Finanzkrise "Ich hoffe, dass die Immobilienpreise China zu Fall bringen"Seite 2/2

Wie berechtigt die Abstiegsangst sein kann, die Immobilienmakler Zhang bei seinen Kunden beobachtet, hat der Unternehmer Xiao Minbao am eigenen Leibe erlebt. Der Wert seiner 2006 gekauften 120-Quadratmeter-Wohnung hat sich in diesem Jahr zwar wieder verdoppelt. Doch er kann die Raten nicht mehr zahlen, seit die Krise sein Geschäft für Bürostühle und -zubehör erwischte. Im vergangenen Jahr musste er bis zu 40 Prozent seiner Einnahmen für die monatliche 500 Euro-Kreditratenzahlung aufwenden. Jetzt ist der 34-jährige Xiao mit Frau und Sohn in eine kleinere Mietwohnung umgezogen und hat seine Immobilie vermietet.

Auch Freunde und Bekannte äußern zunehmend Zukunftssorgen, obwohl sie feste Einkommen haben. "Das eine ist, dass die Kosten für Schulbildung und Arztbesuche weiter zunehmen", sagt Xiao, "das andere ist, dass wir den Überblick und damit das Vertrauen in die Preisentwicklungen verloren haben."

Wie viel politische Brisanz in der Krisenstimmung der urbanen Bevölkerung steckt, zeigte ein Blog-Beitrag eines selbsternannten Immobilienanalysten mit dem Pseudonym "Ochsenmesser". Eine Inflationsrate von drei Prozent könnten 50 Prozent der chinesischen white-collar-Angestellten in den Ruin treiben, schrieb er Mitte November in seinem Wirtschaftsblog, das auf der angesehenen Plattform der Hongkonger Firma Phoenix TV läuft.

Er begründet seine These mit Stichumfragen in Peking und Shanghai, laut derer Monatszahlungen für Kredite mit 20-jähriger Laufzeit bis zu 50 Prozent eines Haushaltseinkommens fressen. In nur zehn Jahren hätten private Hypothekenkredite in China mit über drei Milliarden Euro ein Volumen erreicht, für dessen Akkumulation die USA 50 Jahren gebraucht habe.

Binnen weniger Stunden wurde der Beitrag zu einem der meistgelesenen Artikel im Internet. Für die Stichhaltigkeit der Analyse interessierten sich die Leser wenig. Viele Kommentatoren nahmen die fragile Situation der white collar als Beleg für ein Wachstum, welches primär den Reichen und Mächtigen zugute kommt.

"Warum werden die Wohnungspreise auch in Zukunft nicht fallen?", schreibt ein Kommentator, "außer den Interessen der lokalen Regierungen und Geschäftsleute geht es doch nur um die verdammte sogenannte 'Stabilität'". Ein anderer Nutzer ruft die Leser zum Handeln auf: "Wir Bürger müssen uns zusammentun und ein Jahr lang keine Wohnungen kaufen", schreibt er, "dann treiben wir die gierigen Immobilienunternehmer in den Ruin."

Andere verbreiten Weltuntergangsstimmung: Ein User mit dem Pseudonym "wer Geld hat soll auswandern" kommentiert: "Bereitet Euch vor. Zieht schon mal in eine kleinere Wohnung um und haltet Cash für den Notfall bereit." Ein weiterer schreibt zynisch: "Ich hoffe, dass die Immobilienpreise China zu Fall bringen, ich warte darauf."

 
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