General Motors

Detroit wacht auf

Was wie Chaos aussieht, zeigt: General Motors wird wieder geführt, wenn auch nicht vom Chef.

Fritz Henderson ist zwar Vorstandsvorsitzende von General Motors, doch Verwaltungsratschef Ed Whitacre bestimmt die Richtung des Unternehmens

Fritz Henderson ist zwar Vorstandsvorsitzende von General Motors, doch Verwaltungsratschef Ed Whitacre bestimmt die Richtung des Unternehmens

Der Vorstandsvorsitzende von General Motors, Fritz Henderson, sitzt fest im Sattel - ungefähr so fest wie Trainer Louis van Gaal beim FC Bayern. Alle stehen hinter ihm, bis auf weiteres.

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Die Rolle von Franz Beckenbauer hat bei GM Ed Whitacre. Der selbstbewusste Ex-Boss des US-Telefongiganten AT & T ist der neue, mächtige Chef des GM-Verwaltungsrats. Der Mann fragt nicht um Erlaubnis, bevor er Interviews gibt, schließlich ist er der Chef des Chefs. Der 68-Jährige spricht derzeit in so viele Mikrofone, dass den Presseleuten von GM schon schwindlig sein dürfte.

Whitacre stärkt seinem Top-Manager Henderson öffentlich den Rücken und lässt ihn im selben Atemzug wie einen Anfänger aussehen. Die Botschaft der vergangenen Tage ist eindeutig: Vorstandschef Henderson kann erzählen, was er will, die Richtung aber bestimmt Whitacre.

Das Gerangel an der GM-Spitze hinterlässt vor allem in Deutschland ein chaotisches Bild. Hendersons Trip nach Rüsselsheim in der vergangenen Woche ließ den Steuerzahler verwirrt zurück. Will Opel nun Staatshilfen oder nicht? Henderson hätte das Geld gern. Doch dann sagte sein Aufpasser Whitacre der Kölnischen Rundschau: "Ich glaube, dass wir gar keine Gelder der Bundesregierung für Opel brauchen. Wenn Frau Merkel nichts zur Verfügung stellen will, dann bezahlen wir das eben selbst."

Das freute Rainer Brüderle (FDP), der prompt in einer Talkshow hinaus posaunte, dass GM die Opel-Sanierung aus eigener Kraft schaffen will. Die Henderson untergeordnete GM-Pressestelle aber korrigierte den Wirtschaftsminister: Ganz so sei das nun nicht. Finanzielle Unterstützung von den EU-Staaten mit Opel-Standorten und der Belegschaft sei weiterhin erforderlich.

Es ist nicht nur ein Desaster für die PR-Abteilung, es ist auch eines für Henderson persönlich. Der GM-Vorstandschef hat einfach kein Glück mit Opel, dieser Verluste einfahrenden Filiale im fernen Europa. Henderson war es, der die Verkaufspläne ausgearbeitet hat und dem Verwaltungsrat präsentierte.

Noch am Morgen der entscheidenden Sitzung des Verwaltungsrats sei er von einem Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und die russische Sberbank ausgegangen, berichten GM-Kenner. Nach der Vorstellung seiner Pläne legte er sich aber auf keine Position fest, heißt es. Er wollte sich offenbar nicht gegen seine Aufseher stellen.

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Leser-Kommentare

  1. Dann gibt es einige Automarken weniger!

    • 14.11.2009 um 18:03 Uhr
    • joG

    ...vor allem in Deutschland ein chaotisches Bild."

    Das ist wohl nur daher, weil man verzweifelt einen Schuldigen braucht, damit man dem Volk vormachen könne legal aus der Sache herauskommen. Das ist aber nicht schlimm. Es ist nämlich der Geisteszustand unter dem man zu leiden kommt, wenn man medial schlecht informiert und politisch verhetzt wurde.
    Bemerkanswert ist es aber doch, da man dieses und ähnliches Verhalten in Deutschland immer wieder beobachten darf.

  2. Eine Heuschrecke neben der anderen - sprung-, flug- und fressbereit.

    Bei Carlyle Group fallen mir sofort CIA, die Familien Bush und Bin Laden ein - und dass Bush Senior als Ex-Präsident immer noch täglich den aktuellen CIA-Lagebericht erhält. Das hilft sicher beim Spekulieren mit fremden und eigenem Geld erheblich.

    Inwieweit die mit dem Chevrolet-Schild beklebten Daewoo-Autos aus Korea zu Image und Umsatz beitragen, sei dahin gestellt.

    Opel war auch nicht wirklich defizitär. Vielmehr wurde Opel von GM mit vielen Dingen beauftragt und schlecht oder gar nicht bezahlt - auch um in Deutschland keine Steuern zahlen zu müssen. Hier hat sich GM immer schon wie eine Private Equity-Gesellschaft verhalten.

    Dann sollen die Herrschaften mal Opel Europa auf neue Füsse stellen (natürlich mit eigenem Geld - ist ja ihr Laden) und die Steuerzahler in Europa in Frieden lassen. Vielleicht kaufen die dann weiter Opel-Autos zum Ausgleich.

  3. Es ist klar, dass durch die vielfach undurchsichtigen Firmenkonstruktionen von außen schwer zu erkennen ist, welcher Firmenteil der eigentliche Verlustbringer ist. Die Deutschen Wirtschaftsjournalisten sollten aber endlich erkennen, dass Opel nicht der Verlustbringer von GM, sondern der goldene Kern des Konzern darstellt. Deshalb hat auch GM ein ziemliches Problem in der Argumentation. Die Plattform-Strategie von GM baut auf Opel-Knowhow auf. Das Problem von GM ist, dass Opel zu sehr als Regionalmarke in Detroit gesehen wurde.

    • 15.11.2009 um 10:50 Uhr
    • self22

    Ergänzung zu @meander. Die Deutschen glauben ja immer noch, dass das nach rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten läuft. So läuft es hier nicht und auch anderswo nicht. Zum Beispiel ist bekannt, dass wir Deutschen für einen exorbitant großen Teil der niemals rückzahlbaren Hypotheken (neudeutsch: Subprime)der Amis geradestehen müssen. An Wall Street und City kursiert nicht umsonst schon ewig das Gerücht: "Den Deutschen kann man alles verkaufen". Auf Opel bezogen könnte man auch sagen: "Die Deutschen entwickeln uns das schon für Lau".
    Jetzt schicken wir unsere gesamten Bankdaten noch nach Amerika. Und die wollen ja damit nur den Bin Laden finden oder besser nicht finden. Wer's glaubt, soll selig werden. Träumt schön weiter....

  4. Ich habe zunehmend das Gefühl, dass das Unternehmen GM genau weiß was es will.- Offensichtlich scheint es aber keine klare Linie (und Kommunikation) bei der Bundesregierung zu geben.- Wobei die scheinbar ohnenhin nicht mehr weiß was sie will oder wollen soll...

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  • Von Felix Wadewitz
  • Datum 14.11.2009 - 15:58 Uhr
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  • Schlagworte Automobilindustrie | Subvention | USA
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