Glossar Thema: Führung
Das etwas andere Wirtschaftslexikon von Brandeins. Einmal im Monat mit thematischem Bezug zum Heft-Schwerpunkt.
Auswahl
Die wichtigste und schwierigste Aufgabe der Führungskraft. Verlangt
ein Gefühl für Menschen und die Bereitschaft, sich darauf zu verlassen. Weil das
selten ist, gibt es eine Unzahl von Hilfsmitteln: Assessment-Center, Audits,
Astrologie, Biografie-Forschung, Grafologie
Das Risiko bleibt: Eine
Erfolgsquote von 50:50 wird von lebenserfahrenen Personalchefs bestätigt. Was
tun? Gelassen bleiben. Und schnelle Konsequenzen ziehen, wenn die Auswahl falsch
war.
Beteiligungsmodelle
Die Mitarbeiter am Kapital zu beteiligen war in den
sechziger Jahren der Gassenhauer der Gewerkschaften ohne großen Erfolg.
Gleichzeitig haben vor allem Mittelständler mit einer bedachten Beteiligung
ihrer Mitarbeiter gute Erfahrungen gemacht. Dann kam die New Economy, die den
einstigen Gewerkschaftertraum in eine Finanzierungsvoraussetzung verwandelte:
Wer Geld wollte, musste engagierte Mitarbeiter vorweisen und das ging am
leichtesten durch die Ausweisung von Aktienoptionen. Was daraus wurde, ist
bekannt. Wer den kurzen Traum vom Millionenvermögen in Angestelltenhand
miterlebt hat, wird beim nächsten Mal auf so etwas Reelles wie ordentliche
Gehälter und eine Gewinnbeteiligung setzen.
Dienstwagen
Immer noch eine Steuer sparende Möglichkeit, dem Angestellten Freude
zu bereiten. Schwierig wird es, wenn der Dienstwagen im vermeintlich
hierarchiefreien Unternehmen Hierarchie definiert. Noch schwieriger, wenn die
Geschäftsleitung ihr Sparprogramm bei diesen so genannten Incentives ansetzt:
Nichts stört den Betriebsfrieden mehr als der Entzug von Dienstwagen,
kostenlosem Mittagstisch oder der Umzug in kleinere Büros. Es sei denn, die
Leute wissen, warum.
Empowerment
Eine von unzähligen Personalmoden aus den achtziger und neunziger
Jahren. Die Idee war: die Mitarbeiter zu ermutigen, stark zu machen zum
Beispiel für eine selbstständige Existenz. Unternehmer im Unternehmen sollten
sie werden, sich selbst organisieren allerdings immer nur in dem vom
Unternehmen gesetzten Rahmen. Sehr erfolgreich war es somit nicht.
Feedback
Ein Hit aus den Neunzigern: Die Führungskraft sollte endlich erfahren,
was die Geführten von ihr denken. Voraus ging die Einführung des
Mitarbeitergesprächs: gleiches System, nur umgekehrt. Die Mitarbeitergespräche
versickerten in den meisten Unternehmen, weil die direkte Konfrontation 1.
anstrengend, 2. zeitaufwändig und 3. emotional ist. Das Vorgesetzten-Feedback
setzt deshalb auf Automation: Auf Computerlisten werden die Noten für den Chef
vergeben, in aller Regel anonym. Die Weiterentwicklung dieser Idee war das 360-
Grad-Feedback: Nicht nur der Geführte alle, die in Kontakt mit dem Mitarbeiter
oder Manager sind, geben Feedback: Lieferanten, Kunden, Zulieferer, andere
Abteilungen aus dem Haus. Heraus kommen Noten, mit denen sich bis auf die dritte
Stelle nach dem Komma Abteilungen vergleichen und eventuell Verbesserungen
entwickeln lassen. Gute Mittelständler lösen Letzteres mit einer qualifiziert
besetzten Beschwerde-Abteilung.
Gehalt
Nicht nur für Gewerkschafter und Topmanager ein existenzielles Thema.
Dabei ist ab einer gewissen Gehaltsklasse nicht mehr wichtig, was einer
verdient. Die entscheidende Frage ist: Verdient er mehr als der andere? Darin
liegt eine gewaltige Dynamik, wie wir gerade bei der Entwicklung der
Vorstandsgehälter beobachten dürfen. Um solchen Exzessen im eigenen Unternehmen
vorzubeugen, bevorzugen Vorstände bei den anderen gern den skalierbaren
Leistungslohn: kleines Grundgehalt, hoher variabler Anteil, klare
Zielvereinbarungen, mit klarer Kopplung ans Gehalt dann gibt der Angestellte,
was er kann. Schwierig wird das System, weil es immer neue Debatten nach sich
zieht: Was ist ein quantifizierbares Ziel? Kann der danach Entlohnte es wirklich
beeinflussen? Und was, wenn der Leistungsentlohnte alles tut aber das
Management mit Fehlentscheidungen dagegen wirkt? So bleibt das Problem der
gerechten Entlohnung ein Dauerbrenner im Personalmanagement. Die zurzeit
wichtigste Frage allerdings wird selten gestellt: Warum muss das Gehalt immer
nach oben gehen mit der Folge, dass ältere Arbeitnehmer allein schon aus
Kostengründen in den Vorruhestand geschoben werden? Was wäre, wenn die
Gehaltsentwicklung der Gaußschen Normalverteilung folgte, mit dem Zenith
zwischen 30 und 50 Jahren?
Karriereplanung
Dass sich Karriere planen lässt, gehört zu den
Grundüberzeugungen der Personalarbeit. Woraus mit schönem Automatismus folgt,
dass die Zahl der entsprechenden Instrumente und die Literatur dazu ins
Unermessliche reicht. Ein Merksatz für alle, die sich die Lektüre sparen wollen:
Karriere ist, wenn man einen Ort erreicht, an dem man gut sein kann, immer
wieder. Ob sich das planen lässt?
Quoten
Alles begann mit den Frauen, dann kamen die Minderheiten, heute läuft der
Versuch, im Unternehmen nicht nur Menschen einer Sorte zu beschäftigen, unter
dem Schlagwort: Diversity. Nach aller Erfahrung tut sie Unternehmen gut.
Allerdings ist es eher kontraproduktiv, diese mit Quoten zu ihrem Glück zu
zwingen.
Verträge
Der Traum des aufgeklärten Unternehmers: Im Unternehmen arbeiten
selbstständige Menschen, die keine Arbeitsverträge schließen sondern Verträge
unter Gleichen, auf Augenhöhe. Eine schöne Utopie.
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- Datum
- Quelle © DIE ZEIT 23/2003
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