Bitcoin, Bitcoin, Bitcoin: Kryptowährungen interessierten anfangs nur eine kleine Zielgruppe, inzwischen sind sie zum Hype geworden und wecken auch bei Unternehmen Begehrlichkeiten. Eine Auswahl der neuen Geschäftszweige:

1. Namen ändern und abkassieren

Bitcoin und Blockchain liegen im Trend, doch was, wenn das eigene Unternehmen gar nichts damit zu tun hat? Wenn es nicht einmal etwas mit Computertechnik zu tun hat, sondern E-Zigaretten oder Eistee herstellt? Genau, man kündigt einfach künftige Projekte in dem Bereich an und benennt sich um.

Genau so hat es die Long Blockchain Corporation gemacht. Sie hieß vorher Long Island Iced Tea und produzierte, wie der Name schon sagt, jahrelang Eistee auf Long Island, New York. Im Dezember 2017 verkündete das US-Unternehmen dann die Namensänderung. Was an sich schon verrückt ist, wird nur noch von der Aktienentwicklung getoppt: Weil Aktionäre und Investoren zurzeit in alles investieren, was nur entfernt mit Bitcoin oder Blockchain zu tun hat, stieg der Aktienkurs um 500 Prozent. Dabei ist nicht einmal klar, wie die Pläne der Long Blockchain Corporation aussehen. Noch gibt es keine Verträge mit Firmen, die in dem Bereich spezialisiert sind. Das Unternehmen teilte noch am selben Tag mit: "Es gibt keine Garantie dafür, dass definitive Vereinbarungen mit solchen oder anderen Körperschaften geschlossen werden." Bis auf Weiteres werde man weiterhin Eistee verkaufen.

Die Long Blockchain Company ist nicht die einzige Firma, die auf den Hype reagiert. Nur ein paar Beispiele: SkyPeople Fruit Juice verkauft abgepackte Nahrungsmittel. Das klingt nicht spannend genug, dachte sich offenbar die Geschäftsführung, änderte den Namen kurzerhand in Future Fintech Inc. und suggeriert damit, das Unternehmen habe etwas mit Finanztechnologie zu tun. Das brachte eine Kursveränderung von plus 53 Prozent. Trotz des neuen Namens wolle man aber weiterhin Nahrungsmittel abpacken und verkaufen.

Andere Industrie, ähnliches Muster: Der Zigarrenhersteller Rich Cigars heißt künftig Intercontinental Technology. Die Firma will tatsächlich Kryptowährungen schürfen, Expertise habe man aber noch keine. Immerhin kletterte der Aktienkurs um mehr als 160 Prozent nach oben.

2. Finanzprodukte: Aktien, Anleihen, Bitcoin?

Die Kryptowährung Bitcoin hat einen solchen Hype ausgelöst, dass auch die Finanzwelt in großem Stil einsteigen will. Das war lange Zeit schwierig, da Banken und Investoren starken Regulierungen unterliegen. Bitcoin hingegen ist fast gänzlich unreguliert. Mithilfe neuer Finanzprodukte rund um die Kryptowährung dürfen nun auch Geldhäuser, Finanzfirmen und Vermögensverwalter in großem Stil mitmischen.

Zum gewöhnlichen Finanzprodukt wurde Bitcoin durch die Chicago Mercantile Exchange (CME), einer renommierten Terminbörse. Dort können Anleger seit Ende Dezember mit Terminkontrakten auf die Wertentwicklung von Produkten setzen, also auf fallende oder steigende Kurse wetten. Ein Investor setzt beispielsweise darauf, dass an Tag X der Kurs für einen Bitcoin bei 20.000 Euro liegt. An diesem Tag muss er den Bitcoin auch zum genannten Preis kaufen. Liegt der tatsächliche Preis höher, gewinnt er. Ist er hingegen niedriger, zahlt er drauf. Bis zum Tag X kann er seine Kaufoption aber auch wie eine Aktie an der Börse handeln. Klingt chaotisch, stabilisiert den Handel für ein Produkt aber normalerweise. Hersteller können sich nämlich sicher sein, dass sie an Tag X mindestens 20.000 Euro für einen Bitcoin bekommen.

Doch der Bitcoin wäre nicht der Bitcoin, wenn er keine Ausnahme für diese Regel wäre. Bereits in den ersten Tagen musste der Handel mit Terminkontrakten auf Bitcoins mehrmals ausgesetzt werden. Der Grund: Die Preise schwankten zu stark. Seit Anfang des Jahres läuft der Handel unproblematisch.

2018 will auch die Technologiebörse Nasdaq Termingeschäfte auf Bitcoin einführen. Die Deutsche Börse verkündete, zumindest darüber nachzudenken. Bis es soweit ist, werde es aber noch einige Monate dauern, heißt es von offizieller Seite.

Neben den Terminkontrakten plant die Finanzwelt weitere Produkte mit der Kryptowährung. Die Winklevoss-Zwillinge, bekannt durch ihre Streitereien mit Mark Zuckerberg darüber, wer nun wirklich die Idee für Facebook hatte, versuchen bereits seit Monaten einen Bitcoin-ETF zu etablieren. Bisher scheiterten sie aber an der US-Börsenaufsicht. Ein ETF, also ein Exchange Traded Funds, ist ein börsengehandelter Indexfonds. Er zeichnet die Kursentwicklung einer Währung, eines Aktienindex wie etwa den Dax oder eben den Bitcoin nach. Anleger könnten somit auf Bitcoin wetten, ohne sie kaufen zu müssen.

