1) Strafzinsen

"Sohe": Sollte ich meine Bank wechseln, wenn sie Negativzinsen verlangt - oder werden die anderen nachziehen?

Hermann-Josef Tenhagen: Mit Strafzinsen langen Banken ihren Kunden in die Tasche, nachdem sie selbst vorher versagt haben. Die Banken müssen solche Negativzinsen bei der EZB nämlich nur zahlen, weil sie keine Idee haben, wie sie das Geld der Sparer vernünftig anlegen. Strafzinsen sind also ein Weckruf: Wenn meine Bank einfallslos ist, sollte ich sie wechseln. Je mehr Kunden das tun, desto besser. Bestrafen Sie die Bank. Ein Prozent fürs Tagesgeld sind anderswo drin.


2) Anleihekäufe der EZB

"Henning W.": Was hat es für mich als Kleinaktionär zu bedeuten, wenn die EZB Anleihen von Unternehmen kauft, in die ich direkt oder über Fonds investiert bin?

Marc Schmidt: Der Aufkauf hilft den Unternehmen, weil sie sich nun günstiger refinanzieren können. Da die EZB aber in der Regel nur Anleihen mit hoher Bonität kauft, dürften Sie als Aktionär kaum positive Effekte spüren. Die bereits vorhandene sehr große Liquidität am Finanzmarkt treibt weiterhin die Anleger in Sachwerte wie Aktien. Daher ist die Aktienanlage aus langfristiger Sicht die einzig sinnvolle Anlageform für den persönlichen Vermögensaufbau, mit der auch die Folgen der Geldschwemme der Notenbanken umschifft werden kann.

3) Fondsverluste

"Boris": Ist es wirklich sinnvoll, in einen Fonds investiert zu bleiben, auch wenn der akut Verluste macht?

Philipp Haas: Ja. Kurzfristige Verluste muss man zum Vermögensaufbau aushalten können. Die Aktien, die Sie indirekt mit dem Fonds gekauft haben, sind außerdem nun günstiger geworden, das heißt, er kann günstiger nachkaufen. Viele Fonds sind allerdings teuer. Vergleichen Sie deswegen die Entwicklung über die letzten Jahre mit dem ähnlichsten Index, also zum Beispiel dem Dax. Wenn Sie dann immer noch unzufrieden sind: Überlegen Sie, mehr auf günstige Exchange Traded Funds, kurz ETFs, oder einzelne Aktien zu setzen.

4) Helikoptergeld

"Lichtgestalt": Im Moment diskutieren die Notenbanker über Helikoptergeld. Wie würde ich als Ottonormalverbraucher davon profitieren?

David Iselin: Als Konsument könnten Sie davon profitieren, wenn die Europäische Zentralbank Ihnen und allen anderen Geld überweist, ganz so, als würde sie es gleichmäßig vom Hubschrauber abwerfen (daher der Begriff). Dann nämlich, wenn Sie das Geld ausgeben und es nicht auf ihrem Konto belassen. Der gewünschte Erfolg von Helikoptergeld – Ankurbelung der Wirtschaft über den Konsum und Steigerung der Preise – hängt also vom (Konsum-)Verhalten der Konsumenten ab.

Ein Vorteil des Helikoptergelds im Euroraum läge darin, dass die EZB weniger auf die Unterschiede zwischen den Staaten achten müsste. Heute ist die Geldpolitik für die einen (Südländer) zu restriktiv, für die anderen (Deutschland) zu wenig restriktiv. Helikoptergeld könnte hier ausgleichend wirken. Allerdings ist Helikoptergeld nur für wirtschaftlich angespannte Zeiten gedacht, die normale Geldpolitik kann es nicht ersetzen. Und ganz abgesehen davon hat EZB derzeit vertraglich gar keine Möglichkeit, Geld "aus dem Helikopter zu werfen". Dazu bedürfte sie des Plazets der Euroländer.

5) Inflation

"Stedemokrat": In zehn Jahren gehe ich in Rente und möchte deswegen keine Verluste bei meiner Geldanlage machen. Was ist die beste Anlageform, um die Inflation zu neutralisieren?

Albert Warnecke: Ohne Zweifel Aktien und zwar als breit diversifizierter und kostengünstiger Index-Fonds. Verluste entstehen nur, wenn Sie verkaufen. Überlegen Sie sich das also auch in Krisen zwei Mal: Müssen Sie unbedingt verkaufen oder haben Sie noch andere Geldquellen? Wer partout keine Verluste riskieren will, hat extrem hohe Opportunitätskosten: Garantien in der Altersvorsorge können Sie einen sechsstelligen Eurobetrag kosten. Behalten Sie 20 oder mehr Prozent in Aktien-Fonds und zweigen Sie nur so viel Geld als Festgeldleiter ab, wie Sie zusätzlich zur Rente zum Leben benötigen. Die Aktien-Fonds sorgen dafür, dass das Geld langfristig wieder nachwächst. Mit Tages- und Festgeld schaffen Sie das nicht. Der Wunsch alles in Sicherheit zu bringen, wird Sie mit Sicherheit teuer zu stehen kommen.

6) Robo-Anleger

"123456789": Inwieweit sind Robo-Advisor – also digitale Anlageberater – eine gute Moeglichkeit, sein Geld einfach und kostengünstig anzulegen? Oder ist es noch zu früh, das zu sagen?


Kilian Thalhammer: Robo Advisor sind eine weitere Möglichkeit sein Geld anzulegen und sie helfen, neue Zielgruppen anzusprechen und die Anforderungen an Transparenz und Performance anderer Produkte zu erhöhen. Trotzdem sind sie für den einzelnen Anleger im Endeffekt aber nur nur eine Beimischung im Portfolio. Denn ob die neuen Robo-Angebote am Ende besser performen als ein analog strukturierter Fonds oder ein einfacher, ebenfalls günstiger Indexfonds, kann man noch nicht sagen. Meine Prognose wäre es, dass diese sich nicht viel nehmen werden.

Jochen Siegert: Sowohl die Vermögensberater der eigenen Bank, als auch Aktien- oder Rentenfonds und ihre Manager erwarten für ihre Tätigkeiten eine stattliche Provision. Diese geht mehr oder weniger transparent vom angelegten Kapital ab, ganz unabhängig von der Performance. Alleine schon deswegen sind Robo-Advisor ein sehr interessantes Modell für Kapitalanleger: Sie fokussieren auf börsengehandelte Indexfonds und legen Geld automatisiert an, weswegen signifikant weniger Vertriebs- und Managementgebühren anfallen.

Zudem können Robo-Advisor für unerfahrenen Kapitalanleger ein hilfreicher Filter sein: Die Anleger müssen sich eben nicht mit Fachbegriffen auseinandersetzen und sich nicht alle x Monate mit dem Thema Kapitalanlage beschäftigen – und ersparen sich Anrufe des freundlichen Vermögensberaters, der einen tollen Fonds oder ein Zertifikat anbietet, das er verkaufen soll, muss oder darf.

Performen Robo-Advisor aber besser als ein aktiv gemanagter Fonds in den diversen Auf- und Ab-Phasen der Börse? Das muss die Zukunft noch zeigen.

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