GetränkeindustrieOetker-Konzern übernimmt Bionade

Überraschungscoup aus Bielefeld: Oetker wird Mehrheitseigner von Bionade. Dank des potenten Partners soll die Bio-Limo nun zu einer internationalen Marke werden.

Bionade in Oetker-Hand: Über ihre Tochter Radeberger ist der Familienkonzern nun Mehrheitseigner des Brauseherstellers

Bionade in Oetker-Hand: Über ihre Tochter Radeberger ist der Familienkonzern nun Mehrheitseigner des Brauseherstellers  |  © Ralph Orlowski/Getty Images

Die Radeberger-Gruppe – und damit der Bielefelder Familienkonzern Oetker – übernimmt mehr als 51 Prozent am Biobrause-Hersteller Bionade. Die größte deutsche Braugruppe kauft das gesamte Paket der seit 2002 von der Egon Schindel Holding GmbH (ESH) gehaltenen Anteile und will langfristig mit insgesamt 70 Prozent beteiligt sein. Wie Bionade-Geschäftsführer Stephan Kowalsky sagte, bleiben die übrigen 30 Prozent der Anteile in seinen Händen und bei seinem Bruder Peter.

Mit dem neuen Mehrheitseigner soll die Internationalisierung der Marke forciert werden. "Wir wollen nicht, dass Bionade so etwas wie eine kleine Szene-Limo in Deutschland bleibt", betonte Kowalsky. Deshalb brauche man einen Partner, mit dem die angestrebte zeit- und kostenintensive Expansion gelingen könne. Dies sei mit dem bisherigen Mehrheitsgesellschafter, der regional ausgerichteten ESH nicht möglich gewesen.

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Über den Kaufpreis wollte Kowalesky nichts sagen. Laut einem Bericht des ManagerMagazin soll Radeberger aber rund 20 Millionen Euro bezahlt haben. Wie das Magazin weiter schreibt, soll Konzernboss August Oetker den Deal selbst eingefädelt haben.

2004 hatte die hessische Schindel-Gruppe, die unter anderem die Mineralwässer Rhönsprudel, Bad Liebenwerda und Spreequell vertreibt, die Mehrheit an der Bionade-Gesellschaft übernommen. Das war die Gegenleistung für einen 380.000-Euro-Kredit, den Schindel dem damals klammen Bionade-Mutterbetrieb Peter Bräu im bayerischen Ostheim gewährt hatte.

Inzwischen steckt die Schindel-Gruppe selbst in finanziellen Schwierigkeiten. Laut Spiegel wurde ESH von ihren kreditgebenden Banken dazu gedrängt, ihren 51-prozentige Mehrheit an der Bionade GmbH zu verkaufen, um so Verbindlichkeiten bedienen zu können. In der Branchen war auch Coca-Cola und Bitburger ein Interesse nachgesagt worden.

Zuvor war es zu einem erbitterten Streit zwischen Peter Kowalsky und ESH gekommen. Grund war eine Preiserhöhung für Bionade von 30 Prozent, mit deren Hilfe die Hessen ihre finanziellen Schwierigkeiten beheben wollten, in deren Folge der Absatz der Bio-Limo jedoch massiv eingebrochen ist. "Es tut uns unendlich leid, dass wir von manchen als raffgierig angesehen werden", wird Bionade-Mitgesellschafter Kowalsky zitiert. Man habe sich der Entscheidung des Mehrheitseigners jedoch beugen müssen.

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Leserkommentare
    • Brakiri
    • 02. Oktober 2009 15:58 Uhr

    Das heisst ich muss jetzt wieder aufpassen, was auf dem Etikett steht?
    Ist ja meistens bei solchen Übernahmen der Punkt. Das Image der gekauften Firma und deren Produkte übernehmen, beständig die Qualität verschlechtern bzw. die Preise erhöhen, bis der Name und das Image ausgelaugt ist. Ist der Mehrgewinn höher als die Kosten der Beteiligung, hat sich die Sache gelohnt.

  1. "Wir wollen nicht, dass Bionade so etwas wie eine kleine Szene-Limo in Deutschland bleibt"

    Da hat Stephan Kowalsky, der Geschäftsführer, zwar seinen Ehrgeiz zur Schau getragen, gleichzeitig aber auch seine Unwissenheit und geschäftliches Unwissen zum Besten gegeben. Dies ist auch schon anderen unterlaufen, die geglaubt haben, sie könnten "street credibility" so einfach kaufen bzw. verkaufen:

    Bionade ist kein Riesenerfolg, weil das Zeug so irrsinnig gut schmeckt, sondern weil es eine kleine Szene-Limo war. Ein Großteil des immateriellen Wertes, den dieses Produkt hatte, war es, eben kein Industrie- und Kommerzprodukt zu sein. Zumindest hat sich dies für den Käufer nicht so angefühlt. Das ist dass Entscheidende. Wenn die sog. Geschmacks-, Meinungs- und Trendmultiplikatoren der Marke auf Wiedersehen sagen - und das sie dies tun, ist mehr als wahrscheinlich - dann: Gute Nacht, Bionade.

