Beate Sander: Die Spätstarterin

Weihnachten 2008 war für die Kinder von Beate Sander eher traurig. Es lagen keine Geschenke unterm Baum, sie bekamen nur ein Versprechen der Mutter: Nächste Weihnachten gibt es dafür mehr. Sander wollte ihr Geld lieber an die Börse bringen, als damit Geschenke zu kaufen. "Ich habe jeden Euro in Aktien investiert", sagt sie. Im Crashjahr lagen die Kurse schließlich besonders günstig.

Fast ihr ganzes Leben lang hat sich Beate Sander nur theoretisch mit Aktien beschäftigt – als Realschullehrerin für die Fächer Wirtschaft und Sozialwesen. Erst mit 63 fing sie selbst an zu investieren – und ist heute, mit 78, Börsenexpertin und Autorin von mehr als 50 Fachbüchern. Ihr bekanntestes ist der Börsenführerschein und soll jenen helfen, die sich zum ersten Mal in die Finanzwelt wagen. Denn Sander findet es traurig, dass es so viele gibt, die sich nicht an Aktien herantrauen.

Einsteigern empfiehlt sie, in sogenannte ETFs zu investieren: Fonds, die Entwicklungen eines Index oder einer Branche abbilden. Liebling der Börsen-Erklärerin ist derzeit der TechDax. "Im Dreijahres-Vergleich schneidet er besser ab als alle anderen Indizes." Ansonsten rät sie Anlegern zu einer breiten Streuung über die Segmente.

Mit dieser Strategie hat sie ihren Depotwert in den vergangenen 15 Jahren um ein Vielfaches gesteigert – inzwischen liegen auch wieder Geschenke unterm Weihnachtsbaum. Aktien von einzelnen Dax-Unternehmen kaufe sie nur vereinzelt, zuletzt vom Streaming-Anbieter Netflix. "Die Digitalisierung", sagt die 78-Jährige,"das ist die Welt von morgen."  Julia Wadhawan

Andrea Schruff: Die Risikobewusste

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Wie lege ich mein Geld an? Kann ich das? Andrea Schruff, Vermögensverwalterin bei der Weberbank, macht Frauen Mut. Seit Jahren hält sie in Berlin Seminare, die Frauen und Jugendliche über die Welt von Börse und Finanz aufklären. Schruff hat Erfahrung. Sie selbst investiert seit mehr als 30 Jahren an der Börse – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere: erst in der Wertpapierberatung bei der Deutschen Bank, dann bei der Colonia-Versicherung in Köln und seit 1998 bei der Weberbank in Berlin.

Hat sie eine Faustformel? "Nie das ganze Geld investieren", rät Schruff, "und nie alles verkaufen". Den richtigen Zeitpunkt könne man ohnehin nicht genau treffen. "Der psychologische Druck, dann falsch zu reagieren, ist viel zu groß", sagt Schruff. Anleger sollten überlegen, welches Risiko sie tragen könnten, und dann diszipliniert an die Kapitalanlage herangehen. Schruff rät, insbesondere Aktien von Unternehmen zu kaufen, deren Geschäftsmodelle zukunftsträchtig seien – und deshalb die Börse positiv überraschen könnten.  Bettina Schulz

Christine Bortenlänger: Die Aktien-Lobbyistin

Die Faszination für Finanzmärkte entstand bei Christine Bortenlänger während eines Schulausflugs zur Münchner Börse. Gebannt beobachtete sie, wie die Händler sich wild gestikulierend und lautstark Orders zuriefen. Ein riesiges Chaos – das funktionierte. Die Orders ergaben letztlich Kurse, Aktien wechselten den Besitzer. Im Prinzip läuft es heute noch genauso, nur elektronisch.

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Aktien, so kann man wohl sagen, sind Bortenlängers berufliches Lebensthema. Nach Banklehre und BWL-Studium war sie Vorstand der Bayerischen Börse und Geschäftsführerin der Börse München. Seit 2012 ist die 49-Jährige Chefin des Deutschen Aktieninstituts und damit Deutschlands oberste Aktien-Lobbyistin. Eine Aufgabe, die "manchmal frustrierend" sei. Denn die Angst vor Aktien sitzt hierzulande tief – trotz Niedrigzinsen und hohen Dividenden. Aber Bortenlänger ist hartnäckig. Immer wieder nennt sie die Renditen von Dax-Titeln der letzten 10, 15 Jahre. Und betont, dass es auf lange Sicht praktisch kein Verlustrisiko gab. Sie empfiehlt deshalb, Aktien langfristig zu halten, auch bei kurzzeitigen Buchverlusten. Denn jedes Umschichten kostet Gebühren.

