "Hausflipper" nicht.

Wer die Kunst des "Flippens" beherrscht und vor allem die richtigen Gegenden auswählt, konnte dieses Jahr binnen weniger Monate tatsächlich traumhafte Gewinne erzielen. Spekulanten, die im Januar in Orlando ein Haus kauften und bald danach wieder abstießen, zahlten im Schnitt 103.000 Dollar und nahmen beim Verkauf 168.000 Dollar wieder ein, eine stattliche Rendite von 68 Prozent. Fast genauso viel gab es in Las Vegas, Phoenix, Miami und zahlreichen kalifornischen Städten.

Doch eine Erfolgsgarantie gibt es keine, und in den vergangenen Monaten haben sich Beschwerden über Montelongos sündhaft teuren Seminare dermaßen gehäuft, dass nun auch die neu geschaffene Behörde zum Schutz der Verbraucher vor Finanzverbrechen sich die Praktiken des Texaners genauer anschaut. Das einzige wirklich sichere Geschäftsmodell ist nämlich sein eigenes. Schließlich werden dieses Jahr an die 400.000 zahlende Teilnehmer die Seminare besuchen. Montelongo wird circa 100 Millionen Dollar umsetzen, acht Mal so viel wie im Jahre 2009, und könnte davon bis zu 50 Millionen aufs eigene Konto einzahlen.