Zukunft von Opel General Motors streicht 5300 Stellen in Deutschland

Erste konkrete Zahlen sind nach außen gedrungen. Insgesamt 8700 Jobs sollen in Europa wegfallen, vor allem in Deutschland. Fest steht: Eisenach bleibt erhalten.

Bei Opel in Deutschland sollen 5300 Stellen gestrichen werden. Aus Unternehmenskreisen von General Motors (GM) hieß es am Mittwochmittag, dass 2400 Stellen in Rüsselsheim, 2300 in Bochum und jeweils 300 Arbeitsplätze in Eisenach und Kaiserslautern wegfallen werden. Sollten sich die bislang noch unbestätigten Zahlen bewahrheiten, gehört Deutschland zu den von der Sanierung am stärksten betroffenen Opel-Standorten.

Insgesamt sieht der GM-Plan den Abbau von 8700 Arbeitsplätzen in Europa vor. Stark betroffen ist auch Belgien: Hier sollen 2000 Stellen wegfallen. Somit müssten Deutschland und Belgien 84 Prozent der Restrukturierung schultern, hieß es in Unternehmenskreisen. Ob damit das Aus des belgischen Werks in Antwerpen bevorsteht, sei aber noch unklar. Dort montieren rund 2580 Beschäftigte den Opel Astra.

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Nach einem Treffen des neuen GM-Europachefs Nick Reilly mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) am Mittwochvormittag hatte Reilly noch von bis zu 9500 der 50.000 Stellen gesprochen, die in Europa abgebaut werden sollen.

Die Opel-Misere: Finanzen

Genaue Zahlen zur finanziellen Lage von Opel sind schwer zu bekommen.

Zwar verkündete Fritz Henderson, Chef von General Motors, vor wenigen Tagen, im Europageschäft – das zu 80 Prozent aus Opel besteht – habe der Konzern zwischen Juli und Ende September mehr als 400 Millionen Dollar Verlust eingefahren. Eine offizielle BIlanz, in der diese Zahl steht, gibt es aber nicht.

Anzunehmen ist jedoch, dass Opel weiterhin hohe Verluste erwirtschaftet. "Die Geschichte, Opel sei in Wahrheit kerngesund, ist eine Mär", sagt der Automobilexperte Stefan Bratzel. Daran ändert auch die Abwrackprämie nichts, die den Absatz von Autos in Deutschland in diesem Jahr stark angekurbelt und von der auch Opel profitiert hat.

Erstens ist der Effekt nicht von Dauer. Und zweitens, so merkt Bratzel an, müsse man mit den "verkauften Autos auch Geld" verdienen. Weil die Nachfrage zuletzt in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise drastisch eingebrochen ist, hätten viele Autohersteller die Preise so stark gesenkt, bis ihre Gewinne dahin schmolzen.

Absatzzahlen

Opel mag in Deutschland von der Abwrackprämie profitiert haben. Europaweit aber hat der Autohersteller stärker als andere Hersteller in diesem Jahr an Absatz eingebüßt.

Wie der Branchenverband Acea unlängst mitteilte, sanken die Verkäufe auf gesamten europäischen Markt um fünf Prozent bis Ende Oktober, der Absatz von Opel-Fahrzeugen jedoch noch stärker um 10 Prozent auf 915.000 Autos.

Auch der Marktanteil von Opel verringerte sich in Europa auf 7,5 Prozent.

Liquidität

1,5 Milliarden Euro an Überbrückungskredit hat die Bundesregierung zur Verfügung gestellt, um das Geschäft von Opel am Leben zu halten.

Hiervon hat der Autohersteller jedoch nur einen kleinen Teil abgerufen. Der Grund: Weil der Absatz von Autos durch die Abwrackprämie besser lief als geplant, war immer genug Cash in der Kasse, um Zulieferer und Kunden zu bezahlen. Größere Investitionen konnte Opel in den vergangenen Monaten jedoch nicht tätigen, schätzt Automobilexperte Bratzel.

