Opel Deutsche Seite über GM-Entscheidung enttäuscht

Die Bundesregierung hat mit Bedauern auf den geplatzten Verkauf von Opel reagiert. Der Betriebsrat des deutschen Autobauers sieht drei Werke akut gefährdet.

Die Bundesregierung bedauert die Entscheidung des GM-Verwaltungsrats, Opel nicht zu verkaufen. "Mit dieser Entscheidung ist ein Investorenprozess abgebrochen worden, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monate von allen Beteiligten – einschließlich GM – intensiv geführt wurde", erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in der Nacht. Das bis zuletzt auch von General Motors favorisierte Konzept des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna und der russischen Sberbank zeichne sich durch eine "überzeugende industrielle Logik" aus.

Die Bundesregierung erwarte nun, dass General Motors Opel in seiner Leistungsfähigkeit stärkt, die erforderlichen Anpassungen auf ein unverzichtbares Mindestmaß begrenzt und die aus Mitteln der KfW und der Landesförderbanken gewährleistete Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro entsprechend den vertraglich vereinbarten Konditionen fristgerecht zurückzahlt.

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Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zeigte sich "sehr betroffen und zugleich verärgert" über die Entscheidung des US-Autobauers. "Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze", sagte Koch unmittelbar nach der Entscheidung in Detroit.

Der Chef des Opel-Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, sieht durch die Entscheidung des US-Mutterkonzerns General Motors, Opel doch nicht zu verkaufen, drei Werke "akut gefährdet". Die Standorte in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen seien von der Schließung bedroht. Die Arbeitnehmer würden nun alle Zusagen über Einsparungen zurückziehen und zunächst über das weitere Vorgehen beraten, so Franz weiter.

Der Betriebsratschef erwartet, dass die von der Bundesregierung im Fall des Opel-Verkaufs zugesagten Finanzhilfen nicht gezahlt werden: "Ich gehe auch davon aus, dass sich die Bundesregierung von GM nicht erpressen lässt, zumal es mit Magna eine andere Alternative gibt", sagte Franz. Es sei auch unwahrscheinlich, "dass GM aus anderen Ländern Geld bekommt, da diese die Zusage nur auf Basis des industriellen Konzeptes von Magna getroffen" hätten.

Auch der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel drängte auf schnelle Entscheidungen. Die Hängepartie sei für die Mitarbeiter unerträglich. Der Finanzierungsrahmen der Bundesregierung stehe nur bis Ende November. "Ohne Opel hat GM keine Zukunft in Europa. Ich gehe davon aus, dass sie auch die Werke brauchen", sagte Einenkel der Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung.

Der Verwaltungsrat des Opel-Mutterkonzerns hatte sich am Dienstagabend in Detroit unerwartet gegen den lange geplanten Verkauf entschieden.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. GM?

    Seit über Jahrzehnte ist bekannt, das GM ein Moloch für die Nordhalbkugel ist, und ein Wunderland für Manager wenn es ums Absahnen geht. Nichts, wirklich Nichts davon ist unbekannt.
    Das man nun Opel von GM lösen wollte war prinzipiell ein guter Schritt in Richtung "Freiheit".
    Aber das man in gleichem Atemzug den Laden an die Russen verhökern wollte hat mich traurig gestimmt und ich konnte nicht begreifen wie die Opelaner das befürworten konnten.
    Jetzt besteht endlich wieder Klarheit.
    Lieber beim kranken großen Bruder bleiben als zu einer neuen kranken Ausbeutungsschwester hinüberretten, die auch nur eines im Sinn hat...

    Und noch was Schönes: Merkel hat fertig!

  2. Betriebsrat Franz hat sich fuer den Deal eingesetzt und ihn massgeblch eingefaedelt. Es waere ein richtiges Zeichen, wenn er jetzt den ewg frei machen wuerde fuer einen NAchfolger. Er hat durch versprochenen und nun wieder doch nicht versprochenen Mitarbeierdeals bereits so viel Hypotheken, dass es fuer alle BEteiligten leichter waere, wenn er sich aus den Verhandlungen zurueckziehen wuerde.

    Und auch MErkel ist schwer beschaedigt. Sie stand fuer den Deal und hat ihn gegen Widerstand aus den eigenen REihen durchgesetzt. Dass er jetzt nicht zustandekommt ist eine Schlappe fuer sie und hoffentlich ein Zeichen, dass der Staat sich in ZUkunft aus solchen VErhandlungen rauszuhalten hat. Fuer die Mitarbeiter und die Steuerzahler wurde nichts gewonnen und ein Ueberbrueckungskredit von 1,5 Milliarden Euro steht ja noch aus.

    • joG
    • 04.11.2009 um 8:27 Uhr

    ....mit den Subventionen zum politisch nützlichen aber für GM wirtschaftlich schlechten Verkauf pressen. Die Arbeiter zeigten sich gegenüber GM feindlich. Ob man sich da einen Gefallen getan hat?

    Wenn nun die Politiker sich nun verwundert, verärgert oder enttäuscht zeigen und GM Vorwürfe machen, so wollen sie damit nur die Bevölkerung täuschen. Dass das die Leute aufbringt ist fragwürdig, aber das ist man gewohnt.

    Dass die lokalen Politiker offensichtlich EU Recht gebrochen hatte und einen ausländischen Investoren so behandelte, stellt die Eigentumsrechtssicherheit des deutschen Standorts sehr in Frage und muss nach dem Lex Flowers und vielen anderen Staatsaktionen beunruhigen.

  3. ...Firmen in fremden Ländern aus der Patsche hilft.

    Guttenberg hatte Recht, geordnete Insolvenz wäre der Weg gewesen.

    jetzt hat sich GM dank staatlicher Hilfen erholt, alle europäischen Länder haben ihre Subventionszusagen auf den Tisch gelegt, jetzt geht GM reihum und erpresst einen nach dem anderen.

    Und die Merkel (und der Steinmeier) die schaun stumm, auf dem leeren Tisch herum.

  4. Die Deutsche Seite zeigt sich enttäuscht? Ich glaube nicht. Herr von Gutemberg hat immer deutlich gemacht, dass der Deal mit Magna und Sberbank wegen des Know-how-Transfers nach Russland in Wirklichkeit nicht gern gesehen wird. Die strategische Partnerschaft unter Merkel reduziert sich -anders als unter Schröder- auf Gas- und Oellieferungen. Ein leistungsfähigen Konkurrenten aus dem Osten für den deutschen Automarkt wollte man aber in Wirklichkeit nicht haben. Deshalb werden jetzt Krokokilstränen geweint. Keine Frage.

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