Elf Milliarden Dollar. Das wäre zweieinhalbmal so viel, wie BP für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gezahlt hat. Es wäre 20-mal so viel, wie Goldman Sachs vor drei Jahren blechte, um die Ermittlungen im Fall Abacus zu beenden. Und es wäre der größte Vergleich, den jemals ein einzelnes Unternehmern mit dem US-Justizministerium geschlossen hat.

Es geht also um wahnsinnig viel Geld in dem sich seit Tagen zuspitzenden Rechtspoker zwischen der US-Bank JP Morgan Chase und der amerikanischen Regierung. Doch das ist nicht alles. Denn abgesehen von der Summe geht es in den Verhandlungen auch um ein Symbol: Wer hat fünf Jahre nach der globalen Finanzkatastrophe das Sagen im Land – Washington? Oder die Wall Street?

JP Morgan Chase, nach Börsenwert das zweitgrößte Geldhaus der USA, stand lange im Ruf, Amerikas Good Bank zu sein, jedenfalls gemessen am Bad Boy Goldman Sachs oder auch gemessen an der Citigroup, die in der Krise gleich mehrmals gestützt werden musste. JP Morgan dagegen stand nicht aufseiten der Geretteten, sondern aufseiten der Retter: 2008 übernahm die Bank zunächst Bear Stearns und später auch noch Washington Mutual. Hätte JP Morgan das nicht getan, wäre die Rechnung für den Steuerzahler womöglich noch höher ausgefallen.

Spätestens 2012 jedoch wendete sich das öffentliche Bild von JP Morgan, und Schuld war "der Wal". So nannte die Finanzpresse einen Londoner Händler der Bank, der mit komplexen Derivaten die unglaubliche Summe von 6,2 Milliarden Dollar verzockt hatte. Hinzu kam zur gleichen Zeit die Aufdeckung des Libor-Skandals, in den JP-Morgan-Mitarbeiter zumindest verstrickt waren. Und obendrauf kamen Ermittlungen, die noch aus der ursprünglichen Subprime-Krise herrührten, aber zwischenzeitlich aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden waren.

Ein sehr teurer Wal

So verkehrte sich das Good-Bank-Image von JP Morgan ins Gegenteil. Und das ausgerechnet zu der Zeit, als die Regierung begann, im Kampf gegen die Banken Ernst zu machen.

Wie sehr sich die Dimensionen verschoben haben, zeigt sich, wenn man sich die diversen Verfahren gegen JP Morgan am Fall Abacus von Goldman Sachs anschaut. Abacus war ein von Goldman gemeinsam mit dem Spekulanten John Paulson ersonnenes Wertpapier, mit dem ebendieser Paulson später auf fallende Preise am US-Häusermarkt spekulierte. 

Das Sonderbare: Die Gegenparteien bei diesen Wetten waren ebenfalls Goldman-Kunden – sie verloren angeblich gut eine Milliarde Dollar. Die US-Finanzaufsicht SEC begann zu ermitteln und trieb Goldman Mitte 2010 in einen scheinbar teuren Vergleich: 550 Millionen Dollar musste die Bank zahlen, "die größte Strafe, die die SEC jemals gegen ein Finanzunternehmen verhängt hat", wie der zuständige Aufseher Robert Khuzami jubilierte.