Diese Investitionslücke muss GM nun  schließen. Ob die Amerikaner allerdings über genügend Mittel verfügen, um strategische Investitionen in neue Produkte voranzutreiben, ist fraglich.

Eisenach bleibt erhalten

Eine konkrete Zusage gab es aus Thüringen: Das Opel-Werk in Eisenach wird auch in Zukunft den Corsa bauen können, das Werk bleibt erhalten. Auch die vorübergehend angedachte zweijährige Stilllegung des Werks sei vom Tisch, sagte Reilly am Mittwochmittag nach einem Gespräch mit Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) in Rüsselsheim.

Nach den derzeitigen Plänen solle die Produktion in dem Werk bis 2012 wieder auf 100 Prozent der Kapazität hochgefahren werden – wenn die Autobranche nicht erneut von einer Wirtschaftskrise erfasst werde. In dem Werk arbeiten 1700 Menschen, der Schwerpunkt der Produktion liegt auf dem Corsa. 

GM hofft auf Staatshilfen

Am Dienstag hatte Reilly bereits Standortgarantien für Bochum und Kaiserslautern abgegeben. Zudem zahlte GM die letzte Rate eines deutschen Überbrückungskredits zurück. Damit ist Opel wieder komplett unter der Kontrolle des US-Autoherstellers, ferner kann die Opel-Treuhand aufgelöst werden, bei der 65 Prozent der Firmenanteile für einen möglichen Käufer geparkt worden waren. Insgesamt belief sich der Kreditrahmen auf 1,5 Milliarden Euro.

GM rechnet bei seinem auf 3,3 Milliarden Euro bezifferten Sanierungsplan auch mit Staatshilfen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte an, mögliche Beihilfen für den Autobauer auch künftig "strikt" darauf zu prüfen, ob sie mit EU-Vorschriften vereinbar seien. Ein Wettbewerb in Sachen Subventionen liege nicht im Interesse der EU, sagte Barroso am Dienstag vor dem Europaparlament in Straßburg.

 
Leser-Kommentare
  1. Was Bach zu Leipzig beim Orgeln in der Thomaskirche noch bewusst war, entschwand durch die Zeitenläufe ganz offenbar inzwischen im Orkus: So unmöglich es bleibt eine Fuge zu komponieren, können Stellen gestrichen werden, weil jegliches Unterfangen, das strategisch sowohl letzteres als auch ersteres sich auf seine Fahne schriebe, bereits durch die Wirklichkeit von vornherein ausgeschlossen würde.

  2. Fuer den Fortbestand der Marke Opel kann es wirtschaftlicher sein, ein Werk zu schliessen, anstattin mehreren Werken nur noch in einer Schicht zu arbeiten und damit verfuegbare Produktionskapazitaeten nicht auszunutzen.

    • joG
    • 25.11.2009 um 13:01 Uhr

    ...will GM weniger Stellen in Europa abbauen, als im Magnaplan vorgesehen war. In Deutschland sieht das zunächst anders aus, aber Magna wollte ganze Werke schließen und sagte sie wolle "wenigstens" soundsoviele entlassen. Man hatte für den Magnaplan Subventionen genehmigt und zugesagt. Wie man nun einem "besseren" Plan ohne Rechtsbruch ähnliche Hilfe versagen will, scheint unklar.
    Dass man das nun über die Eu zu erreichen sucht ist offensichtlich. Man hofft so den Schwarzen Peter nach Brüssel weiter schieben zu können. Man will sagen können, man dürfe halt nicht. Ob man einem da den Gute Glaube bei den früheren Verhandlungen und gemachten Zusagen abnimmt?
    Ich glaube das nicht.

  3. "Gesundschrumpfen" ist ein völlig natürlicher Prozess!

    Leistungen vom Staat, welche über das Maß von Kurzarbeitergeld / Arbeitslosengeld / Umschulung / Weiterbildung gehen, sind nicht akzeptabel!

    Es wäre begrüssenswert, wenn in diesem Rahmen ein deutlicher Punkt gesetzt würde.

    DANN könnte man sich vlt. mal damit befassen, welche Autobauer als nächstes dran sind! Wetten!?

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