Reinhard Mohn Erfolg haben, heißt Verantwortung abgebenSeite 2/2

Mohns Erwartung ging also auf. Die Freiheit, die er gab, führte dazu, dass seine Manager und viele Mitarbeiter auf den Ebenen darunter mehr Verantwortung übernahmen, als sie es in anderen Großunternehmen getan hätten. Ein großer Teil der unternehmerischen Leistung von Mohn besteht darin, dass er Verantwortung abgab.

Die Erfahrung, die Mohn in seinem Unternehmen machte, wollte er seit den achtziger Jahren zunehmend auf die ganze Gesellschaft übertragen. Neben seinen Büchern wurde die gemeinnützige Bertelsmann-Stiftung zu seinem wichtigsten Werkzeug. Zunächst gegründet, um den Erfolg des Unternehmens über Mohns Tod hinaus zu sichern, baute der Unternehmer seine Stiftung nach und nach zu einem Labor für gesellschaftliche Reformen aus. Da mit dem Erfolg des Konzerns auch der Etat stiegt, ist die Stiftung heute der größte Thinktank in Deutschland, der nicht von öffentlichen Geldern abhängt.

Praktisch alle gesellschaftlichen Felder und Institutionen wurden in den vergangenen Jahren neu vermessen, und stets leitete die Mitarbeiter der Stiftung das mohn’sche Menschenbild, nach dem Freiheit, Leistung und Eigenverantwortung den meisten Wohlstand, die besten Organisationen und damit das höchste Maß an Gemeinwohl hervorbringen.

Lag Mohn damit stets richtig? Nein. War Mohn in seinem eigenen Handeln immer konsequent? Nein. Wandte er seine Lehren bis zu seinem Tod auf das eigene Unternehmen an? Nein. Er zweifelte. Er änderte oft sein Testament. Er verlor zwischenzeitlich seinen Glauben daran, dass angestellte Manager jenen Erfolg fortsetzen können, den er selbst hatte. Unvergesslich ist sein Auftritt im Jahr 2003 in der Stiftung. Eigentlich wollte er ein neues Buch vorstellen, doch sein Vortrag geriet vor einigen hundert Zuschauern zur Standpauke für die vor ihm sitzenden Spitzenmanager des Konzerns.

Andererseits inspirieren Mohns Ideen viele Mitarbeiter bis heute. Man trifft sie auf fast allen Ebenen des Unternehmens und der Stiftung, nur eben nicht mehr unbedingt an allen entscheidenden Stellen.

 
Leser-Kommentare
  1. Diese Sauce hingegen kann man guten Gewissens nicht stehen lassen.

    Zunächst gegründet, um den Erfolg des Unternehmens über Mohns Tod hinaus zu sichern, baute der Unternehmer seine Stiftung nach und nach zu einem Labor für gesellschaftliche Reformen aus. Da mit dem Erfolg des Konzerns auch der Etat stiegt, ist die Stiftung heute der größte Thinktank in Deutschland, der nicht von öffentlichen Geldern abhängt.

    Was an diesem Lobbyisten-Laden "gemeinnützig" ist, blieb immer offen. Seit Jahrzehnten gab es wohl keine Überprüfungen oder wurden "wohlwollend" beendet.

    Praktisch alle gesellschaftlichen Felder und Institutionen wurden in den vergangenen Jahren neu vermessen, und stets leitete die Mitarbeiter der Stiftung das mohn’sche Menschenbild, nach dem Freiheit, Leistung und Eigenverantwortung den meisten Wohlstand, die besten Organisationen und damit das höchste Maß an Gemeinwohl hervorbringen.

    Das Mohn'sche Weltbild hat die deutsche und europäische Politik (neben anderen) massiv unterwandert, ausgehöhlt, lobbyisiert und vom Wege der natürlichen staatlichen Aufgaben abgebracht.

    Agenda 2010, Privatisierungen, Public-Private-Partnership, Studiengebühren, Hochschulreformen, CHE und vieles andere, ist überwiegend auf dem Mist der Bertelsmann-Stiftung gewachsen und haben aus der neoliberalen Denkweise heraus das Gemeinwohl absolut und heftig verschlechtert. Und das vor allem ohne jeden politischen oder sonstigen irgendwo demokratisch legitimierten Auftrag.

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