KoalitionsbilanzArbeitgeberpräsident rechnet mit Merkel ab

Falsche Versprechen, hohe Kosten: In einem Rundumschlag wirft Dieter Hundt der Regierung "Mainstream"-Politik vor. Rot-Grün ist für ihn aber auch keine Alternative.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat sich über die Politik der Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) enttäuscht geäußert. Die Koalition sei mit dem Versprechen angetreten, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern, sagte Hundt der Welt.

Nun rede sie aber über Themen wie Mindestlohn und neue Sozialleistungen. "Das mag dem derzeitigen Mainstream der Bevölkerung entsprechen", sagte Hundt. "Aus Sicht der Wirtschaft ist es falsch."

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Hundt forderte von Union und FDP nachhaltiges Kostenbewusstsein. Zudem müssten sie die Stromsteuer sofort senken und das Erneuerbare-Energien-Gesetz anpassen. Anderenfalls seien Tausende Arbeitsplätze in Gefahr.

"Erbschaftssteuer gefährdet Generationswechsel"

Ein Regierungswechsel zu Rot-Grün nach der Bundestagswahl im Herbst wäre für den Arbeitgeberpräsidenten aber keine Alternative: Auch die Steuerpläne von SPD und Grünen kritisierte er als "Belastung der Wirtschaft in einer Größenordnung, wie wir sie in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht hatten". Eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer hätte "erheblich negative Auswirkungen auf die Investitionsfähigkeit mittelständischer Unternehmen", sagte er.

Auch für andere von SPD und Grünen angedeutete Maßnahmen hat er nichts übrig. Neue Lasten durch eine Erbschaftssteuer würden den Generationswechsel in Familienunternehmen gefährden, "die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden". Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent würde die Investitionsfähigkeit vieler Familienunternehmen schwächen – "mit enorm negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt", sagte Hundt.

Leserkommentare
  1. Da kann Herr Hundt ja selbst anfangen und sich von 50 % seines Einkommens verzichten - oder nicht?

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    Ganz falsch verstanden: Sie und ich sollen auf mindestens 50% verzichten, damit sein Gehalt noch etwas wachsen kann!

    Seiner Meinung nach plündern die unverschämten Arbeitnehmer und - in seinen Augen - Sozialschmarotzer die Kassen und klauen ihm Gewinn.

    Die überproportional gestiegenen Manager- und sonstigen Höchstverdienergehälter, die Geldzockereien der Finanzmärkte haben mit der Finanzmisere dagegen absolut nichts zu tun!

    Es kann einem hundteelend werden.

    • hairy
    • 29. März 2013 11:58 Uhr

    Druck machen, dass die Steuerschleusmodelle via Irland, Luxemburg etc. zerstört werden, durch die uns jährlich Milliarden Steuerausfälle entstehen - und die außerdem nur Wettbewerbsvorteile für die Schleuser (so Amazon, Paypal, Microsoft, Apple, Facebook, Google) bringen.

  2. Wo kommen wir denn hin, wenn sich unsere demokratisch gewählten Parteien nach sowas richten würden.

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    • shtok
    • 29. März 2013 11:30 Uhr

    zu ihrem Kommentar Anne Will vom 20. März glaube ich, kriege hier leider nur die Mediathek, gibt es aber auch hier . http://www.youtube.com/wa...
    Einfach mal auf die Reaktion der Anwesenden auf die Aussage Luckes, dass zumindestens in Zypern die Politker noch dem Bürger verpflichtet sind, so 21:30 Minuten und auf den Will EInwurf auch in Deutschland die Anwesenden (Trittin, Stoiber etc.) nur lachen müssen, achten.

    Auch wenn es wahrscheinlich unbewusst passiert ist, hat Herr Lucke die deutsche Politik öffentlich entlarvt.

    • Chali
    • 29. März 2013 12:12 Uhr

    Noch nicht.

    Da müssen noch viele Krisen her!

    dann läuft was falsch im Staate Dänemark.

    In Deutschland zieht Neid und Hass auf die bösen Reichen eben immer.
    Das ist kleinbürgerlich-großbürgerlich-gutbürgerlicher Antikapitalismus mit Hass aufs Zinssystem. brachte uns schonmal kein Glück.
    Wenn dann noch gewisse Parteien aufspringen und den Staat im Sinne der "guten Sache" aufdunsen , um ihrer Klientel zu bedienen, ist das einfach nur peinlich

    dann läuft was falsch im Staate Dänemark.

