Garantiezahlungen Banken ködern wieder mit Millionenboni
Ein Jahr nach dem Beinahe-Kollaps des Finanzsystems überbieten sich die Banken wieder mit garantierten Bonuszahlungen. An den Millionen für Investmentbanker beteiligen sich hierzulande Insidern zufolge auch staatlich gestützte Häuser wie Citigroup und Merrill Lynch – oder Landesbanken wie die WestLB.
"Es sind wieder fast alle unterwegs", sagt ein Headhunter. "Primär geht es um einjährige Garantieprämien, in Ausnahmefälle aber auch um Garantien über zwei Jahre." Der Vorstandsvorsitzende eines großen deutschen Instituts bestätigt dies: "Die WestLB beispielsweise zahlt zum Teil Antrittsprämien und einen garantierten Bonus für ein Jahr." Ebenfalls aggressiv am Markt rekrutieren sollen Barclays Capital, BNP Paribas, Société Générale (SocGen) und die Deutsche Bank. Nach Berechnungen des Wall Street Journals könnten allein die größten US-Finanzkonzerne 2009 in Summe 140 Milliarden Dollar Gehalt ausschütten – mehr als jemals zuvor.
Jüngstes Beispiel: Merrill Lynch. Die von der Bank of America vor dem Zusammenbruch gerettete Investmentbank warb von Goldmans Sachs Managing Director Christoph Gugelmann ab, der dort unter anderem das Geschäft mit strukturierten Produkten im deutschsprachigen Raum steuerte. In der Branche ist von einem Betrag in mindestens mittlerer einstelliger Millionenhöhe die Rede, garantiert auf zwei Jahre. "Das wird von einer Bank bezahlt, die vor ein paar Monaten noch mausetot war", sagt ein Headhunter.
Auch die Citigroup, die in Deutschland auf dem Höhepunkt der Krise Leute vor der Tür setzte, ist auf der Jagd nach Talenten. So baut Ex-Lehman-Banker Christian Spieler ein neues Team unter dem Namen "Structured Solutions" auf und hat unter anderem von der Deutschen Bank mehrere Köpfe abgeworben – angeblich mit Garantien im hohen sechsstelligen Bereich. Die Deutsche Bank wiederum griff bei Goldman Sachs zu und warb Benjardin Gärtner als neuen Head of Equity Sales ab – Insidern zufolge mit Bonusgarantie.
„Die Gesetze der Branche, von denen man dachte, sie seien überkommen, haben noch immer Gültigkeit“, erklärte der Headhunter. „Wer nicht mitmacht, kann gleich dichtmachen.“ Experten warnen davor, die Branche über einen Kamm zu scheren. "Es gibt viele Banken, die versuchen, die Bezahlung langfristiger und risikoorientierter auszurichten", sagt Michael Bursee, Mitglied der Geschäftsleitung bei Kienbaum Management Consultants, räumt aber ein: "Wir erleben nach wie vor im Investment-Banking, dass zum Teil mehrjährige Prämien garantiert werden." Personalberater Tim Zühlke von Indigo Headhunters weist darauf hin, dass selbst Mehrjahresboni mittlerweile Einschränkungen unterlägen: "Häufig sind sie an eine gewisse Verweildauer geknüpft und werden zu einem nennenswerten Anteil in Aktien ausgezahlt."
Vor allem Mehrjahresgarantien stehen in der Kritik, weil sie nach Ansicht von Experten die Risikobereitschaft der Banken förderten und so die Krise mitauslösten. Die 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) hatten Ende September vereinbart, diese Praxis zu unterbinden. Zugleich soll Prämien nachhaltiger an die Geschäftsentwicklung geknüpft werden. Branchenkenner zweifeln an der Umsetzung.
Die genannten Banken wollten sich zu den Einzelfällen nicht äußern. Barclays erklärte, man habe 2009 bei allen Einstellungen in weniger als zehn Prozent aller Fälle Boni garantiert. Zweijahresboni würden nicht gezahlt. BNP Paribas, SocGen und die Deutsche Bank erklärten, man beachte die G20-Prinzipien. Die Deutsche Bank betonte, Garantien würden nur "in ausgewählten Fällen" gewährt. Bei der WestLB hieß es wiederum, man gehe bei Neueinstellungen mit "ausgeprägtem Augenmaß" vor.
Klar ist aber auch, dass praktisch jeder Banker in den vergangenen Wochen des Jahres nur wechselt, wenn man ihn mit Garantien lockt. Hintergrund ist, dass der Bonus des alten Arbeitgebers und etwaige Aktienoptionen durch den Weggang auf einen Schlag verfallen. Doch gerade bei staatlich gestützten Banken wird diese Praxis auch von Investmentbankern moniert. Die WestLB etwa nutzt Garantien des Bankenrettungsfonds und der Eigner von mehr als zehn Milliarden Euro. Noch extremer ist die Situation bei Citigroup und Bank of America: Sie haben von der US-Administration Milliarden erhalten.
