Chronik Das Geschacher um Opel
Vor über einem Jahr bat der Automobilhersteller um Staatshilfe. Gestern lehnte GM den Verkauf von Opel an Magna ab. Was in der Zwischenzeit geschah
14. November 2008: Betriebsrat und Opel-Führung ersuchen im Kanzleramt um Staatshilfe: Sie wollen rund eine Milliarde Euro als Bürgschaft.
11. Januar 2009: Die CDU beschließt in Erfurt einen "Pakt für Deutschland" und kann sich auch direkte Staatsbeteiligungen an Not leidenden Unternehmen vorstellen. Auf Druck des CDU-Wirtschaftsflügels wird diese Passage wenige Tage später zurückgezogen.
30. Januar: Nach einem Besuch in Detroit erkennt Opel-Betriebsratschef Klaus Franz erstmals die Möglichkeit einer Trennung der Adam Opel GmbH von General Motors.
17. Februar: GM will weltweit 47.000 Stellen streichen, 26.000 außerhalb der USA.
26. Februar: SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier spricht vor 15.000 Opelanern in Rüsselsheim. Niemand dürfe leichtfertige Versprechungen machen, sagt er.
22. März: In der ARD schließt Kanzlerin Angela Merkel eine direkte Staatsbeteiligung an Opel aus.
30. März: Steinmeier legt seinen Plan zur Opel-Rettung vor. Darin steht: "Ich halte die vorübergehende staatliche Beteiligung nach gründlicher Abwägung für politisch verantwortbar."
31. März: Merkel plädiert in Rüsselsheim dafür, einen privaten Investor zu suchen, stellt aber staatliche Hilfen in Aussicht.
27./28. Mai: Ein Krisengipfel im Kanzleramt scheitert. GM meldet eine Finanzierungslücke von 300 Millionen Euro.
29. Mai: Der Investorenkreis lichtet sich: Fiat sagt ab, der chinesische Autobauer BAIC bessert das Angebot nicht nach, auch der Finanzinvestor RHJI scheint aus dem Rennen. Bleibt der Zulieferer Magna.
30. Mai: Bund, Länder, GM, das US-Finanzministerium und Magna einigen sich auf einen Überbrückungskredit und das Treuhandmodell. Eine Absichtserklärung wird unterzeichnet. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte sich gegen Staatshilfen ausgesprochen.
1. Juni:GM reicht Insolvenz ein.
10. Juli: GM bekommt für einen Neustart mehr als 50 Milliarden US-Dollar Steuergeld.
6. August:GM will RHJI als Investor. Bund und Länder favorisieren Magna, weil der Konzern mehr Jobs garantiert.
21. August: Der GM-Verwaltungsrat vertagt den Beschluss über einen der Bieter.
25. August: Erneutes Opel-Spitzentreffen zwischen Bund, Ländern und GM in Berlin. Laut Medienberichten prüft der US-Autokonzern, seine bisherige Tochter doch zu behalten.
2. September: RHJI hat sein Angebot nochmals nachgebessert und fordert jetzt 600 Millionen Euro weniger Staatshilfen. Die Bundesregierung spricht sich jedoch erneut für Magna aus.
10. September: GM-Verwaltungsrat empfiehlt einen Verkauf von Opel an Magna. Die Treuhand genehmigt das Geschäft.
14. September: Magna bestätigt Stellenabbau in Deutschland: 4000 der 25.000 Arbeitsplätze seien gefährdet. EU-Kommission kündigt "sehr sorgfältige" Prüfung an. Proteste der Standorte in Belgien, Großbritannien und Spanien.
22. September: Bevor weitere Milliarden fließen, müssen Wirtschaftsprüfer grünes Licht geben. PriceWaterhouseCoopers stuft die Pläne Magnas als "nicht besonders robust" ein.
15. Oktober: Aus Sorge um ein späteres Veto der EU-Kommission legen Magna, sein russischer Partner Sberbank und GM die Unterzeichnung des Übernahmevertrags auf Eis.
16. Oktober: EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes äußert schwere Bedenken gegen die von der Bundesregierung versprochenen 4,5 Milliarden Euro an Staatshilfen. Die Hilfszusagen dürften nicht an einen Bieter gebunden sein.
3. November: Der GM-Verwaltungsrat beschließt in einer dramatischen Wendung, Opel doch zu behalten (hier der Wortlaut der Erklärung). Der Mutterkonzern will das Europa-Geschäft selber sanieren.
(Anne-Kathrin Bronsert; mit dpa)
- Datum 04.11.2009 - 11:30 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren