Wie schwer es ist, heutzutage noch Geld fürs Alter zurückzulegen, kann man sehr schlicht so zusammenfassen: Die Politik spielt den Sparern übel mit – in Form der Minizinsen, die ihnen die Notenbanken aufzwingen, und die die Anleger praktisch enteignen. Die Sparer aber legen ihr Geld nicht richtig an. Deshalb schwindet – nach Abzug der wieder steigenden Inflation – ihr reales Vermögen, statt zu wachsen. Was ist dran an den Vorwürfen?

Manche Ökonomen sagen, die Europäische Zentralbank (EZB) sei schuld an der Misere. Zum Beispiel der frühere ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Er wirft der Notenbank und ihrem Chef Mario Draghi vor, durch ihre Politik eine "heimliche Enteignung der Sparer" in Kauf zu nehmen. Zunächst durch die niedrigen Zinsen. Doch selbst wenn die irgendwann wieder steigen würden, werde die Geldpolitik der EZB unweigerlich die Inflation ankurbeln und so den Wert des Geldes vernichten.

Der Ökonom Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt: "Tatsächlich wirken die Niedrigzinsen wie eine Abgabe auf die Finanzvermögen der Mittelschicht – vom ersten Spargroschen an und nicht erst ab hohen Vermögen."

Das Tückische an den Minizinsen ist nämlich: Sie berauben die Sparer ausgerechnet jenes Effekts, der vor allem kleinen Anlegern früher half, auf lange Sicht ein Vermögen aufzubauen. Der Zinseszins funktioniert nicht mehr. Wie viel er ausmacht, überschlägt Hans-Werner Sinn so: Wer früher 30 Jahre lang sparte, der konnte sich am Ende über  einen Gesamtertrag freuen, der nur zu einem Drittel aus eingezahlten Beiträgen bestand – und zu zwei Dritteln aus Zinserträgen.

Der Zinseszins funktioniert nicht mehr

In Zeiten, in denen selbst langweilige Anlageformen wie Versicherungen oder Festgeldkonten sechs Prozent Zinsen brachten, funktionierte das. Wer Ende der siebziger Jahre begann, umgerechnet 100 Euro zurückzulegen, und das 30 Jahre lang durchhielt, hatte am Ende umgerechnet 97.950 Euro auf der Bank. Davon waren nur 36.000 Euro eigener Beitrag, den Rest brachten die Zinsen.

Zu derzeitigen Zinssätzen hingegen sieht es – selbst bei überoptimistischen Prognosen – so aus: Angenommen, der Sparer erzielt über 30 Jahre hinweg noch einen Zins von zwei Prozent, dann zahlt er ebenfalls 36.000 Euro ein, bekommt aber am Ende bloß 49.200 Euro heraus. Der Zinsertrag ist von knapp 62.000 Euro auf mickrige 13.000 Euro geschrumpft. Tatsächlich liegt der Zinssatz für sichere Anlagen heute weit darunter.

Das trifft viele Kleinanleger. Denn ihr großes Problem ist, sagt DIW-Ökonom Bach: "Gerade in Deutschland halten die Normalbürger ihr Vermögen zu einem großen Teil in Sparguthaben, Lebensversicherungen, betrieblicher Altersversorgung oder Riester-Verträgen. Diese Sparformen leben vor allem von Zinsen auf sichere Anlagen wie Staatsanleihen oder Pfandbriefe, die seit einigen Jahren allerdings nichts mehr abwerfen – erst recht nicht, wenn man die Inflation berücksichtigt."

Die Deutschen sparen also falsch. Finanzexperten sagen das seit Jahren.

Favorit Sparbuch bringt nichts ein

Tatsächlich besitzt etwa die Hälfte der Deutschen ein Sparbuch und zahlt regelmäßig Geld darauf ein, trotz der mickrigen Zinsen. Rund 40 Prozent lassen ihr Geld sogar auf dem Girokonto liegen, was in der Regel gar keine Zinsen abwirft. Fast jeder Dritte nutzt ein Tagesgeldkonto zur Geldanlage, mehr als jeder Dritte einen Bausparvertrag. Es sind die beliebtesten Anlageformen in diesem Land – und es sind diejenigen, die schon seit Jahren kaum noch Zinsen einbringen.

520 Milliarden Euro liegen auf Sparbüchern unnütz herum. Insgesamt zwei Billionen Euro in Form von Bankeinlagen werden bei Nullzinsen und aufkommender Inflation immer weniger. Dieses Geld könnte man tatsächlich besser einsetzen – vor allem wenn es um die eigene Altersvorsorge geht.