Finanzkrise Ackermann plädiert für Kostenbeteiligung der Banken

Notfall-Fonds für kommende Krisen: Als erster Top-Finanzmanager hat Deutsche-Bank-Chef Ackermann angeregt, dass sich die Banken an den Kosten künftiger Crashs beteiligen.

Ackermann sprach sich am Montag auf der Tagung "Euro Finance Week" in Frankfurt am Main dafür aus, einen von Banken und Staaten gemeinsam finanzierten Geldtopf für notleidende Finanzinstitute einzurichten. Zwar werde der Staat in systemischen Bankenkrisen immer "der Aktionär der letzten Instanz" bleiben, jedoch müsse die Branche selbst einen Beitrag für einen fairen Lastenausgleich leisten, sagte Ackermann, der zugleich Chef der internationalen Bankenvereinigung IIF ist.

"Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen lohnt es sich meines Erachtens, über einen Fonds nachzudenken, aus dem Banken im Notfall rekapitalisiert beziehungsweise für eine geordnete Abwicklung gestützt werden können", sagte Ackermann, dessen Unternehmen als eines der wenigen Finanzinstitute weltweit bisher ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen ist. Einen "Stabilitätsfonds" in Europa hatten die deutschen Wirtschaftsweisen zuletzt ins Gespräch gebracht. In der jüngsten Finanzkrise – der schwersten in der Nachkriegsgeschichte – mussten die Staaten allein mit Milliardensummen notleidende Banken stützen.

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Während der Verband Öffentlicher Banken Zustimmung an Ackermanns Vorstoß signalisierte, kam von den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den Sparkassen Kritik an der Fonds-Idee. "Jede Form eines Topfes oder Überlaufsystems sehen wir als problematisch an", sagte der Präsident des genossenschaftlichen Bankenverbandes BVR, Uwe Fröhlich. Auch Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis betonte, die öffentlichen Institute wollten nicht für Risiken haftbar gemacht werden, die Großbanken auf internationaler Ebene eingingen. Fröhlich und Haasis plädierten daher für bankengruppenspezifische Lösungen. So hätten beide ihr eigenes Sicherungssystem.

Bundesbank-Präsident Axel Weber machte auf der Konferenz deutlich, dass die Banken in erster Linie selbst Sorge dafür tragen müssten, dass sie nicht wieder zum Ausgangspunkt einer neuen Krise würden. "Die Verantwortung zur Vermeidung künftiger Finanzkrisen liegt beim Kreditgewerbe selbst." Die Bundesbank soll nach dem Willen der neuen schwarz-gelben Bundesregierung alleiniger Bankenaufseher in Deutschland werden. Sie teilt sich diese Aufgabe bislang mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Notenbanken und Staaten in aller Welt mussten während der Krise viele Banken stützen, um eine Pleitewelle und damit noch heftigere Erschütterungen von Finanzsystem und Weltwirtschaft zu vermeiden. Von einigen Seiten wurde dabei auch immer wieder die Zerschlagung großer Institute gefordert, damit ein zweiter Fall Lehman Brothers nicht mehr möglich werde. Die Pleite gegangene US-Investmentbank war global derart verzweigt, dass ihr Ende vor gut einem Jahr weltweit Schockwellen ausgelöst hatte.

Ackermann wandte sich dagegen, Banken bereits lediglich wegen ihrer Größe als Gefahrenquellen zu betrachten und sie deshalb quasi vorsorglich zu zerschlagen. Die Größe allein dürfe nicht per se Kriterium für Systemrelevanz sein. Da Großbanken wichtig zur Finanzierung international aktiver Unternehmen seien, hätten sie zwar eine Existenzberechtigung, müssten aber im Notfall geordnet abgewickelt werden können. Anstatt der Größe sei entscheidend, wieviel Risiken eine Bank in ihren Büchern habe. Ein Institut mit viel Risiko sollte auch mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Weltweit diskutieren Regierungen, Notenbanker und Aufseher derzeit über höhere Eigenkapitalanforderungen für Kreditinstitute und ein Auslaufen der Milliardenhilfen.

Der neue Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach sich auf der von Protesten Dutzender Lehman-Opfer und Studenten begleiteten Veranstaltung für ein schrittweises Ende der staatlichen Wirtschaftsprogramme aus. "Der Staat muss sich Zug um Zug aus der Konjunkturstützung zurückziehen." Es müsse wieder eine normale Wettbewerbssituation hergestellt werden. Gleichwohl warnte er genauso wie Bundesbank-Chef Weber davor zu glauben, die Krise sei bereits komplett ausgestanden. Weber mahnte eine zügige Vorbereitung des Ausstiegs aus den Krisenmaßnahmen an: "Wir der richtige Zeitpunkt verpasst, besteht die Gefahr, dass neue Verwerfungen entstehen."

