Karstadt-Sanierung Mitarbeiter verzichten auf 150 Millionen Euro
Zur Rettung der Warenhauskette Karstadt haben die Beschäftigten Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld akzeptiert. Die Zukunft von 17 Kaufhäusern ist aber ungewiss.
© Bodo Marks/dpa

Hoffnung auf Rettung: Die Mitarbeiter verzichten zugunsten der Sanierung Karstadts auf viel Geld
150 Millionen Euro für die Rettung von Karstadt: Die 28.000 Karstadt-Mitarbeiter wollen sich an der Sanierung des insolventen Unternehmens beteiligen. Die Beschäftigten verzichten für drei Jahre auf 75 Prozent ihres Weihnachtsgelds sowie das Urlaubsgeld und tarifliche Vorsorgeleistungen, wie die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane am Samstag mitteilte. Dies sei ein Beitrag von etwa 50 Millionen Euro jährlich. Beschäftigte mit einem Jahresgehalt unter 18.000 Euro seien ausgenommen. Die Beiträge sollten auf ein Treuhandkonto eingezahlt werden, solange Karstadt in der Insolvenz sei.
Der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte den Sanierungsbeitrag der Mitarbeiter angeregt. Im Gegenzug sollen die Standorte gesichert werden und die Jobs weitgehend erhalten bleiben. Mönig-Raane sagte, trotz der Vereinbarung blieben 17 der 126 Häuser von der Schließung bedroht, so lange der Insolvenzplan für Karstadt nicht endgültig feststehe. Ursprünglich hatte Görg die Schließung von 19 Häusern diskutiert.
Mönig-Raane zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Zahl von 17 zu schließenden Häusern nicht erreicht werde. Falls alle 17 Häuser geschlossen würden, wäre eine vierstellige Zahl von Mitarbeitern betroffen, sagte die Gewerkschafterin. Am Montag muss die Tarifkommission der Gewerkschaft die Vereinbarung absegnen.
Görg erwartet nun von den Vermietern, Dienstleistern und Lieferanten des Warenhausunternehmens weiteres Entgegenkommen. Der Karstadt-Insolvenzbeauftragte Rolf Weidmann sagte, mit den Arbeitnehmervertretern sei ein ganz wesentlicher Beitrag für eine Sanierung erreicht worden. Mit den anderen Parteien würden weiter Gespräche geführt. Ein kurzfristiges Ergebnis sei jedoch nicht zu erwarten, hieß es.
Das Immobilien-Konsortium Highstreet ist offenbar zu Zugeständnissen bereit, berichtet die Wirtschaftswoche. Dazu gehört etwa der Verzicht auf starre Mietsteigerungsklauseln. Weidmann wollte den Bericht nicht bestätigen. Highstreet hatte zuletzt Mieteinnahmen von rund 277 Millionen Euro von Karstadt erhalten.
Karstadt hatte im Zuge der Pleite des Mutterkonzerns Arcandor im Sommer Insolvenz beantragt. Bei der Karstadt-Gläubigerversammlung am kommenden Dienstag soll über einen Insolvenzplan beraten werden. Ziel sei es weiterhin, das Warenhaus-Unternehmen als Ganzes zu erhalten und dafür einen Investor zu finden, sagte Weidmann. Die Insolvenzverwaltung spreche bereits mit möglichen Interessenten.
Von der Arcandor-Pleite war neben Karstadt auch die Versandhandelssparte Primondo mit dem Flagschiff Quelle betroffen. Das Aus von Quelle ist bereits beschlossene Sache. Bis Kreditgeber, Lieferanten und Dienstleister Geld sehen, kann es Jahre dauern.
- Datum 08.11.2009 - 12:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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