Milch-Proteste Eine Tonne toter Fische im Klosterteich

Der Protest von Milchbauern in Eisleben hat ein juristisches Nachspiel: Die ausgeschüttete Milch gelangte in einen Klosterteich, wertvolle Goldfische und Kois der Nonnen verendeten.

Fischsterben durch Milchprotest: Aus dem Teich vom Kloster Helfta in Eisleben wurden eine Tonne Fische tot geborgen

Fischsterben durch Milchprotest: Aus dem Teich vom Kloster Helfta in Eisleben wurden eine Tonne Fische tot geborgen

Am vergangenen Freitag tagten die Agrarminister aus Bund und Ländern in Eisleben – und wurden konfrontiert mit dem Protest von Milchbauern. Aus Wut über die niedrigen Milchpreise hatten Landwirte mehrere Zehntausend Liter Milch aus Güllefahrzeugen vor das Kloster Helfta – dem Tagungsort der Agrarministerkonferenz – gekippt. Die Milch gelangte über die Kanalisation in den Teich der Anlage und tötete mehrere Tausend Fische.

Wie ein Polizeisprecher in Eisleben mitteilte, wurden seit Samstag rund 1,5 Tonnen Fisch geborgen, eine Tonne davon waren Fischkadaver. Nun ermittle man wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung.

Anzeige

In dem Teich lebten Goldfische und auch Kois, die als besonders wertvolle Fische gelten. Allein der Tod der Goldfische verursachte nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Halle einen Schaden von rund 10.000 Euro. Wer für diesen Schaden und die Kosten des Feuerwehreinsatzes aufkommt, war noch unklar.

Unterdessen haben europäische Milchbauern ihre Proteste fortgesetzt – direkt vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel. Dort bauten sie einen Kreis aus Strohballen auf, legten eine Folie hinein und füllten diese mit Milch auf. Daneben entzündeten sie ein Feuer und löschten dieses mit Milch. Nach dieser Aktion unter dem Motto "Die Sache brennt, Politik pennt" übergaben die Milchbauern ihre Forderungen an Jean-Claude Thebault, der im engsten Mitarbeiterstab von Kommissionspräsident José Manuel Barroso sitzt.

Romuald Schaber, Präsident des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) sowie des Dachverbands European Milk Boards (EMB), sagte: "Die Situation in Europa droht zu eskalieren." Laut Schaber wurden am Montag bei Protestaktionen in acht europäischen Ländern "rund 40 Millionen Liter Milch auf Feldern ausgeschüttet". Heftige Kritik übte der EMB-Chef am Vorgehen von Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel, die nach seiner Einschätzung "der Milchkrise nicht gewachsen ist".

Am vergangenen Donnerstag hatte Fischer Boel Vorschläge für weitere Hilfen gemacht. Die EU-Mitgliedsländer sollen Milchmengen aufkaufen können, um das Angebot besser zu verringern. Fischer Boel will die Regeln für den Aufkauf von Milchquoten – der Obergrenze der Milchproduktion – durch die Mitgliedstaaten ändern. Als Folge könnten Strafen eher fällig werden, wenn die Staaten ihre Quote überziehen. In Preisverhandlungen mit der Industrie sollen Milchbauern gestärkt werden.

Diese Vorschläge stoßen in Deutschland sowohl beim Bund als auch in den Ländern auf Kritik. Dies seien höchstens zusätzliche Maßnahmen, sagte Agrarstaatssekretär Gert Lindemann am Montag zum Auftakt eines internationalen Milch-Kongresses in Berlin. "Für sich genommen werden sie keinen Durchbruch zur Stabilisierung der Milchpreise darstellen." Er warf der EU-Kommission indirekt vor, die Forderungen von 18 Mitgliedsländern zu ignorieren. Nötig sei, der Milchbranche bessere Absatzchancen zu eröffnen und stärker zu intervenieren.

Bessere Perspektiven für die Milchbauern sieht die Bundesregierung erst mittel- und langfristig. Die Preise für Milchprodukte hätten ein historisches Tief erreicht und bedrohten die Existenz mancher Bauern, sagte der Staatssekretär. Doch auf längere Sicht gebe es positive Aussichten, vor allem wegen der wachsenden Weltbevölkerung und der zunehmenden Nachfrage.

 
Leser-Kommentare
  1. ...zu blöd sich einen Broterwerb zu suchen, der einträglich ist.

    Zu geizig, die aus Protest zurückbehaltene Milch an Bedürftige zu verschenken.

    Aber jederzeit bereit gedankenlos andere mit dem eigenen "Protest" zu schädigen.

  2. Das komplettiert das Bild.

  3. diese kleinen, süßen Fische getötet, oh nein, sie verpesten beim Atmen unsere Luft! Am besten würde man sie ganz wegschaffen oder durch Maschinen ersetzen, denn sie stören einfach mit ihrem Rumgemeckere. Es ist alles so schön und dann kommen diese Leute und machen alles kaputt.

