Finanzaufseher Benjamin Lawsky © Eric Thayer/Reuters

"Digitaler Wilder Westen" nennt Cyrus Vance Jr., Staatsanwalt von Manhattan, die Geschäftswelt der Bitcoins. Das Internet sei "der Tatort des 21. Jahrhundert" und die digitale Währung das gängige Zahlungsmittel. Cyberkriminalität, Identitätsdiebstahl, Drogenhandel, Kinderpornografie – das rufe nach verstärkter behördlicher Aufsicht, forderte Vance diese Woche in New York. Die oberste Finanzaufsichtsbehörde des Bundesstaates, das New York Department of Financial Services, hatte ihn und zahlreiche andere Branchenexperten zu einem zweitägigen Anhörungsmarathon geladen. Das Ziel: Die erste umfassende Regulierung von Bitcoin.

Für viele ist diese auch bitter nötig. Erst Anfang dieser Woche hatte die US-Staatsanwaltschaft den Bitcoin-Unternehmer Charlie Shrem festgenommen, dem sie Beihilfe zur Geldwäsche in Höhe von rund einer Million Dollar vorwirft. Der Chef der Online-Wechselstube BitInstant soll mithilfe eines Komplizen Nutzer des Internet-Schwarzmarktes Silk Road, ebenfalls vor wenigen Monaten vom FBI hochgenommen, mit der digitalen Währung versorgt haben. Es ist der bisher prominenteste Betrugsfall in der Wirtschaftswelt der sogenannten Krypto-Währung. Wenn auch bei Weitem nicht der erste.

Die Bitcoin-Ökonomie wächst rasant. Im vergangenen Jahr hatte der Wechselkurs um das Hundertfache auf zwischenzeitlich mehr als 1.200 Dollar zugelegt. Derzeit pendelt der Preis um 825 Dollar. Trotz der heftigen Kursschwankungen wachsen die Möglichkeiten, die Computer-Taler als reguläres Zahlungsmittel einzusetzen. Vor Kurzem erst haben der US-Online-Einzelhändler Overstock.com und der kalifornische Basketball-Verein Sacramento Kings damit begonnen, sie als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

"Wir werden nicht trödeln"

Für den obersten New Yorker Finanzaufseher Benjamin Lawsky ist das 2008 eingeführte virtuelle Geld an einem Wendepunkt angelangt: "Bitcoins dringen jetzt eine neue Phase ein, in der sie vermehrt zum Mainstream gehören und die vielen Vorteile einer digitalen Währung deutlich werden", sagte er der Financial Times. Um der ganzen Sache einen geregelten Ablauf zu geben, will der Beamte eine sogenannte BitLizenz einführen. Und zwar so bald wie möglich, auf jeden Fall aber noch vor Ende des Jahres, hofft er.

New York könnte damit der erste US-Bundesstaat mit einer speziellen Regulierung für digitale Währungen werden. Bereits heute muss man sich in den meisten US-Staaten als Geldhändler registrieren, wenn man Finanzdienstleistungen mit Bitcoins anbietet.

Hintergrund ist, dass die Bundesbehörden die Aufsicht aller Bitcoin-Geschäfte im vergangenen Jahr an die Länder übergeben haben, die nämlich traditionell für Geldtransfer-Firmen wie etwa Western Union zuständig sind. Seitdem liefern sich einige Bundesstaaten, darunter auch Kalifornien und Illinois, ein regelrechtes Wettrennen darum, wer zuerst ein eigenes Regelwerk aufstellt, das womöglich als Blaupause für viele andere dienen könnte. "Wir werden nicht trödeln", sagte Lawsky. "Unsere Hoffnung ist es, möglichst schnell vorwärts zu kommen, damit wir den Firmen etwas Gewissheit geben können."