    Die guten Zeiten sind nun also vorbei. Wieder einmal wurde ein Produkt, dass im Herzen dem Kunden gehörte, an die Industrie und den Kommerz verkauft und verraten.

    Der Stern von Bionade sinkt bereits, denn Bionade von Dr.Oetker ist ungefähr so sexy, wie Tiefkühlpizza von Käfer oder ein schönes Stück mittelalter Gouda von Maggi oder eine Rezeptur angepasste Afri-Cola.

    Nein, danke!

  2. Nebenbei bemerkt gibt es auch Betriebe, die nicht von Gier getrieben ihre Marke verbrennen. Ein gutes Beispiel ist hier das überaus erfolgreiche, meist auch in den gleichen Gaststätten wie Bionade anzutreffende Bier "Tannenzäpfle" aus der Brauerei Rothaus. Die Marke ist Kult und könnte ihren Verkauf und Umsatz vervielfachen. Tut sie aber nicht. Das ist wirklich schlaue Geschäftspolitik!

  3. ...war anfangs so erfolgreich, weil die Leute dieses "David-gegen-Goliath"-Image mochten und ein gutes Gefühl dabei haben konnten, eine kleine mittelständischen Brauerei zu unterstützen. Das ist jetzt vorbei, und eben dieses Klientel wird sein Geld nicht einem Lebensmittelmulti hinterherwerfen (hoffe ich). Von mir aus kann sich Oetker Bionade sonstwohin stecken - und die Marktlücke wird ein anderer schlauer Mittelständler füllen.

  4. es war nett dich kennengelernt zu haben, aber nun bist du der Profitgier verfallen. Dein Schöpfer hatte gutes im Sinn aber er wollte lieber auf die Bahamas und den Cocktails fröhnen.

    Jetzt kann ich mir auch die Plagiate vom ALDI oder Budnikowsky holen. Macht keinen Unterscheid mehr.

    Schade, ein Kultobjekt weniger. Geopfert dem goldenen Kalb.....

  5. BionADE hatte KEINE Wahl !!! BionADE ist nur Opfer des KAPITAL-Faschismus & als Spequlations-Objekt der ESH-Hausbanken geworden.Die Oetker-Gruppe gehört mit rund 24.700 Mitarbeitern und einem Umsatz von 9,2 Milliarden Euro zu den großen europäischen Familienunternehmen. Diese 20Mio. zahlt somit Oetker aus der "Kron-Kocken-Kasse" zu einem Schnäppchen-Preis. BionADE wurde erst zu 51% & wird dann zu 70% Fremd-Regiert & das ist nicht mehr autentisch BionADE=SchADE. BionADE ist nur noch eine "Cash-Cows" der Oetker-Bilanz & die "BionADE-Produkt-Seele" hat sich verraten & verkauft. Ob diese Koalition-Zwacks-Ehe(Oetker-BionADE) funktioniert wird sich ziegen & vor der Wahl kommen die Versprechen, die Sie Brechen...
    von BionADE-VorhER-SagER: M.G.M. PFAFF BERLin

  6. Noch 2008 habe ich mit den Herren von Bionade zusammengearbeitet und den Familienbetrieb, das Konzept und die (sehr bodenständigen) Chefs sehr ins Herz geschlossen. Es tut weh zu lesen, dass nun auch diese 'Lokalhelden' von einem Großinvestor geschluckt wurden- wodurch auch ich befürchte, dass Bionade bald der Vergangenheit angehört. Sehr traurig!

  7. Ich lese seit Jahren die ZEIT - und mit anfangs Interesse und inzwischen wachsender Besorgnis die Kommentare, die hier bisweilen auftauchen. Ich bin oftmals unangenehm berührt, festzustellen mit welchem Mangel an Reflektion oder nötigem emotionalem Abstand der Leser sich einbringt.

    Wir reden in diesem Fall von einer Limonade. Was ist in Menschen los, die mit gespürtem Schaum vorm Mund und erhöhtem Puls dieses Thema so diskutieren müssen?

    Liebe Kommentatoren: Lest doch taz oder Bild, wenn ihr radikal oder polemisch diskutieren mögt. Oder lernt intelligent schreiben, wenn ihr Eure inneren Spannungen zum Ausdruck bringen möchtet. Alles Andere hinterlässt einen üblen, störenden Nachgeschmack.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Coca-Cola | Absatz | Expansion | Getränkeindustrie | Kredit | Spiegel
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