- Datum 15.10.2009 - 12:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Handelsblatt.com
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... gibt es hier:
1. Banken und Bänker sehen ein, dass es nicht selbstverständlich ist, 6-stellige Boni zu kassieren, nur weil man beim Glücksspiel mit fremder Leute Geld gerade mal gut verdient hat.
2. Die Restbevölkerung hebt ihr Geld vollständig bei den Banken ab, die solche Boni zahlen.
3. Die Restbevölkerung weigert sich, weiterzuarbeiten, wenn nicht jedem "angemessene" Boni bezahlt werden.
Lösung 2 und 3 würden wahrscheinlich sofort zum Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft führen. Für Lösung 1 sind Bänker zu gierig.
Also wird die Blase, die sich sowieso schon gerade wieder aufbaut, durch die Damen und Herren in den Banken immer weiter aufgepumpt, bis sie erneut platzt. Bitte, liebe Bundesregierung, lass das Bankensystem dann komplett den Bach heruntergehen. Anschließend sollten Bankmitarbeiter von heute keine Tätigkeit im Bankengewerbe mehr ausüben dürfen und keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben. Sie können dann ja in Island Schnee schaufeln gehen.
Ok., ich weiß, besonders realistisch ist das nicht. Aber warum stehe ich jetzt eigentlich mit meinen Steuern für Bürgschaften gerade, während die Herrschaften in den Banken sich im System schon wieder bedienen und anschließend von mir erneut saniert werden?
Man stelle sich einmal folgendes vor.
Sie gehen heute morgen zur Bank, finden alle Schalter unbesetzt und einen Haufen Geldscheine, die offen für jedermann herumliegen, dazu zu ein Schild: Bitte einstecken.
Sie stecken sich die Taschen voll, gehen nach Hause und geniessen den leicht verdienten Reichtum.
Morgen gehen Sie wieder in die Bank, der Geldhaufen ist noch grösser geworden und das Schild hat drei Ausrufezeichen bekommen. Was werden sie tun???
Ich glaube die Antwort zu kennen!
( Ps. Wer eine Verbindung zur Mentalität gewisser Banker herstellen kann, darf sich einen Keks nehmen )
Wer in der Bilianz grob fahrlässig oder vorsätzlich lügt und die Bücher frisiert - um Boni oder ähnliches an sich selbst als Manager auszuzahlen - den sollte man [...]
Im übrigen handeln AUFSICHTsräte, welche Manager vom gesetzlich verbotenen "Insichgeschäft gem. § 181 BGB" entbinden offenkundig unstrittig zumindest grob fahrlässig bzw. u.U. sogar vorsätzlich, weshalb solche AUSFSICHTsräte damit rechnen müssen, dass diese hinsichtlich des gesamten finanziellen Schadens persönlich privat in die HAFTung genommen werden.
[Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und tragen Sie zu einer sachlichen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Wir sind alle Leibeigene der Banken, welche sich schön an unserem Währungssystem bedienen können.
hat leider bislang in Deutschland noch nicht stattgefunden. Warum ist das aus dem Fokus geraten, Frau Merkel?
Ebenso wäre die Wiederbesteuerung von Firmenverkäufen ein großes Thema um rund 60 Mrd. verschenkte Steuereinnahmen jährlich. Da würden die Heuschrecken dumm gucken - oder?
Nun ist gerade der Herr Asmussen auf Jobsuche. Sein Studienkumpel Jens Weidmann wird ja noch bei Frau Kanzlerin gebraucht als Bänkerheadset am Kanzlerinnenohr. Der Professor der beiden - Herr Weber - wurde ja von beiden gemeinsam ins Amt des Bundesbankpräsidenten gehieft. Da wird man sich sicherlich "aushelfen".
Ich kann mir jedenfalls vorstellen, in welcher gut zahlenden Branche der Deregulierer Asmussen mindestens einen hoch dotierten Dankeschön-Posten bekommt. Wer noch?
Vielleicht darf er dann auch weiter mit Herrn Steinbrück zusammen arbeiten. Der sucht auch gerade einen Job.
Allen die sich hier so sehr ueber Boni aufregen sei gesagt: das Finanzsystem hat sicherlich groessere Probleme als ein paar Millionen Boni mehr oder weniger. Es ist irrsinnig, mit welchem PAthos diese RAndthematik immer wieder von den Medien und der Bevoelkerung aufgegriffen wird. Dies belegt den verzweifelten Versuch, den Ursachen der Krise ein menschliches Gesicht zu geben, in diesem Falle die gierige Fratze der Banker. Wuerde sich der Stadt mit der gleichen Inbrunst um die Kontrolle seiner Landesbanken oder um die Etablierung einer vernuenftigen HAftungsregelung bemuehen, waere den deutschen Finanzen schon mehr geholfen.
Ausserdem erfuellen Boni natuerlich auch eine gewisse Funktion. Praemien udn Anreiye sind in diesem hochkomplexen Sektor alltaeglich. GAny wird man das nie stoppen oder verbieten koennen. Das ist auch gar nicht so wichtig. Bedeutender waere es, dass man Regelungen findet, unter denen ein jeder auch zu einem Teil dafuer haftet (positiv und negativ), was er erwirtschaftet oder eben nicht erwirtschaftet hat.
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