Elke König, Präsidentin der BaFin © dpa

Die Präsidentin der deutschen Finanzaufsicht (BaFin), Elke König, fordert Konsequenzen aus der Insolvenz des Windparkfinanzierers Prokon. "Ich könnte mir vorstellen, dass man Anlagen nach ihrer Komplexität und den damit verbundenen Risiken kennzeichnet", sagte Elke König der ZEIT. Dies könnte in Form einer Ampel geschehen: "Rot für hoch riskante Produkte, Gelb für weniger riskante und Grün für Anlagen mit relativ geringem Risiko." Zwar sei es schwierig, Grenzen zu ziehen. Eine Lösung für einen besseren Verbraucherschutz müsse aber gefunden werden. "Wir sollten die Idee ernsthaft prüfen, selbst wenn das bedeutet, dass wir Produkte und Anleger in Schubladen stecken."

Der Windkraftbetreiber Prokon hatte im Januar einen Insolvenzantrag gestellt. Durch den Verkauf von hoch riskanten Genussrechten an Privatkunden hatte das Unternehmen etwa 1,4 Milliarden Euro von 75.000 Anlegern eingenommen.

Vorwürfe aus den vergangenen Tagen, die BaFin habe schon vor Jahren Probleme bei Prokon erkannt, aber zu wenig unternommen, machten sie fassungslos, sagte König. Ihrer Meinung nach sollte die Politik den grauen Kapitalmarkt stärker regulieren. 

Genau das plant die Bundesregierung. Sie will noch in diesem Jahr "die entscheidenden Aufschläge" für eine weitere Stärkung des Verbraucherschutzes machen, riskante Finanzprodukte notfalls verbieten. Außerdem geht es um strengere Vorgaben für den bisher wenig regulierten grauen Kapitalmarkt sowie um mehr Befugnisse für die Bafin. Der bis 2008 zurückreichende Fall Prokon werde gründlich aufgearbeitet, hieß es aus Regierungskreisen. Dies gelinge aber nicht über Nacht. Genussscheine könnten durchaus auch von Privatanlegern genutzt werden – wenn diese nicht ihre komplette Altersversorgung auf einem Produkt aufbauten, das das Risiko eines Totalausfalls enthält. 

König fordert auch hier einen verbesserten Verbraucherschutz: "Wir müssen uns etwa fragen, welche Produkte über Wurfblätter im Briefkasten oder auch in der Straßenbahn beworben werden dürfen – und welche nur über professionelle Berater verkauft werden können." Auch sei zu überlegen, "welche Finanzierungsformen unter Aufsicht gehören, vor allem wenn sie an Verbraucher vertrieben werden".