Wie die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) am Donnerstag mitteilte, bezieht sich ihre Offerte auf etwa 5000 Kunden an, die bei ihr Lehman-Zertifikate erworben hatten. Die Bank wolle ihnen die Papiere für 50 Prozent des angelegten Betrages abkaufen. Das Angebot gilt laut Fraspa bis zum 22. Dezember 2009.

Auch diejenigen Kunden, die bislang keine Ansprüche gegen die Sparkasse geltend gemacht hätten, könnten den Vorschlag annehmen, teilte der Vorstand mit. Zahlreiche Kunden fordern vor Gericht von der Bank und anderen deutschen Geldhäusern Schadensersatz, weil sie durch den Kauf von Zertifikaten der US-Bank Lehman Brothers ihre Ersparnisse verloren haben. Sie werfen den Bankberatern vor, sie über mögliche Risiken nicht ausreichend aufgeklärt zu haben. Durch die Pleite von Lehman Brothers im September 2008 wurden die Papiere auf einen Schlag wertlos. Anleger und Firmen rund um die Welt mussten Milliardenbeträge abschreiben.

Die Fraspa hat für ihr Angebot laut eigenen Angaben 44 Millionen Euro bereitgestellt. Es handelt es sich um die bislang größte Rücknahmeaktion von Lehman-Papieren einer Sparkasse in Deutschland. Zuvor hatte bereits die Sparkasse in Hannover ihren rund 1000 betroffenen Kunden je nach Kaufdatum 50 oder 75 Prozent Entschädigung angeboten. Bis Ende vergangener Woche hatten 95 Prozent der Kunden das Angebot angenommen, wie eine Sprecherin sagte. Sie bezifferte das Volumen auf rund 16 Millionen Euro. Die Hamburger Sparkasse hatte schon im Februar rund 1000 Käufer von Zertifikaten mit 10 bis 100 Prozent entschädigt.

Fraspa-Vorstandschef Hans Grüntker erklärte, die Sparkasse habe sich unabhängig von ihrer Rechtsposition zu dem Angebot der Entschädigung entschlossen. Inhaber von Lehman-Zertifikaten könnten nicht wie andere Bürger von den staatlichen Hilfen für den Finanzsektor profitieren. Der Sparkassen-Dachverband DSGV bezeichnete den Schritt als "außergewöhnliche Aktion".

Die Verbraucherzentrale Hessen begrüßte das Angebot der Fraspa, warnte Bankkunden aber vor einer voreiligen Entscheidung. Anleger ohne Erfahrung mit Wertpapieren könnten womöglich mehr als 50 Prozent Entschädigung geltend machen. Daher lohne sich eine Beratung durch die Verbraucherzentrale oder Anwälte.

In Deutschland haben schätzungsweise 40.000 Menschen Lehman-Zertifikate gekauft. Nur ein Teil davon war vor Gericht erfolgreich. In einzelnen Härtefällen – also bei schwer kranken, sehr alten oder bedürftigen Menschen – haben Banken wie die Citibank oder die Hamburger Sparkasse bereits von sich aus einen Teil der angelegten Summen zurückerstattet.

Allerdings ist die Rechtslage trotz der ergangenen Urteile unklar. So trägt beim Kauf von Schuldverschreibungen einer Bank auch der Kunde ein Teilrisiko: Geht der Herausgeber der Zertifikate pleite, droht dem Anleger ein Totalverlust des investierten Kapitals. Vertrieben wurden die Papiere vor allem von der Citibank, der zur Commerzbank gehörende Dresdner Bank sowie von den Sparkassen in Hamburg, Hannover und Frankfurt. Meist hatten die Zertifikate ein Volumen von 10.000 bis 50.000 Euro pro Kunde.