Das sei auch der Grund, warum Frauen oft bessere Renditen einfahren. "Frauen verfügen meist über weniger Kapital – und wer über weniger Kapital verfügt, der schichtet seltener um." Aber welchen Aktien sollte man treu bleiben? Bortenlänger rät Anlegern, zu überlegen, welche Branchen von aktuellen Trends profitieren werden. Ein Beispiel: Alternative Antriebe wie die Elektromobilität, könnten von der Krise der Dieselmotoren profitieren. Maike Brzoska

Renate Fritz und Susan Levermann

Renate Fritz: Die Wachstumsorientierte

"Selbst bestimmen", dieses Wortpaar ist Renate Fritz wichtig. Sie freut sich, wenn eine Kundin in die Beratung kommt und wissen möchte wissen, wie sie sich mit ihrem Geld eine Altersvorsorge aufbauen kann oder es selbstbestimmt anlegen kann. Ob sie sich davon nun ein Sicherheitsnetz knüpft oder ein Ferienhaus gönnt, ist zweitrangig. "Das Geld muss einem dienen", sagt Fritz, "es muss dauerhaft das Gefühl der Freiheit oder Sicherheit vermitteln."

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Renate Fritz ist Mitinhaberin der Finanzberatung "Frau & Geld", die sie gemeinsam mit Gründerin Helma Sick führt. Sick ist ihre Tante und eine der Frauen, von denen Renate Fritz lernte, dass Frauen auf eigenen Beinen stehen können. "Alle Frauen um mich herum waren erwerbstätig, ich kenne das nicht anders." Wenn eine junge Frau aus dem Beruf aussteigen will, rechnet sie ihr vor, was das später in Euro heißt. Oft überlegen es sich die Kundinnen dann.

Ihr eigenes Finanzkonzept sieht so aus: Zuerst das Verdienstausfallrisiko mit Berufsunfähigkeitspolice absichern. Dann für die Rente sparen, warum nicht steuerlich gefördert? Als Freiberufler hat sie eine Rüruprente. Und eine Eigentumswohnung mit Denkmalschutzabschreibung. Der größte Batzen fließt in aktive Fonds. Jedes Mal, wenn Geld übrig ist, kauft man Fondsanteile, praktischer geht’s nicht, findet sie. Sie mag Mischfonds, in denen alles stecken kann: Anleihen, Gold, Rohstoffe oder Waldinvestments. Bei ihr sind es zu 60 Prozent Aktien. Mit einem solchen Anteil gilt die 47-jährige in der Börsensprache als wachstumsorientiert.

Wann sie mehr auf Nummer sicher gehen wird? Das bestimmt sie irgendwann selbst.  Nadine Oberhuber

Susan Levermann: Die Klima-Schützerin

Wenn Susan Levermann übers Investieren spricht, klingt alles ganz simpel:  Keine orakelhaften Vorhersagen, keine seltsamen Abkürzungen, stattdessen sagt sie: "Geld verdienen an der Börse ist einfacher, aber auch langweiliger als viele denken".

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Levermann muss es wissen. Sie galt als Nachwuchsstar der Fondsgesellschaft DWS, war Aktienfondsmanagerin des Jahres, Journalisten nannten die Diplom-Volkswirtin ein Finanzgenie.

Also, Frau Levermann, wie erzielt man eine ordentliche Rendite an der Börse?

Sie empfiehlt, in starke und solide Unternehmen zu investieren. Um das dauerhaft durchzuhalten, sei Disziplin nötig, vor allem wenn die Kurse mal wieder zackig nach oben oder unten gehen. In ihrem Ratgeber stellt sie eine Checkliste vor, nach der man Unternehmen anhand einer Vielzahl von Kriterien, etwa dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, auswählen kann.

Das Buch für Börseneinsteiger entstand, nachdem sie ihren Job bei der DWS vor ein paar Jahren gekündigt hatte. Das "Finanzgenie" hatte einfach keine Lust mehr, Fonds zu managen. Heute ist sie die Deutschland-Chefin des Carbon Disclosure Project, kurz CDP. Die von Großinvestoren gegründete NGO forciert die Veröffentlichung von Emissionsdaten und Klimaschutzstrategien von Unternehmen. Die Angaben sollen Anleger unterstützen, ein nachhaltiges Investment zu finden. Seit 2013 listet die  Frankfurter Börse auf ihrer Homepage neben den üblichen Kennziffern und Charts auch die von CDP bereitgestellten Emissionsdaten der Unternehmen auf. Ein schöner Erfolg, findet Levermann. Maike Brzoska