Sparen mit Riester hat ein riesiges Imageproblem: Bürokratisch, renditeschwach – die 2002 eingeführte staatliche Förderung privater Altersvorsorge hat nur wenige Fans. Manche Experten halten sie für gescheitert. Bayerns markiger Ministerpräsident Horst Seehofer von der CSU stellte im April 2016 anlässlich einer der zahllosen Debatten über die Rentenreform der großen Koalition kurz und knapp fest: Die Riester-Rente ist gescheitert. Doch so einfach ist es nicht. Gescheitert ist vor allem die Politik, die erst eine zu kompliziert geförderte Altersvorsorge baute, um Geld zu sparen, dann den Finanzvertrieben üppige Provisionen verschaffte und sich schließlich wunderte, dass das Volk nicht begeistert zugriff.

Dabei gibt es, aus der Sicht des Kunden betrachtet, durchaus gute Verträge – man muss nur genau hinschauen. Und lassen sich Kunden nach markigen Äußerungen wie der von Herrn Seehofer tatsächlich hinreißen, ihren Riester-Vertrag wieder zu kündigen, haben nur die Versicherer und Finanzvertriebe verdient, während die Kunden mögliche Renditen in den Schornstein schreiben. Riestern kann grundsätzlich jeder, der in die staatliche Rentenversicherung einzahlt. Angestellte sowieso, unter Umständen aber auch Selbständige oder Partner von Angestellten. Sie wenden einen Teil ihres Einkommens für den Riester-Vertrag auf, und der Staat beteiligt sich daran in Form von Zulagen und oft zusätzlich von Steuervergünstigungen. Die Riester-Rente gibt es in ganz verschiedenen Formen: als klassische Rentenversicherung, als Banksparplan, fondsgestützt oder als Wohn-Riester in Form eines Bausparvertrags.

Insgesamt haben die Deutschen rund 16,5 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen, die meisten davon als klassische Rentenversicherung. Den kleinsten Teil machen Riester-Banksparpläne aus, nur knapp 800.000 gibt es laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Dezember 2016. Dabei sind gerade diese Verträge attraktiv: Sie kosten wenig, auch ältere Sparer können noch einsteigen, und sie lassen sich flexibel einsetzen – etwa noch für den Hausbau. Allerdings verkaufen die großen Banken und Versicherungen lieber fondsgestützte Riester-Verträge oder Rentenversicherungen – dafür können sie ja auch viel höhere Provisionen kassieren. Die allermeisten Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben den Vertrieb von Riester-Bausparplänen zum Jahresbeginn 2017 eingestellt.

Beim Riestern mit Aktienfonds gibt es zwei Modelle. Es ist wichtig, sie zu unterscheiden, denn das eine lohnt sich, das andere nicht, obwohl sie ähnlich klingen. Zum einen gibt es die "fondsgebundene Riester-Rentenversicherung". Hierbei wird ein Teil der Monatsbeiträge in Aktienfonds gesteckt. Die Fonds können Sie selbst aussuchen. Allerdings sind die Verwaltungskosten bei dieser Variante hoch, die Rendite eher gering. Der Riester-Fondssparplan hingegen ist eine gute Anlagemöglichkeit, gerade dann, wenn Sie noch Jahrzehnte Zeit bis zur Rente haben. Auch beim Riester-Fondssparplan fließen Teile der Beiträge in Aktienfonds. Zwar müssen Sie sich bei der genauen Form der Anlage auf die Experten Ihres Riester-Anbieters verlassen. Dafür sind aber auch die Kosten der Verträge geringer. Ich sage es ganz bewusst noch einmal: Riestern kann sich durchaus lohnen. Grob gesagt nützen Geringverdienern vor allem die staatlichen Zulagen, Gutverdienern die steuerlichen Vorteile. Wie viel es wegen der staatlichen Förderung zu holen gibt, zeigen die folgenden Zahlen: Die jährliche Grundzulage beträgt pro Person 154 Euro pro Jahr, die Kinderzulage 185 Euro für bis Ende 2007 geborene und 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder. Eine Mutter, die für sich und ihre zwei Kinder die jährliche Zulage beantragt, kann also bis zu 754 Euro erhalten. Dazu muss sie 4 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens einzahlen. Die Zulagen kann sie aber von dieser Zahl wieder abziehen. Wie viel Sie auf Euro und Cent monatlich einzahlen müssen, um die volle Zulage zu erhalten, errechnet Ihnen jeder Anbieter von Riester-Verträgen. Er benötigt diese Angaben nämlich, um Ihnen ein Angebot zu machen.

Zu den Zulagen kommen übrigens noch Steuervorteile. Diese hängen aber von Ihrer persönlichen steuerlichen Situation ab. Auch hier gibt es wieder jemanden, der Ihnen diese Arbeit abnimmt – in diesem Fall das Finanzamt. Allerdings holt sich der Staat seine Förderung später zum Teil zurück, jedenfalls dann, wenn der Riester-Sparer kein armer Rentner wird. Denn Einkünfte aus der Riester-Rente werden im Alter voll besteuert. 

Der Text ist ein Auszug aus "Das Finanztip-Buch: Wie Sie mit wenig Aufwand viel Geld sparen" von Hermann-Josef Tenhagen, erschienen bei Ullstein. © Ullstein

Wer im Alter jenseits der Riester-Rente oder einer betrieblichen Altersvorsorge ganz wenig Einkünfte hat, hat bei seiner zusätzlichen privaten Altersvorsorge auch mit Zitronen gehandelt. Schließlich zahlt der Staat jedenfalls heute armen Senioren eine Grundsicherung, wenn das Geld nicht reicht. Hat der arme Senior eine Riester-Rente oder eine Betriebsrente, fällt diese Sozialleistung niedriger oder gar ganz aus. Nur, der Rentner selbst hat nach der aktuellen Gesetzgebung deswegen nicht mehr Geld in der Tasche. Wer also sehr wenig verdient und im Rentenalter absehbar in der Grundsicherung landet, für den lohnt sich riestern eher nicht. Weniger Geld für bessere Leistung ist nach so vielen Kapiteln ein schöner Erfolg. Jeweils ein paar Hundert Euro weniger für Energiekosten, preiswertere Versicherungen und den Verzicht auf Überflüssiges. Neue DSL- und Handyverträge, um endlos zu telefonieren und im Netz zu surfen und auch hierbei einige Hundert Euro gespart. Die einen brauchen diesen Erfolg dringend, um mit dem zur Verfügung stehenden Geld Monat für Monat über die Runden zu kommen und auch mal mit den Kindern ein Eis essen zu gehen. Die anderen haben am Dreißigsten regelmäßig mehr Geld übrig und fragen sich, wie sie damit ihre Pläne für Absicherung, Haus und Ruhestand am besten angehen. 

Eines gilt es auch in Zeiten von minimalen Zinsen und schlechter Presse für die Riester-Rente zu beachten: Die staatliche Rente wird nur für die Wenigsten ausreichen. Wichtig ist, überhaupt etwas für die private Altersvorsorge zu tun.