Digitaler Buchmarkt Amazon verkauft Kindle jetzt auch in Deutschland
Der Online-Einzelhändler Amazon bietet sein "Kindle"-Lesegerät für elektronische Bücher künftig auch außerhalb der USA an. Deutsche Titel sucht man aber vergeblich.
© John Sommers/Getty Images

Sprung auf den Weltmarkt: Amazons "Kindle" gibt es nun auch in Deutschland
Amazon greift in den wachsenden digitalen Buchmarkt ein: Das weltgrößte Online-Handelshaus will sein Lesegerät "Kindle", mit dem drahtlos elektronische Bücher und andere Inhalte gekauft werden können, fortan auch außerhalb der USA vertreiben. Wie der US-Konzern mitteilte, wird ab dem 19. Oktober die Auslieferung in mehr als 100 Länder – darunter neben Deutschland auch China und weite Teile Europas – beginnen.
Das E-Book-Angebot umfasst derzeit jedoch nur englischsprachige Bücher. "Unsere Vision ist es aber, jedes irgendwann einmal gedruckte Buch, jedes im Druck oder nicht mehr im Druck befindliche Buch innerhalb von einer Minute in jeder Sprache zugänglich zu machen", sagte Amazon-Chef Jeff Bezos. "Das ist eine Aufgabe von mehreren Jahrhunderten, aber sie ist machbar. Und wie cool wäre das?"
Schon jetzt haben Leser die Auswahl zwischen mehr als 200.000 englischsprachigen Büchern sowie mehr als 85 internationale Zeitungen und Zeitschriften. Der einzige deutschsprachige Inhalt, den man derzeit kaufen kann, ist die elektronische Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Die digitale FAZ wird wie 45 andere Zeitungen aus den USA, Großbritannien und anderen Ländern über Amazon.com vertrieben.
Kindle kann ab sofort für 279 Dollar (umgerechnet 190 Euro) im US-Portal von Amazon vorbestellt werden. Das Gerät soll dann direkt nach der Frankfurter Buchmesse am 19. Oktober ausgeliefert werden. "Kindle" werde überall erhältlich sein – außer in der Antarktis. "Wir entschuldigen uns für dieses Versäumnis und werden daran arbeiten."
Bei Amazon.com kosten die digitalen Bücher von Verlagen wie Bloomsbury, Canongate, Hachette, HarperCollins, Lonely Planet, Penguin, Profile Books, Quercus, Simon & Schuster und Wiley zum Teil deutlich weniger als die gedruckten Hardcover-Ausgaben. So sind die Titel auf der Bestseller-Liste der New York Times für 9,99 Dollar zu haben, während das Hardcover in der Regel 20 Dollar oder mehr kostet.
Auf der Buchmesse in Frankfurt dürften der Einstieg von Amazon in den internationalen E-Book-Markt und die Lizenzierung von Titeln in deutscher Sprache ein wichtiges Thema werden. Zwar spielen E-Books selbst in den USA beim Absatz noch eine untergeordnete Rolle. Allerdings verkaufte sich jüngst der Bestseller The Lost Symbol von Dan Brown bei Amazon.com als E-Book besser als die fast doppelt so teure Hardcover-Version. "Für Bücher, die wir auf Papier und digital vertreiben, kommt durchschnittlich auf zwei gedruckte Bücher ein E-Book", sagte Bezos.
Für den Vorstandsvorsitzenden ist "Kindle" schon jetzt ein Verkaufsschlager. Bezos zufolge war er in diesem Jahr bislang der am meisten verkaufte Gegenstand auf der Internetseite der Firma. "Und das Weihnachtsquartal wird auch großartig laufen", zeigte sich der Amazon-Gründer zuversichtlich. "Es gibt in der ganzen Welt eine große Nachfrage nach englischen Büchern." Von 100 Buch-Käufern entschieden sich mittlerweile etwa 48 für ein E-Book. Das seien 35 mehr als vor fünf Monaten.
Der Konzern stellte "Kindle" im Jahr 2007 vor. Die nun erscheinende internationale Version wird identisch zur zweiten Generation des Modells sein, auf der bis zu 1500 Bücher gespeichert werden können. Zudem können auf ihr PDF-Dateien gelesen und Anmerkungen an die Texte gemacht werden.
Mit dem Gang auf die Weltbühne will Amazon Konkurrenten wie Sony mit seinem "Daily Edition" weitere Marktanteile abgraben. Vor allem in Deutschland auf dem noch überschaubaren E-Book-Markt konkurrieren die Amerikaner mit dem japanischen Unterhaltungsriesen. Der Konzern aus Tokyo vertreibt seinen Reader über die Filialen der Buchhandelskette Thalia in Kooperation mit dem Buchhandels-Grossisten Libri.
Sony hatte unlängst angekündigt, kurz vor Weihnachten eine neue Version seines E-Books auf den Markt bringen zu wollen. Das Gerät soll über einen Touchscreen-Bildschirm verfügen. Dies hat "Kindle" von Amazon nicht. Auf der Buchmesse in Frankfurt wird auch das Berliner Startup-Unternehmen txtr seine E-Book-Lösung vorstellen.
- Datum 07.10.2009 - 08:11 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 5
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...dabei ist, daß das Angebot von Kindle ebooks außerhalb der USA erheblich kleiner ist - und die Preise scheinen auch durchweg um einiges höher zu liegen.
... gibt's als digiTAZ.
Auch bei der digiTAZ gilt: bezahlt wird, was man kann.
Und wie ist das mit dem Copyright gelöst? Das Gerät an sich auch in Deutschland zu verkaufen ist ja per se nicht so wirklich spannend.
Spannend ist wie das mit dem Copyright gelöst ist. Kann man auch amerikanische e-books kaufen oder nur diejenigen für die amazon auch das Copyright für Deutschland besitzt? Kosten diese dann genauso viel wie die amerikanischen? Oder mehr, so wie bei Apples iTunes?
wo der Hersteller auch das Format und die Vertriebswege beherrscht. Monopole schaden - vor allem dem Kunden. Wenn ich ein Buch kaufe, dann möchte ich es auch überall verwenden können, nicht nur auf dem Kindle. Ala Amazon "1984" gelöscht hat, sollte allen klar sein, welche Politik hier verfolgt wird. Sony hat auch schon ähnlichen Mist mit anderen Geräten produziert und sogar Apple hat dazu gelernt.
die Berliner Firma Txtr bringt ab Dezember ihr eigenes Gerät auf den Markt. Vorteile m.E. gegenüber dem Kindle von amazon: Zugriff auf Angebote in Deutschland, offene Programmierschnittstelle (auf Linux basierendes System), kann Formate wie doc oder PowerPoint lesen.
Wenn es dann die ZEIT auch als ePaper gibt freuen sich meine Mitfahrer in der Bahn zur Arbeit, da dann auch neben mir noch jemand sitzen kann, ohne unter dem ausladenden Format meiner Zeitung zu leiden :)
Ich verfolge das eReader Angebot mit Spannung und werde zuschlagen, sobald mir ein Gerät zusagt.
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