Die angeschlagene HSH Nordbank hat vor dem Untersuchungsausschuss des Landtages in Kiel deutliche Schwächen im Risikomanagement eingestanden. "Fehlentwicklungen des Marktes hätten teilweise früher erkannt werden sollen", sagte Chefjustiziar Wolfgang Gößmann am Montag. Deshalb sei nicht zum frühestmöglichen Zeitpunkt gegengesteuert worden. "Im Nachhinein sind vor allem Schwächen in der Geschäftsorganisation, dem Risikomanagement sowie in der Rechnungslegung dafür verantwortlich zu machen."

Weiter führte der Jurist aus: Die Geschäftsorganisation sei "stark marktorientiert" aufgestellt gewesen. Der Komplexität vieler Geschäfte und dem hohen Grad an Unabhängigkeit der Marktbereiche habe keine optimale organisatorische, personelle und technische Ausstattung gegenübergestanden. "Damit war das Risikobewusstsein in wesentlichen Prozessen aus heutiger Sicht zum Teil zu wenig ausgeprägt." Allerdings hätten sich sich aber auch die Rahmenbedingungen in einer so nicht vorhersehbaren Weise verändert.

Trotzdem fiel Gößmanns Bilanz verheerend aus: "Die HSH Nordbank hat die Finanz- und Wirtschaftskrise organisatorisch und prozessual nicht ausreichend bewältigen können". 

"Wir waren alle mehr oder minder besoffen von der Idee, dass die HSH Nordbank als Global Player immer satte Gewinne einfährt."
Heide Simonis, ehemalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein

Zur Schieflage der Bank trug in beträchtlichem Umfang das sogenannte Kreditersatzgeschäft bei, auf das seit 2007 Wertberichtigungen in Höhe von 3,1 Milliarden Euro vorgenommen werden mussten. In die sogenannten Credit Investments hatten schon beide Vorgängerinstitute erheblich investiert, wie Gößmann ausführte. Auf 26 Milliarden Euro belief sich dieses Portfolio 2003. Es sollte dazu dienen, das "Risiko-Ertrags-Profil" zu verbessern.

Mit der Finanzmarktkrise wurde dann aus dem laut Gößmann bis 2006 "risikoarmen und stabilen Ertragsbringer" eine schwere Belastung. Angesichts der unterdurchschnittlichen Kapitalisierung der Bank sei das Portfolio zu groß gewesen und habe im Rückblick in Teilen ein "zu hohes Risikoprofil" gehabt. Auf gravierende Veränderungen der Rahmenbedingungen für das Kreditersatzgeschäft habe die Bank aus heutiger Sicht "sicherlich nicht früh genug reagiert", sagte der HSH-Chefjustiziar.

Wesentliche Veränderungen am Risikomanagement habe die Bank 2007 vorgenommen, erläuterte Gößmann. Schon vorher seien Organisation und Methoden laufend verbessert worden. Weiteren umfassenden Korrekturbedarf ermittelte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bei der Analyse des Jahresabschlusses 2008: 328 Einzelpunkte monierte KPMG. Der Vorstand gehe davon aus, dass der weit überwiegende Teil davon bis Jahresende bereinigt sein werde, sagte Gößmann.

Das 2003 aus den Landesbanken Schleswig-Holsteins und Hamburgs hervorgegangene Institut wurde nur mit Milliardenhilfen beider Länder gerettet. Das Geschäftsjahr 2008 schloss die Bank mit einem Fehlbetrag von 2,8 Milliarden Euro ab.

Der Chefjustiziar äußerte sich vor dem Ausschuss für die Bank als Institution. Sie wurde in dem Untersuchungsverfahren als sogenannte Betroffene eingestuft. Wer diesen Status hat, darf vor dem Gremium eine zusammenhängende Sachdarstellung geben, noch bevor Zeugen oder Sachverständige gehört werden. Fragen beantwortete Gößmann nach seinem Bericht nicht.