Autobranche Opel-Mitarbeiter verzichten auf Millionen

Eine wichtige Hürde für den Opel-Verkauf ist genommen: Die Arbeitnehmer verzichten auf 265 Millionen Euro, um das Unternehmen zu sanieren - nun hängt alles von GM ab.

Opel-Mitarbeiter im Werk Eisanach: Die Beschäftigten verzichten auf Millionen – und übernehmen zugleich Anteile am Unternehmen

Opel-Mitarbeiter im Werk Eisanach: Die Beschäftigten verzichten auf Millionen – und übernehmen zugleich Anteile am Unternehmen

Es ist ein Signal in Richtung Detroit: Am Dienstag billigten die Mitarbeiter von Opel zur Sanierung des Unternehmens erhebliche Gehaltskürzungen in Höhe von 265 Millionen Euro. Das teilte der Gesamtbetriebsrat von Opel am Dienstag mit. Bis zum Jahr 2014 summiert sich der Beitrag der Mitarbeiter auf rund 1,6 Milliarden Euro. Im Gegenzug erhalten die Arbeitnehmer zehn Prozent der Anteile an der geplanten Gesellschaft "New Opel" und sind künftig stimmberechtigte Investoren.

Damit ist grundsätzlich der Weg frei für einen Einstieg des Konsortiums um den austrokanadischen Zulieferer Magna bei Opel. Nun fehlt nur noch die Zustimmung des GM-Verwaltungsrates der heute Abend in Detroit tagt. Dessen Votum zu dem Plan ist äußerst unsicher. Insider halten es für möglich, dass GM den Verkauf wieder absagt – und Opel selbst sanieren will, womöglich mit Staatshilfe.

Manager von Opel und Magna sowie der Betriebsrat hatten sich zuletzt zwar zuversichtlich gezeigt, dass das Gremium an seiner Empfehlung vom September festhält, Opel an Magna zu verkaufen. Auch der US-Konzern hatte mehrfach betont, dass an der Entscheidung zugunsten des Zulieferers nicht gerüttelt werde. Allerdings schrieb das Wall Street Journal am Montag in der Online-Ausgabe, es sei unklar, ob der GM-Verwaltungsrat nicht seine Position ändere.

Der Gehaltsverzicht der Opelaner ist Teil des Sanierungsplans, den Magna vorgelegt hat. Dieser sieht vor, dass die Mitarbeiter auf Teile des Weihnachts- und Urlaubsgeldes bis 2011 sowie vorübergehend auf Tariferhöhungen und Einzahlungen in die Betriebsrentenkasse verzichten. In Deutschland sollen die Beschäftigten erst 2012 wieder zu den mit der IG Metall vereinbarten Tarifverträgen zurückkehren.

Der Gesamtbetriebsrat knüpfte seine Zugeständnisse aber daran, dass Magna und dessen russischer Partner Sberbank tatsächlich den Zuschlag für Opel erhalten. GM will bei einer Übernahme durch Magna 35 Prozent an Opel behalten, Magna und Sberbank übernehmen jeweils 27,5 Prozent.

"Die Einschnitte sind schmerzhaft für uns alle, doch wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen", sagte der Vorsitzende des europäischen Betriebsrats, Klaus Franz, laut einer Mitteilung. "Die Belegschaft wird erstmals stimmberechtigter Investor an ihrem Unternehmen, mit gleichen Rechten und Pflichten wie die anderen Eigner – das ist ein absolutes Novum."

Sollte es zu dem Magna-Deal kommen, wird einem Pressebericht zufolge der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende von Opel, Carl-Peter Forster, nicht mehr die Führung von "New Opel" übernehmen. Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, hat Forster Magna vor kurzem bereits informiert, dass er für Opel nicht zur Verfügung stehe. Nun solle Magna-Manager Herbert Demel die Opel-Führung übernehmen. Er war bereits Chef bei Audi und kurzzeitig auch bei Fiat.

 
Leser-Kommentare
  1. ... werde die Arbeiter wieder betrogen und belogen dastehen.
    Und auch dann passiert nichts. Weil Hänschen Schmidt verlernt hat auf die Barrikaden zu gehen.
    Die Tigerenten-Koalition wird's schon richten, notfalls springt Mutti Merkel mit paar Millönchen extra ein, schliesslich handelt es sich bei Opel um einen systemrelevanten Betrieb, dessen Konkurs die BRD nicht verkraften würde.

    • Chali
    • 03.11.2009 um 15:05 Uhr

    ... sind für ALG1 relevant.

  2. wird auf Dauer an vielen Deutschen nicht einfach so vorüberziehen...wenn sich die Extreme der Welt weiter annähern (nivellieren) sollen, ist ein Verzicht auch gar nicht verkehrt. Ich muss nicht immer jedem Marketing-Hype hinterherlaufen! Und wenn NewOpel gute Autos baut (mit Perspektive!) werden die Arbeitsplätze auch weiterhin sicher sein.

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    • xtc
    • 03.11.2009 um 15:42 Uhr

    ... den Gehaltsverzicht der "Oberen Zehntausend" in Deutschland, damit sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht mehr ganz so weit öffnet? Oder sollte ich Sie mißverstanden haben?

    • vlad
    • 03.11.2009 um 19:01 Uhr

    wird auf Dauer an vielen Deutschen nicht einfach so vorüberziehen...wenn sich die Extreme der Welt weiter annähern (nivellieren) sollen, ist ein Verzicht auch gar nicht verkehrt.

    Die Extremen Nivellieren sich sicher nicht! Weder national noch international. Haben Sie schon mal etwas vom Gini-Koeffizienten gehoert? Vom Unterschied zwischen Durchschnitt und Median?