    Außerdem sollten sie doch ruhig sein, denn alles wird gut. Die Bevölkerung wächst und so und dann wollen die auch mehr Milch. Das heißt, dass die Nachfrage steigt => Bauer bald glücklich. Ey, wenn du das nicht kapierst, lies BWL-Buch, man! Unsere Minister haben voll Ahnung davon.

    Und zuguterletzt möchte ich die Bauern noch dissen, weil sie vor allem Nonnen gestört haben. Wer weiß wovon sie sich noch ernähren werden, wenn sie keine Goldfische mehr haben. Ohwohl, das ist nicht schlecht, wenn sie bedürftig werden, dann kann man deren Kloster weiterhin mieten, nicht nur für Konferenzen. Kann man Disco da machen, ist voll cool.

  4. 4. Bauern

    Wenn ein mittelstandischer Unternehmer sein Geschäft schlecht plant/führt und daran pleite geht, würde niemend auf die Idee kommen, die Regierung zum Engreifen aufzufordern.

    Die Selbstverständlichkeit, mit der die Bauern fordern, daß für sie die Grundprinzipien der Wirtschaft nicht gelten sollen, macht mich wütend.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...allerdings wäre bei allgemeiner Gültigkeit die Milch dann kostenlos.

    • olik1
    • 22.09.2009 um 12:23 Uhr

    ist nun mal ein wenig anders; OK, die Aktion in Eisleben war unter aller Kritik und ich hoffe, dass die Verantwortlichen gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.
    Allerdings stimmt es schon, dass der gesamte Agrarsektor schief liegt mit etlichen Auflagen und Reglierungen durch die EU (und die eigene Regierung).
    "Bauern" führen nicht normale Betriebe, sondern beeinflussen weitreichend begrenzte Naturresourcen mit ihrer Arbeit; Landschaftsarchitektur on-the-fly sozusagen.
    Ob und wie Landwirtschaft betrieben wird, beeinflusst nun einfach wie ein Land aussieht, was wiederum dazu geführt hat dass sich Staat und später EU dieser Fragen annehmen. Nur tun sie es nun leider reichlich verkorkst.

    ...allerdings wäre bei allgemeiner Gültigkeit die Milch dann kostenlos.

    • olik1
    • 22.09.2009 um 12:23 Uhr

    ist nun mal ein wenig anders; OK, die Aktion in Eisleben war unter aller Kritik und ich hoffe, dass die Verantwortlichen gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.
    Allerdings stimmt es schon, dass der gesamte Agrarsektor schief liegt mit etlichen Auflagen und Reglierungen durch die EU (und die eigene Regierung).
    "Bauern" führen nicht normale Betriebe, sondern beeinflussen weitreichend begrenzte Naturresourcen mit ihrer Arbeit; Landschaftsarchitektur on-the-fly sozusagen.
    Ob und wie Landwirtschaft betrieben wird, beeinflusst nun einfach wie ein Land aussieht, was wiederum dazu geführt hat dass sich Staat und später EU dieser Fragen annehmen. Nur tun sie es nun leider reichlich verkorkst.

  5. ...allerdings wäre bei allgemeiner Gültigkeit die Milch dann kostenlos.

    Antwort auf "Bauern"
  6. ...soll man bekanntlich nicht jammern, aber mit
    verschenkter Milch (an zB Bedürftige) hätte man sich
    wenigstens noch zusätzlich mit guten Taten brüsten können.

    • olik1
    • 22.09.2009 um 12:23 Uhr

    ist nun mal ein wenig anders; OK, die Aktion in Eisleben war unter aller Kritik und ich hoffe, dass die Verantwortlichen gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.
    Allerdings stimmt es schon, dass der gesamte Agrarsektor schief liegt mit etlichen Auflagen und Reglierungen durch die EU (und die eigene Regierung).
    "Bauern" führen nicht normale Betriebe, sondern beeinflussen weitreichend begrenzte Naturresourcen mit ihrer Arbeit; Landschaftsarchitektur on-the-fly sozusagen.
    Ob und wie Landwirtschaft betrieben wird, beeinflusst nun einfach wie ein Land aussieht, was wiederum dazu geführt hat dass sich Staat und später EU dieser Fragen annehmen. Nur tun sie es nun leider reichlich verkorkst.

    Antwort auf "Bauern"
    • ADoria
    • 22.09.2009 um 12:34 Uhr

    Und wenn ich am nächsten Tag wieder in den Supermarkt gehe, stehen da wieder zig Milchflaschen und Tetra-Verpackungen. Ich bekomme die Palette einfach nicht leer. Was soll ich machen? 2 Liter trinken, bis mir ein Euter wächst?

    Neulich wurde ich schon vom Schweinebauern angegiftet, ich würde zuviel Käse essen und das reichhaltige Sortiment an Wurst- und Fleischwaren negieren. Ich habe mich nicht getraut zu sagen, dass ich zu der Mittelschicht gehöre, die in der oft besagten Mitte abnimmt bzw. gern abnehmen würde.

    Da fällt mir ein, Fisch ist eigentlich auch ganz lecker. Wie schmeckt eigentlich Koikarpfen mit Butter und Zitrone?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ....nach Milch

    ....nach Milch

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service