    In Deutschland zieht Neid und Hass auf die bösen Reichen eben immer.
    Das ist kleinbürgerlich-großbürgerlich-gutbürgerlicher Antikapitalismus mit Hass aufs Zinssystem. brachte uns schonmal kein Glück.
    Wenn dann noch gewisse Parteien aufspringen und den Staat im Sinne der "guten Sache" aufdunsen , um ihrer Klientel zu bedienen, ist das einfach nur peinlich

    der Patriarch hats genau getroffen.

    ist ja super, das der Hund(t) sogar zugibt, für wen er Politik gemacht sehen will: für die Wirtschaft, nicht für die Bürger.

    • Adur
    • 29. März 2013 10:44 Uhr

    Ich frage mich, für wie blöd Herr Hundt uns eigentlich hält? Unabhängig von der Höhe des Spitzensteuersatzes sind Investitionen wohl im Normalfall von der Steuer absetzbar, mindern also vorab die zu versteuernden Beträge. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes würde also nicht das Geld belasten, was in der Firma investiert wird, sondern lediglich das Geld, das sich der jeweilige Unternehmer quasi hinterher trotzdem noch genehmigt.
    Und das ist in Deutschland in der Regel immer noch so reichlich, dass die Betreffenden gut und gerne auf einen kleinen Teil davon verzichten könnten.
    Man kann ihm ja nicht vorwerfen, dass er Politik für seine Klientel macht und da gerne auch weiterhin die fetten Sparbücher sichern will, aber dann bitteschön nicht mit so dermaßen dämlichen Argumenten.

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    Kostenvergleiche. Steuern sind Kosten und nichts anderes. Wer einen Staatsquote von mehr als 50 % hin mimt gefährdet natürlich den Wirtschaftsstandort und seinen Arbeitsplatz.
    Um es nochmals deutlich zu sagen: Kosten entscheiden über einen Wirtschaftsstandort, nie Gewinne!

    Kommentar 3: "Unabhängig von der Höhe des Spitzensteuersatzes sind Investitionen wohl im Normalfall von der Steuer absetzbar, mindern also vorab die zu versteuernden Beträge."

    Dies ist schlichtweg falsch. Investitionen kann man "im Normalfall" eben nicht von der Steuer abziehen. Eine steuerpolitische Diskussion auf der Grundlage einer solchen Unwissenheit wird nur Geschrei produzieren, besonders wenn sie mit Meinungsstärke gepaart ist.

    Ich weiß nicht, ob dies ein Problem eines einzelnen ist, der sich lieber informieren sollte, bevor er an einer steuerpolitischen Debatte teilnimmt, oder ob die Grundkenntnisse insgesamt so gering sind, dass eine öffentliche Diskussion über Besteuerung völlig sinnlos wird.

    Wenn in Deutschland alles so schlecht für die armen Unternehmer ist, kann Herr Hundt die Produktion seines Unternehmens (so wie Nokia) gerne nach Rumänien verlagern !!

    In keinem anderen Land Westeuropas gab es für Unternehmer in den letzten Jahren so paradiesische Zustände mit Dumpinglöhnen und Niedrigsteuern wie in Deutschland. Doch das ist nicht genug.... Der Mainstream soll weiter arbeiten, die Klappe halten und Gewinne erwirtschaften, die dann mit Lehmann Zertifikaten, spanischen Luxusimmobilien usw. verzockt werden können....

    insbesondere den Hinweis auf die steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen finde ich wichtig; er ist ein Gegenargument zu der alten Leier der gefährdeten Arbeitsplätze.

    Nur: wie schauen die Regelungen im Detail aus? Würden die Wähler eh nicht verstehen, nur die Polit-Elite versteht alles, oder wie ?

    Eines unserer Hauptprobleme sehe ich darin, dass wir Bürger - der Souverän, dem die Politik Rechenschaft schuldet - uns über das Belogen-werden hinwegtäuschen lassen mit Beschönigungen wie "mangelnde Transparenz" (die allerdings anderswo zitiert wird, nicht in diesem Artikel hier).

  3. ......neigt man dazu, alles andere auf dieser Welt als Nagel zu betrachten.

    Wenn Herr Hundt mit Nichts und Niemand zufrieden ist, dann sollte er zunächst mal prüfen, ob das nicht an ihm liegt.