Südkorea - Bitcoin-Handel soll verboten werden Das südkoreanische Justizministerium bereitet ein Handelsverbot für Kryptowährungen vor. Gegen mehrere Krypto-Plattformbetreiber werde wegen krimineller Aktivitäten ermittelt. © Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Berater wollen nicht kaufen, aber an Bitcoin verdienen

3. Berater und Banken wollen mitmischen

Wann immer irgendwo ein neues Geschäftsfeld auftaucht, gibt es kurz darauf auch Berater und Experten: Sie wollen sich selbst nicht ins Risiko stürzen und etwa in Bitcoin investieren. Stattdessen verdienen sie ihr Geld damit, Firmen zu beraten, wie sie Bitcoin oder auch die zugrunde liegende Blockchain nutzen könnten. Es gibt zahlreiche Unternehmensberatungen, die sich auf Blockchain fokussiert haben. Dazu zählen etwa Nakamo.to oder Bergmann & Kopp, die teils Dutzende Mitarbeiter beschäftigen. Der Bundesverband der deutschen Unternehmensberatungen rechnet damit, dass die Zahl der Aufträge rund um Blockchain und Bitcoin weiter wachsen wird. Auch im vergangenen Jahr sei das schon zu sehen gewesen. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, da der Bundesverband neue Zahlen erst Ende Februar veröffentlicht.

Auch die Banken sind hellhörig geworden. Allerdings geht es den meisten darum, Bitcoin als "gefährlich" oder "unsicher" abzustempeln. Lediglich einige US-amerikanische Geldhäuser haben echte Ambitionen, in die Kryptowährungen zu investieren. So sagte Lloyd Blankfein, Chef der Investmentbank Goldman Sachs, dass er über den Handel mit der Kryptowährung immerhin nachdenke. Wichtiger für die heimischen Geldhäuser ist die Blockchain. Damit wollen die Banken Geschäfte vereinfachen, Prozesse optimieren und so vom Hype profitieren. Ein erstes Projekt haben sieben Großbanken, darunter die Deutsche Bank, aufgesetzt. Sie wollen über die Blockchain Handelsfinanzierungen über viele verschiedene Länder abwickeln.

4. Staaten: Was die können, können wir schon lange

Obwohl alle Länder natürlich eine Währung haben, überlegen einige, sich noch eine zweite, digitale Kryptowährung zuzulegen, darunter Venezuela. Das Land hatte sich bisher weder in der Digitalisierung noch bei Blockchain oder Bitcoin sonderlich hervorgetan. Aber die landeseigene Währung liegt am Boden, die Inflation steigt seit Monaten ins Unermessliche und lag zuletzt bei 650 Prozent. Warum also nicht auf den Zug aufspringen und eine eigene Kryptowährung gründen? Eben. Und so stellte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro vor wenigen Tagen den Petro (kurz für: Erdöl) vor, die landeseigene Digitalwährung. Sie ist an den Ölpreis gekoppelt und soll gleich zwei Probleme lösen: Zum einen will Maduro mit ihrer Hilfe die US-Sanktionen umgehen. Zum anderen will er vom Boom der Währung profitieren und so die Schulden des Landes abbezahlen. Allein im vergangenen Jahr stieg der Bitcoin um zeitweise mehr als 1.500 Prozent. Eine Entwicklung, die sich Maduro auch für den Petro wünscht.

Der Unterschied zu Bitcoin: Die staatlichen Digitalwährungen sind alle zentral gesteuert. Sie unterscheiden sich also nicht wirklich von einer analogen Währung – außer, dass sie über das Blockchain-Verfahren laufen. Das untergräbt die Ursprungsidee des Bitcoin, der eine Währung ohne staatliche Regulierung und Banken sein sollte.

5. Initial Coin Offering (ICO): Nehmt mein Geld!

Einige nennen es den größten Betrug aller Zeiten, die anderen sehen sie als Revolution des Finanzmarktes: Initial Coin Offerings, kurz ICO. Sie sind das Kryptopendant zu einem Börsengang (im Englischen: Initial Public Offering (IPO)). Bei diesen rein virtuellen Börsengängen gibt es keine Aktien. Stattdessen geben die Firmen Gutscheine, Anteile oder eine Option auf Zugang zu ihrem künftigen Service aus. Diese werden "Token" genannt. Anders als bei einem Börsengang gibt es zudem keinen Prospekt. Alles, was Investoren bekommen, ist ein "White Paper", das das künftige Geschäftsmodell beschreiben soll. Oft existiert dieses zum Zeitpunkt des ICO noch gar nicht. Der Kauf eines Token ist somit nur eine hochspekulative Wette, an der vor allem die Unternehmen verdienen. Der Branchenseite Coinschedule.com zufolge gab es 2017 insgesamt 235 Krypto-Börsengänge, weitere sind geplant. Die Marktkapitalisierung stieg auf über 3,7 Milliarden US-Dollar.

Wie absurd der Hype um die Kryptobörsengänge ist, hat eine Firma bereits vor einigen Monaten demonstriert. Die Firma Useless Ethereum Toke" (zu Deutsch: nutzloser Ethereum Token) hat mehr als 70.000 US-Dollar eingesammelt. Was die Investoren dafür bekommen haben? Absolut nutzlose Anteile an der Firma. Von Betrug kann aber keine Rede sein. Die Firma hatte zuvor offen kommuniziert, dass die Anteile nutzlos sein werden. Aber in ihrer Manie sahen die Investoren offenbar nur die Worte "Ethereum" und "Token" und steckten ihr Geld in die wertlosen Tokens.