Die in den letzten Wochen und Monaten zu beobachtende Stabilisierung bedeute noch keine Erholung – weder für die Finanzmärkte noch für die Konjunktur, mahnte Weber. "Wir müssen in diesem Punkt also wachsam bleiben und sämtliche Risiken im Auge behalten." Insbesondere dürfe die aus seiner Sicht dringend nötige Reform und Konsolidierung des deutschen Bankensektors nicht verpasst werden. Auch die Chance, eine umfassende neue Regulierung der Branche zu schaffen, dürfe nicht vertan werden.
 

 
Leser-Kommentare
    • keox
    • 17.11.2009 um 0:38 Uhr

    Wieso soll ein künftiger Sicherungsfonds von Banken und dem Staat finanziert werden? Das ist Bankensache.

    Und wieso überläßt man nonchalant die heutigen Kosten des Finanzraubzuges wie selbstverständlich dem Steuerzahler?

    Und was soll das heißen, daß die DB bisher ohne Staatshilfe ausgekommen sei? Ist die Bad Bank der DB, die HRE, nicht mit staatlichen Riesensummen finanziert worde, zu Nutz und Frommen der DB?

    Und das sind nur drei Fragen von vielen an die BankenRepublik Deutschland.

  1. Es spricht ein Frosch aus dem Teich, der neulich erst kurz vor dem Austrocknen war und mit reichlich Staatshilfe nun ein Mindestniveau erreicht hat ... Es spricht auch ein einer, welcher seinen Geburtstag im Kanzleramt auf Staatskosten austragen lässt (ach stimmt ja, Frau Merkel ludt ja ein) ... und er spricht noch weiter, sieht sich gewiss auch als Opfer der ohnehin sehr behutsamen Regulierung (Schäublische Formulierung: "wir setzen auf Freiwilligkeit") seitens des Staates und bittet, doch von Zerschlagungen etwaiger Großbanken zukünftig abzusehen ... Systemrelevanz hinge ja nicht an der Größe, sondern ergebe sich aus den Büchern (welche in der Vergangenheit wohl niemand zu deuten wusste, oder hatte die HRE keine "Bücher"?).
    Es ist mir wichtig, dass die Frösche in Deutschland sprechen dürfen, das ist ihr Recht ... doch gerade bei Banken erscheint es oft so, als hätten diese auch das Zepter in der Hand.

  2. Der Staat soll gleich die Risiken für alle Unternehmen übernehmen.

    Zur DeuBa ist noch zu sagen, dass sie ohne Staatshilfen in allergrössten Schwierigkeiten wäre. Die Staaten haben massenhaft Institute (AIG, IKB, etc) gestützt denen die DeuBa Milliarden geliehen hat. Das ist indirekte Staatshilfe an eine Bank, die unter Ackermann ihre wichtigste Kernkompetenz (die Bonitätsprüfung) grob vernachlässigt hatte.

    Und dass der Staat "immer der letzte Aktionär bleiben wird" kann nur so verstanden werden, dass die Banken im Gunde genommen staatlich sind.

  3. 4. Clever

    Alle zahlen brav ein, damit diejenigen, die hochriskant arbeiten, dann auch von denen aufgefangen werden müssen, die bislang solide wirtschaften. Auch eine Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass alles so bleiben kann wie bisher - nur noch etwas besser - für die, die uns den Mist eingebrockt haben.

    Herr Ackermann ist fürwahr kein Dummer - aber das macht ihn auch nicht integer.

  4. Ach, Herr Ackermann, man rüstet schon für die nächste Krise?
    Wie wäre es erstmal diese Krise zu überwinden und zeitgleich am Hauptgrund (den Banken und anderen Glücksspielern) etwas zu ändern, damit es zu keiner Krise mehr kommt?
    Warum soll sich der Staat an so eine Fonds überhaupt beteiligen? Das ist Bankensache.

    P.S.: Liebe Zeitredaktion,
    ich weiß das durchschnittliche Mediengedächnis umfasst zwei Wochen, aber das zig Steuermilliarden an die Bankster geflossen sind hat wohl keiner vergessen.

  5. Herr Ackermann vergleicht sich mit einem Fußballspieler der innerhalb der Spielregeln agiert. Er will Weltmeister werden und deshalb ist alles erlaubt, was der Schiedsrichter nicht sieht und nicht pfeift. Moral oder ähnliches spielen für ihn keine Rolle in dem großen Spiel "wer schüttet die höchsten Dividenden aus?"
    Also ist bestimmt auch der Fall der franz. Nationalmannschaft für ihn o.k. (Handspiel und dadurch Tor für Frankreich und Ausscheiden von Irland).

    Wer hat die Spielregeln der Kapitalmärkte gemacht und wer kann sie ändern?

    Die, die durch diese Spielregeln gewinnen, tuen alles um die Politik zu überzeugen, daß die Spelregeln nicht geändert werden dürfen (sonst werden wir nicht Weltmeister).
    Und die, die die Spielregeln ändern könnten, kriechen Menschen wie Hr. Ackermann noch irgenwo hin.
    Wenn am Ende Millionen Deutsche ihre Spargroschen einbüssen oder ihre kleine Lebensversicherung abgewertet bekommen, dann rollen hoffentlich die richtigen Köpfe.....

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