    Die Wirtschaft sahnt ab wie nie zuvor, die Unternehmensgewinne sprudeln selbst in der "Krise" pausenlos und Herrn Hundt fällt nichts besseres ein, als das übliche Gejammer anzustimmen.
    "Dieses Jahr ist schlechter als das vorherige - aber auch irgendwie besser, als das nächste......."

    Ich kann den Blödsinn nicht mehr hören.

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    Ich kann diesen plumpen Mainstream-Blödsinn auch nicht mehr hören: Wer ist denn "die Wirtschaft" - das große einzige Böse dieser Welt, dass immer von den Guten besiegt werden muss?

    Sind wir denn komplett unfähig, nur mal wenigstens andeutungsweise differenzierter zu denken?

  4. Wenn Hundt Merkel kritisiert, stellt das Merkel aus Sicht von Otto-Normal-Arbeitnehmer in positives Licht. Das kann sie im Wahljahr gut brauchen.
    Ich werde die UUUU (unchristlich-undemokratisch/unsoziale Union) trotzdem nicht wählen.

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    Genau das habe ich bei dieser Überschrift auch gedacht.
    Mal sehen was sich die "Redaktöre" als nächstes einfallen
    lassen. ;-)

    mfg h.bremer

  5. Ignoranz, Arroganz, oder einfach nur Dummheit?

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    • hairy
    • 29. März 2013 10:55 Uhr

    aber gänzlich im Dienste der Interessen seiner Großverdienerklientel. Glaubt man Hundt, ist Merkel fast ein Lafontaine.

  6. Gekläffe, aus der immer gleichen Ecke.
    Ja wo kommen wir denn auch hin, wenn Politik zum Nutzen der Mehrhaut der Menschen gemacht würde?
    Wenn endlich das ungleiche Verteilen zu Gunsten der Kapitalseite auch nur abgemildert werden würde?
    Wenn endlich die unselige, auch die demokratischen Strukturen gefährdende, Vermögens- und Machtkonzentration etwas beschnitten würde?

    Wir würden in einen anderen Deutschland leben, soviel ist klar.

    Man kann sicher verneinen das es Herrn Hund gefallen würde.
    Schlechter ginge es ihn sicherlich nicht.
    Völlig ausgeschlossen.

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  7. Tja, Herr Hundt:

    Die Welt dreht sich NICHT nur um Sie, die Wirtschaft und Gewinnmaximierung.

    Dann haben Unternehmen eben mal nicht 10 Millionen Euro Gewinn pro Quartal, sondern ,,nur" 7 Millionen.

    Sie beschweren sich darüber, dass Mindestlohn und vernünftige Arbeitsbedingungen ,,gesellschaftlicher Mainstream, aber wirtschaftlich falsch" sind?

    Tja, vielleicht hat ein immer größerer Teil der Bevölkerung es satt, sich dadurch veralbern zu lassen, dass man ihm Nullrunden, Gehaltssenkungen, Zeitverträge usw. aufbürdet, immer unter dem Deckmantel, es ginge um die Sicherung von Arbeitsplätzen und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.

    Seien wir doch ehrlich: Der einzige Grund ist die Gier nach immer mehr und mehr Gewinn in immer kürzerer Zeit.
    Und ab einem bestimmten Punkt kann man nur noch dann mehr Gewinn rauspressen aus Unternehmen und Geschäften, indem man Gehälter senkt und Menschen rauswirft oder die Bedingungen der Arbeit immer weiter herabsetzt.

    Das möchten sich immer weniger Menschen gefallen lassen.

    Die alte Drohung ,,das vernichtet Arbeitsplätze" zieht nicht mehr so gut, wenn man die Menschen ohnehin rauswirft und Arbeitsplätze abbaut.

    Wie wäre es mal mit einer anderen Erkenntnis: Arbeitsplatzabbau vernichtet Kaufkraft - und mindert letztlich den Gewinn der Unternehmen.

    Mindestlohn und vernünftige Arbeitsbedingungen sind absolut richtig.

    Von ehrlicher und anständiger Arbeit muss man auch gesund leben und an der Gesellschaft teilnehmen können!

    48 Leserempfehlungen
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    dieser Kommentar, der 8.) enthält alles was es braucht so das ich dem nichts mehr hinzu fügen kann

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, jt
  • Schlagworte Dieter Hundt | CDU | FDP | Grüne | SPD | Angela Merkel
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