    Ich muss nicht immer jedem Marketing-Hype hinterherlaufen! Und wenn NewOpel gute Autos baut (mit Perspektive!) werden die Arbeitsplätze auch weiterhin sicher sein.

    Die koennen so gute Autos bauen, wie sie wollen, wenn es niemanden gibt, der die Autos bezahlen kann, bringt das alles nix.
    Und die oberen 5% werden sich sicher nicht Opels kaufen...

    • xtc
    • 03.11.2009 um 15:42 Uhr

    ... den Gehaltsverzicht der "Oberen Zehntausend" in Deutschland, damit sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht mehr ganz so weit öffnet? Oder sollte ich Sie mißverstanden haben?

    • vlad
    • 03.11.2009 um 19:01 Uhr

    wird auf Dauer an vielen Deutschen nicht einfach so vorüberziehen...wenn sich die Extreme der Welt weiter annähern (nivellieren) sollen, ist ein Verzicht auch gar nicht verkehrt.

    Die Extremen Nivellieren sich sicher nicht! Weder national noch international. Haben Sie schon mal etwas vom Gini-Koeffizienten gehoert? Vom Unterschied zwischen Durchschnitt und Median?

    Ich muss nicht immer jedem Marketing-Hype hinterherlaufen! Und wenn NewOpel gute Autos baut (mit Perspektive!) werden die Arbeitsplätze auch weiterhin sicher sein.

    Die koennen so gute Autos bauen, wie sie wollen, wenn es niemanden gibt, der die Autos bezahlen kann, bringt das alles nix.
    Und die oberen 5% werden sich sicher nicht Opels kaufen...

    • xtc
    • 03.11.2009 um 15:42 Uhr

    ... den Gehaltsverzicht der "Oberen Zehntausend" in Deutschland, damit sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht mehr ganz so weit öffnet? Oder sollte ich Sie mißverstanden haben?

    Antwort auf "Gehaltsverzicht"
  3. ...das können wir uns doch denken:
    Unsere ehemaligen sowjetischen Freunde, die heute wieder Russen sind, werden in Zukunft unsere ehemaligen guten und vor allem teuren Autos in Russland bauen.
    Als Re-Import - ähnlich den Arzneimitteln - werden diese "Vehikel" dann dem deutschen Verbraucher wieder zugeführt. Gut beraten ist der, der dann schon mal Russisch in der Schule hatte (Also unsere ostdeutschen Kollegen!), denn die Betriebsanleitung und die Instrumententafel wird ja dann kyrillische Schriftzeichen tragen. Wenn die Fahrzeuge dann so billig wie ein "LADA" sind und die "ausgezeichnete Qualität" eines "WOLGA" oder "SAPOROSHEZ" besitzen, dann kommt gleich ein bisschen Nostalgie bei den Opelanern (zumindest im Osten) auf.
    Aber auch im Westen werden dann diese Fahrzeuge einen reißenden Absatz finden, hat doch auch dort der Opelaner weniger im "Säckel" und wird dann froh sein, sich überhaupt noch ein Auto leisten zukönnen.
    Und so verbindet der internationale monopolistische Automobilbau wieder die deutschen und russischen Völker - und wer hat erfunden:
    Die Amerikaner und "Angie" wird gleich zu einer neuen Dankesrede ins gelobte Land aufbrechen!

    • vlad
    • 03.11.2009 um 19:01 Uhr

    wird auf Dauer an vielen Deutschen nicht einfach so vorüberziehen...wenn sich die Extreme der Welt weiter annähern (nivellieren) sollen, ist ein Verzicht auch gar nicht verkehrt.

    Die Extremen Nivellieren sich sicher nicht! Weder national noch international. Haben Sie schon mal etwas vom Gini-Koeffizienten gehoert? Vom Unterschied zwischen Durchschnitt und Median?

    Ich muss nicht immer jedem Marketing-Hype hinterherlaufen! Und wenn NewOpel gute Autos baut (mit Perspektive!) werden die Arbeitsplätze auch weiterhin sicher sein.

    Die koennen so gute Autos bauen, wie sie wollen, wenn es niemanden gibt, der die Autos bezahlen kann, bringt das alles nix.
    Und die oberen 5% werden sich sicher nicht Opels kaufen...

    Antwort auf "Gehaltsverzicht"
  4. Da bezahlen jetzt die Mitarbeiter 1,6 Mrd. für 10 %. Und Magna zahlt 500 Mio. für 55%. Ein Narrenspiel.

    Letztlich wird wohl nur der Steuerzahler real Geld in die Runde werfen. Und das reichlich.

  5. Ich habe von 'sollen' geredet. Mir ist klar, dass die Raffgier und der Kampf um noch mehr Profit Änderungen sehr erschweren.

    Den Koeffizienten werde ich mir gerne anschauen, er tut aber rein gar nichts zur Sache: wenn wir weltweit diesen Planeten auf Dauer für die Menschheit erhalten wollen, müssen wir alle langfristig verzichten! Andernfalls hat das ganze (ich erinnere an Populationsdichten in der Biologie) nur eine geringe Halbwertzeit...was sind schon die paar tausend Jahre...und wir tun so als wenn die Erde erst durch uns zur Erde wurde...

    Und ein gutes (auch qualitatives) Produkt setzt sich langfristig durch. Wen stören die Oberen Zehntausend? Die machen die Umsätze nicht...umweltbewusst, innovativ und das Ohr am Mund der Bevölkerung. Alles Dinge, die Opel lange vergessen hat. Ein Blick zurück hat selten geschadet (sieht man einmal von Geschichten in der Bibel ab)...

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